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Aktien und Fonds: So können Sie massiv Gebühren sparen

Eine Kolumne von

Börse in Frankfurt: Anleger sollten sich um ihr Depot kümmern Zur Großansicht
DPA

Börse in Frankfurt: Anleger sollten sich um ihr Depot kümmern

Wertpapiere bieten die Chance auf ordentliche Renditen, verursachen aber oft hohe Kosten. Die können Sie sich zum größten Teil sparen - es ist nicht schwieriger, als online einen Flug zu buchen.

Noch heute muss Norbert Blüm für diesen Satz geradestehen. Vor zwei Jahrzehnten klebte er im Wahlkampf Plakate, auf denen zu lesen war: "Die Rente ist sicher." Er vergaß nur zu ergänzen: "Ihre Höhe nicht."

Ein ähnliches Bonmot ließe sich für die klassische Geldanlage in Aktien, Fonds und anderen Wertpapieren prägen: "Die Kosten sind sicher." Aber diesmal ist der Nachsatz schöner: "Aber ihre Höhe nicht." Denn die können Sie selbst beeinflussen.

Wer sich um die Kosten der Geldanlage in seinem Depot kümmert, kann die Rendite seiner Anlage leicht um einige Prozent erhöhen. Meine Experten bei Finanztip sagen, das sei auch nicht komplizierter, als online einen Flug zu buchen.

Glauben Sie nicht? Dann rechnen Sie mal mit.

Kaufen Sie bei einer Feld-, Wald- und Wiesenbank aktiv gemanagte Fonds für 5000 Euro und lassen sich die von der Fondsgesellschaft ins Depot einbuchen, werden oft fünf Prozent Ausgabeaufschlag fällig. Das macht in diesem Beispiel 250 Euro - eine saftige Rechnung. Hinzu kommt im Anschluss noch eine Aufbewahrungsgebühr in ihrem Depot. Typische Kosten von Allerweltsinstituten sind 20 Euro im Jahr. Über zehn Jahre summieren sich die Gesamtkosten also auf stolze 450 Euro.

  • 1. Schritt:
    Sie haben schon mal gehört, dass Sie sich den Ausgabeaufschlag sparen und Fonds auch an der Börse kaufen können. Sie beherzigen diesen Rat. Viele Banker sehen das zwar nicht gern, aber das Wertpapiergeschäft wird dadurch auch bei Ihrer Feld-, Wald- und Wiesenbank sofort deutlich billiger. Kaufen Sie einen Fonds für 5000 Euro an der Börse, kostet das zum Beispiel bei der Stadtsparkasse München nur noch 50 Euro, die Börsenspesen von einigen Euro sind allerdings noch nicht mitgerechnet. Behalten Sie das Wertpapier über zehn Jahre und bezahlen für das Depot jedes Jahr immer noch 20 Euro, beläuft sich die Gesamtrechnung auf 250 Euro (plus die möglichen Börsenspesen). 50 statt 250 Euro Kaufkosten bedeuten, dass Sie mit diesem Modell schon die ersten 200 Euro gespart haben.
  • 2. Schritt:
    Es geht aber noch deutlich preiswerter. Bei Onlinebanken kostet Sie der Kauf des 5000-Euro-Fonds oft nur eine pauschale Gebühr von weniger als zehn Euro (plus Börsenspesen). Bei Flatex zum Beispiel kostet dieser Kauf 5,90 Euro, und im Direkthandel zahlen Sie auch keine weiteren Spesen dazu. Hinzu käme die Verwahrung im Depot, wäre sie nicht bei zahlreichen Onlinebanken ohnehin kostenlos. Für zehn Jahre Lagerung kommt also nichts hinzu. Sie erinnern sich, wir sind bei 450 Euro Gesamtkosten über zehn Jahre gestartet und inzwischen bei 5,90 Euro angekommen.

Die Rechnung zeigt: Wenn Sie klug handeln, dann gehen über zehn Jahre statt fast zehn Prozent ihrer Anlage nur gut 0,1 Prozent drauf.

Nicht komplizierter, als online ein Flugticket zu kaufen

Das war ein schönes klares Sparbeispiel für eine einmalige Anlage. Die meisten Anleger aber kaufen jedes Jahr mehrfach Wertpapiere. Sie kaufen womöglich aktiv gemanagte Fonds, Indexfonds (ETFs) und Aktien mit unterschiedlichen Anlagebeträgen - oder machen es sich einfach und richten gleich einen Sparplan ein. Auch dann sind der Kauf der Wertpapiere und die Lagerung nicht komplizierter als der Onlinekauf eines Flugtickets.

