Young-Money-Blog Diese Aktienfonds machen kein schlechtes Gewissen

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Auch Menschen mit wenig Geld können mit Aktien vernünftige Renditen erzielen. Mehrfach habe ich im Young-Money-Blog erklärt, wie junge Anleger in sogenannte ETFs, also passiv verwaltete Indexfonds, investieren können (zum Beispiel hier und hier).

Weil die Kurse an den Börsen der Welt auf lange Sicht steigen, gilt diese Strategie als relativ sicher - und günstig. Schließlich braucht ein ETF anders als herkömmliche Fonds keinen teuren Manager, der sich um die Aktienauswahl kümmert.

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    Die Börse fasziniert Henning Jauernig, 27 Jahre alt, seit der Kindheit. Seine erste eigene Aktie kaufte er, als er 20 war, der erste eigene Aktienfonds folgte ein paar Jahre später. Seine Finanzen regelt er seitdem selbst. Immer wieder löchern ihn seine Freunde mit Finanzfragen: Wie kann ich mein Geld richtig anlegen? Welche Versicherungen brauche ich? Und wie mache ich meine Steuer? Über Antworten auf all diese Fragen schreibt er im Young-Money-Blog.

Als guten Einstieg und Basisanlage für einen langen Zeitraum habe ich etwa immer wieder ETFs auf den Index MSCI World empfohlen, der rund 1600 Unternehmen aus 23 Ländern umfasst und damit fast die gesamte Weltwirtschaft abdeckt.

Der Riesenindex hat aber einen Nachteil: Er enthält auch Waffenunternehmen, Klimasünder oder Firmen, die ihre Mitarbeiter schlecht behandeln oder im Verdacht stehen, von Kinderarbeit zu profitieren. Viele meiner Bekannten wollen auf dieser Basis keine Aktien kaufen.

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Inzwischen gibt es auch unzählige Wege, Geld ethisch-ökologisch anzulegen. Aber es ist extrem schwierig, im Gewirr der Produkte den Durchblick zu behalten. Denn es gibt keine einheitlichen Kriterien, was nachhaltig überhaupt bedeutet. Jeder Fonds legt unterschiedliche Maßstäbe an. Manche Fonds meiden etwa Aktien von Firmen der Rüstungs-, der Atom- oder der Ölbranche. Andere Spezialfonds investieren gezielt in Branchen wie erneuerbare Energien, das kann aber sehr riskant sein, etwa wenn die Branche in eine Krise gerät. Andere Fonds wiederum investieren in Unternehmen, die sich in ihrer umstrittenen Branche besonders hervortun, der sogenannte Best-in-Class-Ansatz.

Besonders streng gehen einige aktiv gemanagte Fonds vor, die von einem Fondsmanager gesteuert werden. Die Zeitschrift "Finanztest", die von der Stiftung Warentest herausgegeben wird, hat jüngst in einer großangelegten Untersuchung unter 300 Fonds diejenigen herausgefiltert, die nicht in folgende Arten von Unternehmen investieren:

  • Hersteller geächteter Waffen,
  • Atomkraftbetreiber,
  • Firmen, die Arbeits- und Menschenrechtsverstöße dulden.

Einige dieser Fonds haben sogar noch weitere Ausschlusskriterien hinzugefügt.

Was die Rendite angeht, sind diese Fonds mit herkömmlichen ETFs vergleichbar. Allerdings sind die Risiken etwas höher, weil sie weniger breit investieren als herkömmliche - da sie ja einige Branchen ausschließen. Hinzu kommt: Sie haben oftmals deutlich höhere Kosten als ETFs.

Nachhaltige Weltaktienfonds

Name WKN Rendite 5 Jahre (Prozent p.a.) Kosten (Prozent p.a.)
F&C Responsible Global Equity A EUR Inc A0H0G1 11,64 1,86
GreenEffects NAI-Wertefonds Acc 580265 10,88 1,29
JPMorgan Global Socially Responsible Fund D 603002 9,97 2,80
NN (L) Global Sustainable Equity 812837 9,36 1,80
Ökoworld Ökovision Classic C 974968 10,02 2,45
Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Equity AA 216770 9,65 2,04
terrAssisi Aktien I AMI P 984734 11,84 1,47
UniNachhaltig Aktien Global A0M80G 10,35 1,48
REFERENZINDEX MSCI WORLD - 12,55 -

Stand: 13.03.2018
Quelle: Finanztest, Morningstar, eigene Recherche

Der Clou beim passiven Investieren mit ETFs ist ja gerade "den ganzen Markt zu kaufen", also eine sehr breite Auswahl an Unternehmen. Unzählige Studien haben bewiesen, dass Anleger auf Dauer besser fahren, wenn sie ganze Indizes kaufen, als auf Fondsmanager zu vertrauen, die gezielt Aktien auswählen. Und auch die Auswahl ethisch-ökologischer Aktien ist ja eine aktive Entscheidung, die für Rendite und Risiko von Nachteil sein kann. Es scheint, als müsse sich der Sparer entscheiden zwischen mittelprächtigen Renditen und einem schlechten Gewissen.

Doch ganz so schlimm es ist nicht. Im Bereich der ETFs ist das Angebot an nachhaltigen Produkten zwar karg, es gibt jedoch zumindest einige Wenige, die sich als Alternative zum MSCI World eignen.

