Young-Money-Blog Warum junge Menschen in Aktien investieren sollten

Junge Menschen halten Aktien für Teufelszeug und wollen mit der Börse nichts zu tun haben. Dabei können auch Berufseinsteiger mit Aktien ordentliche Renditen erzielen.

Börse in New York
dpa

Börse in New York

Von und (Grafik)


Wenn ich mit Freunden in meinem Alter über Aktien spreche, bekomme ich häufig solche Sätze zu hören:

"Aktien? Niemals, da verliert man doch nur sein Geld."

"Das ist doch nur was für Zocker und Reiche. Ich hätte gar kein Geld, um was anzulegen."

"Nichts für mich. Ich habe keine Ahnung von Finanzen und will mich auch nicht damit beschäftigen."

Viele meiner Freunde denken, dass Börse nur etwas für Banker im Maßanzug ist, die Gelfrisuren tragen und sich nicht für den Rest der Welt interessieren. In kaum einem Land ist bei jungen Menschen die Angst vor Aktien so groß wie in Deutschland.

Young-Money-Blog
  • Die Börse fasziniert Henning Jauernig, 26 Jahre alt, seit der Kindheit. Seine erste eigene Aktie kaufte er, als er 20 war, der erste eigene Aktienfonds folgte ein paar Jahre später. Seine Finanzen regelt er seitdem selbst. Immer wieder löchern ihn seine Freunde mit Finanzfragen: Wie kann ich mein Geld richtig anlegen? Welche Versicherungen brauche ich? Und wie mache ich meine Steuer? Über Antworten auf all diese Fragen schreibt er im Young-Money-Blog.

Doch man kann meiner Generation keinen Vorwurf machen. Schließlich haben wir es so von unseren Eltern und Großeltern vorgelebt bekommen. In vielen Familien gelten Aktien als Teufelszeug. Die meisten Eltern haben schlechte Erfahrungen mit der Börse gemacht, klammern sich deshalb an ihr Erspartes und horten es auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten, die nur kümmerliche Renditen abwerfen.

SPIEGEL ONLINE

Unsere Eltern, aber auch wir Millennials können besser sparen: Unsere Generation liest online fünf Testberichte, wenn es darum geht, einen neuen Handyvertrag abzuschließen. Wenn es dagegen um eine zusätzliche Geldanlage im Wert von mehreren Zehntausend Euro geht, verlassen sich viele einfach auf den Bankberater - oder sie machen gar nichts.

Aktien lohnen sich auch für Menschen mit wenig Geld

Viel besser wäre es, das Thema selbst in die Hand zu nehmen und von Anfang an konsequent auf Aktien zu setzen. Ein Beispiel, das das Verbraucherportal Finanztip berechnet hat: Wer im Jahr 2000 jeden Monat 100 Euro in einen breit diversifizierten Weltaktiensparplan gesteckt hätte, hätte sich fünfzehn Jahre später über 32.220 Euro freuen können - und das obwohl es in diesem Zeitraum zwei heftige Börsencrashs gab (Dotcom-Blase 2000 und Weltwirtschaftskrise 2008).

Die Börse erwirtschaftete also rund 14.220 Euro, für die der Sparer rein gar nichts tun musste - außer zu warten.

Rendite von Sparplänen über 15 Jahre (100 € im Monat)

Jahr Beginn
Jahr Ende
Endbetrag
Ø Rendite pro Jahr
1969 1984 43.534 € 10,95%
1974 1989 60.447 € 14,73%
1979 1994 36.639 € 8,91%
1984 1999 58.814 € 14,46%
1989 2004 27.125 € 5,25%
1994 2009 18.727 € 0,52%
2000 2015 32.220 € 7.36%

Quelle: Finanztip.de (Berechnungen auf MSCI World Net minus Verwaltungskosten, Stand: 24.02.2016)

Das Beispiel zeigt: Aktieninvestments lohnen sich auch für Leute, ohne das ganz große Geld und ohne viel Kenntnis von der Börse.

Und noch ein simples Rechenbeispiel: Die Analysten der Schweizer Großbank Credit Suisse prognostizieren fürs kommende Jahrzehnt eine Aktienmarktrendite von 5 Prozent pro Jahr (nach Abzug der Inflation) - so wie im langjährigen Durchschnitt der vergangenen 100 (!) Jahre. Ein heute 25-Jähriger, der Monat für Monat 100 Euro breit in den Aktienmarkt investiert und Jahr für Jahr diese Rendite erzielt, kann sich im Alter von 55 auf ein Vermögen von 111.320 Euro freuen. (Sofern er das Geld nicht zwischendurch ausgibt).