Im Alltag müssen Sie aber beim Kostensparen einige wichtige Details beachten:

  • Achten Sie auf die Order-Mindestgebühren und legen Sie nicht in kleinen Summen an. Wer nämlich statt für 5000 Euro fünfmal für nur 1000 Euro Fonds kauft, muss selbst bei der reinen Onlinebank in dem Beispiel 29,50 Euro bezahlen. Das ist immer noch preiswert, verglichen mit dem Online-Angebot einer normalen Filialbank wie der BBBank, die verlangt im gleichen Fall 175 Euro. Investieren Sie statt fünfmal 1000 Euro im Jahr fünfmal 12.000 Euro, bleiben die Kosten bei Flatex gleich, beim Online-Angebot der BBBank kosten die gleichen Transaktionen 450 Euro, ergab eine Finanztip-Untersuchung.
  • Hinzu kommen jeweils die bereits erwähnten Börsenspesen. Die können bei jedem Kauf einige Euro ausmachen. Bei vielen Onlinebanken können Sie durch sogenannten Direkthandel die Börsengebühren vermeiden. Es kann aber sein, dass Sie stattdessen die Wertpapiere etwas teurer bezahlen müssen. Sie sollten die Angebote zur gleichen Tageszeit vergleichen. Einige Onlinebanken kompensieren diese Spesen zum Teil sogar durch geringere Orderkosten.
  • Wenn Sie Aktien kaufen, deren Kurse stark schwanken, können Sie einen Preis festlegen, den Sie höchstens zu zahlen bereit sind. Das kann dazu führen, dass ihr Kauf in mehrere Tranchen zerlegt wird - mit der Folge höherer Kosten. Sie verringern dieses Risiko, wenn Sie kaufen, während die elektronische Xetra-Börse in Frankfurt geöffnet ist, also montags bis freitags von 9 Uhr bis 17.30 Uhr. Bei manchen Direktbanken wie Comdirect oder der ING-Diba wird Kleinanlegern garantiert, dass es nicht zu Teilausführungen kommt. Auch die Börsen in Stuttgart und München versuchen, Kleinanleger vor der Gebührenfalle zu bewahren.

Eines ist in jedem Fall ganz einfach: Wenn Sie festgestellt haben, dass Ihr Depot und Ihre Kaufkosten deutlich zu hoch sind, geht der Wechsel der Depotbank kinderleicht. Sie eröffnen ein neues kostenloses Depotkonto bei Ihrer neuen Bank. Anschließend beauftragen Sie ihre neue Bank, sich um die Abwicklung zu kümmern. Das Schöne: Seit einem Urteil des Bundesgerichtshofes aus dem Jahr 2004 muss dieser Depotwechsel immer kostenlos erfolgen (Aktenzeichen: XI ZR 200/03). Welche Onlinebank die beste für Sie und Ihre Anlagewünsche ist, können Sie im Finanztip-Test von Wertpapierdepots nachlesen.

Viel Erfolg.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlinemagazin ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

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insgesamt 68 Beiträge
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1. Günstige Gebühren?
kritischer-spiegelleser 28.02.2016
Was nutzen günstige Gebühren? Wenn die Aktien Spielball der Banken und der Fonds sind. Und unabhängig vom wirtschaftlichen Hintergrund nach Bedarf rauf und runter getaktet werden. Da ist der kleine Aktienbesitzer immer der Dumme!
2. Gold
tijo1005 28.02.2016
Dann weichen Sie am besten auf Gold aus. Goldbären sind nicht nur günstig momentan, sie werden auch nicht so sehr manipuliert von den Aktien. Gut für den kleinen Mann.
3. Spread vergessen?
stonedeath 28.02.2016
Was bei Ratschlägen dieser Art immer wieder vergessen wird, ist der Spread, der beim börslichen Fondshandel in aller Regel anfällt und gerade bei aktiv verwalteten Fonds nicht selten bei über einem Prozent liegt. Dazu kommen dann noch die Handelsprovisonen, Maklercourtage etc. Insgesamt liegen gerade bei den Direktbanken die Nebenkosten im börslichen Handel damit oft höher als die Agios beim Kauf über die KVG. Nur bei den Filialbanken mit ihren Mondpreisen von 3, 4, oder 5% Agio ist es daher ratsam, nicht über die KVG zu kaufen. Bei Direktbanken hingegen sollte man erst rechnen, ob der Weg über die Börse nicht sogar der teurere ist.
4.
Joe_Average 28.02.2016
Das gilt vielleicht für die üblichen Fonds, die von den Sparkasen anhungslosen Rentern angeboten werden. Viele gute Fonds können aber mangels Liquidität nicht bzw. nur schwer an der Börse gekauft werden. Also: 0815-Fonds günstig an der Börse kaufen oder in den sauren Apfel beißen und die Ausgabegebühr für den gewünschten Fonds zahlen.
5. Geheimtip:
xc6lx45 28.02.2016
Indexfonds. Billig und klar verständlich. Oder andersrum, wer blickt z.B. bei DEKA durch, was da eigentlich genau passiert? >> Dann weichen Sie am besten auf Gold aus Das ist ein _extrem_ kontroverses Thema. Ich würde jedem anraten, sich aufgrund neutraler (!) Quellen zunächst einen minimalen Wissensstand anzueignen (z.B. wodurch soll eine Wertsteigerung zustande kommen? Wie sieht es langfristig mit dem industriellen Goldverbrauch aus? Etc.)
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