Eine berechtigte Frage ist natürlich, warum man an diese Prognose glauben sollte, denn die Entwicklung an der Börse ist ungewiss. Weder ein Star-Investmentbanker noch irgendein TV-Börsenguru weiß, wo die Weltbörsen in ein paar Jahren stehen werden.

Doch es gibt einen ganz simplen Grund, warum Aktien langfristig auch in Zukunft steigen werden: Die Weltwirtschaft wächst seit Jahrhunderten, und das wird auch in Zukunft so sein. Und wenn die Wirtschaft wächst, steigen auch die Gewinne der Unternehmen und damit die Aktienkurse. Mega-Trends wie Digitalisierung, Mobilität und künstliche Intelligenz werden in den nächsten Jahrzehnten unser Leben verändern. Revolutionäre Produkte werden auf den Markt kommen, die wir uns noch gar nicht vorstellen können. All diese Produkte und Technologien werden für globales Wirtschaftswachstum sorgen. Die Menschheit kann gar nicht anders, als sich ökonomisch weiterzuentwickeln.

Wir haben Zeit, große Börsencrashs auszusitzen

Nur Krisen, die die gesamte Zivilisation bedrohen würden wie ein atomarer Weltkrieg oder der Ausbruch einer Seuche, sprechen gegen diese Entwicklung. Das kann natürlich passieren, dann wäre das angelegte Geld in Aktien wahrscheinlich futsch. Aber wenn wir ernsthaft von solch einem Szenario ausgehen würden, könnten wir auch gleich aufhören zu arbeiten.

Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, formulierte es in einem Interview mit dem SPIEGEL so: "Wenn man glaubt, dass die Welt in 30 Jahren ein besserer Ort sein wird, ist es sinnvoll, rund die Hälfte seines Vermögens in Aktien zu investieren."

Natürlich schwanken Aktienkurse kurzfristig sehr stark - und das wird auch so bleiben. Die Weltbörsen können bei einem Crash auch mal um 30, 40, sogar 50 Prozent einbrechen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine nächste Finanzkrise kommt, ist nicht gering.

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Doch gerade wir jungen Menschen haben einen großen Vorteil: Wir haben genug Zeit, solche Krisen auszusitzen. Wir investieren Geld, dass wir vielleicht erst in 10, 15 oder 20 Jahren benötigen werden. Und wenn die dicke Krise kommt, warten wir einfach bis sie vorüber ist und schauen am besten erst gar nichts ins Depot.

Schon Börsenlegende André Kostolany sagte: "Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten, und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich." Diese Aussage verdeutlicht: Aktien zu besitzen, ist ziemlich langweilig.

Sind wir zu spät dran, um einzusteigen?

Doch momentan eilt der Dax von Rekordstand zu Rekordstand, US-Aktien sind bereits recht teuer. Wegen der unberechenbaren Politik des neuen US-Präsidenten Donald Trump drohen zudem unsichere Zeiten - ist jetzt überhaupt der richtige Zeitpunkt, um sein Geld in Aktien anzulegen?

Die einfache Antwort lautet: Es ist immer die richtige Zeit, in Aktien investiert zu sein. Als ich meinen ersten Dax-Aktienfonds kaufte, war die Situation ähnlich. Da durchbrach der Dax das erste Mal in seiner Geschichte die Marke von 10.000 Punkten, und alle warnten vor einem Crash und rieten mir von einem Investment ab. Zwei Jahre später steht der Dax bei rund 12.800-Punkten.

Fakt ist: Niemand kennt den richtigen Einstieg- oder Ausstiegszeitpunkt. Wer glaubt, kurzfristig den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, kann genauso gut sein Geld in einer Spielothek verzocken. Wichtig ist es, langfristig dabei zu bleiben, dann ist in der Vergangenheit immer eine ordentliche Rendite dabei herausgekommen.

Doch viele meiner Freunde reichen all diese Argumente nicht. Ihr Totschlagargument lautet dann: "Geld in Aktien zu stecken ist böse, weil man sein Geld Unternehmen gibt, die ihre Mitarbeiter ausbeuten und die Umwelt verschmutzen. Das will ich nicht."

Ja, zugegeben, da ist was dran. Aber wenn wir das Geld einfach auf dem Sparbuch liegen lassen, dann benutzt eben die Bank das Geld für ihre Geschäfte und steckt es in vielleicht noch bösere Unternehmen. Dann doch lieber selbst entscheiden, was mit unserem Geld passiert und die höhere Rendite einfahren. Und mit dieser Rendite kann man ja auch etwas Gutes tun, zum Beispiel einen Teil spenden oder für nachhaltige Produkte ausgeben. Das ist für unsere Gesellschaft besser, als das Geld einfach den Banken zu überlassen.

Hinzu kommt: Es gibt mittlerweile unzählige Möglichkeiten Geld in Fonds zu stecken, die ihr Geld ausschließlich in nachhaltig wirtschaftende Unternehmen investieren (Wie man sein Geld komplett ökologisch verwaltet, erklären wir in einer anderen Folge).

In Teil 2 unserer Young-Money-Serie erfahren Sie, wie Sie in acht Schritten zum ersten eigenen Aktienfonds kommen.

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insgesamt 129 Beiträge
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Seite 1
nuwandapoet 13.06.2017
1. überwiegend gelungen
Wenn ihre Freunde befürchten, wenn sie Aktien kaufen geben sie ihr Geld Unternehmen, die ihre Mitarbeiter ausbeuten, so können Sie entgegnen, dass sie Aktien selten den Unternehmen und meist anderen Besitzern der Aktien abkaufen. Das Geld geht also in der Regel nicht an die Unternehmen. Allerdings verdient man an den Gewinnen der Unternehmen mit. Zugegeben, ist dies wohl kaum beruhigender.
zila 13.06.2017
2. Betongold
Man kann auch in Immobilienfonds investieren, gerade Wohnungen werden wohl nicht so schnell obsolet. Ich hab meinen Aktienanteil stark verkleinert, zu viele Rohrkrepierer. Faellt eine Aktie, will man die Verluste nicht realisieren und haelt sie ewig. Steigt sie, wird man nervoes und verkauft zu frueh oder verpasst den Abspruch. Und viele treten einfach auf der Stelle. Aktien nur noch mit Dividende oder als garantiert zyklische Spekulation (grosse Oelfirmen, Uran- und Goldminen etc.).
SarahMue 13.06.2017
3. Alles richtig, doch...
woran scheitert die langfristige Anlage der Jüngeren? 1. Mangelndes Wissen. Sehr viele potenzielle Anleger können den Wahrheitsgehalt der Publikationen und Banken-PR übrhaupt nicht einschätzen. Unsicherheit verhindert Aktion. 2. Alarmismus der Medien. Nur ein Beispiel: Tech-Aktien haben sich prächtig entwickelt und die Perspektive erscheint auch außerordentlich positiv. Nachdem diese Papiere enorm gestiegen sind und an einem Tag lächerliche 3-4% korrigiert haben, titelt SPON "100 Milliarden Dollar vernichtet - an einem Tag". Was soll sich der unbedarfte Anleger dabei denken? 3. Unsicherheiten im Job/der Biografie: Selbst gut ausgebildete Menschen landen häufig in kurzfristigen Projekt-Aufträgen. Wie sollen sich Menschen 10 Jahre oder länger engagieren wenn sie nicht wissen ob sie in einem halben Jahr noch angestellt sein werden? Einen solch langen Plan durchzuhalten - mit all den großen Hochs und Tiefs - bedarf einer gewissen finanziellen und psychischen Stabilität die häufig nicht gegeben ist. 4. Mangelnde Mittel: Wer nicht die nötigen Mittel hat, kann auch nichts anlegen. Das ist häufig der Fall. In diesem Fall ist die Ausgabendisziplin wesentlich sinnvoller.... Abre ansonsten kann ich dem Artikel nur zustimmen: Wer die Mittel hat, sollte sein Geld sehr langfristig über ETF-Sparpläne anlegen. Bitte vermeidet den Fehler euch von eurer Bank "beraten" zu lassen.
th4fl4sh4 13.06.2017
4. Bessere Alternative
Dann lieber in Cryptocurrencies wie Bitcoin oder Ether investieren. Da sind die Renditen um einiges höher und man unterstützt dabei auch die Demokratisierung der Finanzwirtschaft.
PeterPetroleum 13.06.2017
5. Pfui
Na klaro sollten junge Menschen in Aktien investiere. Zumindest die die sich für gewinner halten. Aber bestimmt nicht im all time high. Ist scheinbar wieder kurz vor crash. Da kommen immer so erleuchtete berichte. Aber auch bei aktien gilt..... Wir können net alle gewinner sein in unserem system. Wo mindestens ein gewinner, da mindestens ein verlierer. Alles andere ist augenwischerei. Als Gesamtsumme unterm strich steht immer die 0.
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