Da wäre etwa der der UBS MSCI World Socially Responsible ETF. Er schließt etwa Waffen und Rüstung, Atomkraft, Alkohol, Tabak, Glücksspiel und Agrargentechnik aus. Auch Kinderarbeit und Menschenrechtsverletzungen sind auf der Tabuliste. Der Index enthält rund 400 Aktien aus 23 Ländern. Er ist also relativ breit gestreut, und mit ihm bekommen Anleger zumindest ein Mindestmaß an Nachhaltigkeit. In Deutschland bietet derzeit aber nur der S-Broker der Sparkassen als einziger Online-Broker diesen ETF als Sparplan an. Bei allen anderen eignet er sich daher nur, wenn man eine bestimmte Summe auf einen Schlag investieren möchte.

Eingeschränkt empfehlenswert ist der Dow Jones Global Sustainability Screened ETF. Der zugrunde liegende Index schließt zwar Geschäfte mit Waffen, Rüstung und Atomkraft aus, aber der Verstoß gegen Menschen- und Arbeitsrechte steht nicht auf der Ausschlussliste. Insgesamt sind in diesem ETF mehr als 500 Unternehmen aus 34 Ländern enthalten.

Nachhaltige Welt-ETF

Name WKN Rendite 5 Jahre (Prozent p.a.) Kosten (Prozent p.a.)
UBS ETF - MSCI World Socially Responsible UCITS ETF A1JA1R 11,20 0,38
iShares Dow Jones Global Sustainability Screened UCITS ETF A1H7ZT 12,1 0,60
REFERENZINDEX MSCI WORLD - 12,55 -

Stand: 13.03.2018
Quelle: Finanztest, Morningstar, eigene Recherche

Die vergleichsweise noch junge ETF-Branche hat also noch deutliches Verbesserungspotenzial. Es gibt noch zu wenige solcher Fonds am Markt, die beim Thema Nachhaltigkeit wirklich überzeugen.

Ich würde aber davon abraten, deshalb gar keine Aktien zu kaufen und das Geld auf dem Girokonto oder Sparbuch liegen zu lassen, denn dann nutzt eben die Bank das Geld für ihre Geschäfte. Dann doch lieber selbst entscheiden, was mit dem Geld passiert und die höhere Rendite einfahren. Und mit dem Gewinn kann man ja auch etwas Gutes tun, zum Beispiel einen Teil spenden oder für nachhaltige Produkte ausgeben.

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Muttersprachler 19.03.2018
1. Es wird Zeit
Schon seit 2 Jahren beobachte ich das Angebot ökologisch und sozial vertretbarer ETFs. Leider gibt es, wie vom Autor beschrieben, noch viel zu wenige Angebote. Woran liegt es? Zu wenig Interesse von den Sparern? Auf der einen Seite spare ich für eine gute Zukunft und gleichzeitig investiere ich in eine schlechte Zukunft (Waffen, Atomstrom, Plastik etc.). Würde es gute ETFs geben, würde ich auch Abstriche bei der Rendite in Kauf nehmen.
pommbaer84 19.03.2018
2. Bezeichnungen irreführend.
Das Kürzel p.a. steht meines Wissens für "per anno". Was also heißt die Angabe "Rendite auf 5 Jahre (p.a.)"? Bei 10% sind das also grob zwei Prozent pro Jahr? Abzüglich der Gebühren darunter bliebe bei den meisten ja kaum was übrig..
supergrobi123 19.03.2018
3. Wirklich unmoralisch?
AGs sammeln einmalig beim Börsengang Geld von Anlegern ein. In der Folge kauft man Aktien (von vereinzelten Kapitalerhöhungen abgesehen) über die Börse beinahe ausschließlich von anderen Anlegern. Kaufe ich heute eine Aktie eines Waffenproduzenten, erhält der Waffenproduzent also keinen Cent meines Geldes, sondern nur der Vorbesitzer der Aktie. Der Waffenproduzent profitiert wenn überhaupt nur sehr indirekt und theoretisch von meinem Kauf. Die Vorstellung "mit meinem Geld" würden nun Waffen produziert, ist also so nicht haltbar. Doch auch die grundsätzliche Vorstellung, man würde vom Waffenhandel profitieren, ist als solche unangenehm, allerdings auch eine Frage des Blickwinkels. Viele Anleger kaufen etwa zur Absicherung gegen "Krisen" Gold. Ihnen wird merkwürdigerweise nie unethisches Verhalten vorgeworfen, wenn sie dann von ebensolchen Krisen profitieren. Hätte man die Möglichkeit, entweder die Konten von Unicef oder die Konten eines Waffenhändlers zu hacken, würde sich wohl keiner für Unicef entscheiden. Geklaut ist Waffengeld also das Richtige, legal per Dividende bezogen aber unmoralisch? Hm. Überhaupt stellt sich natürlich die Frage, ob sich irgendetwas auf der Welt in irgendeiner Form ändert, nur weil ich Waffenaktien kaufe oder auf sie verzichte. Vermutlich nicht. Ist also der Verzicht aus "moralischen Gründen", der keinerlei Verbesserung der Lage mit sich bringt, nicht eine sinnlose Feelgood-Pseudo-Aktion? Wer wirklich etwas verändern will, sollte eigentlich sogar gezielt die Aktien unmoralischer Unternehmen kaufen. Damit erhält man nämlich Zugang zur Hauptversammlung, kann dort protestieren und direkt gegen die Geschäftspraktiken abstimmen! Ob man durch Meiden solcher Aktien etwas bewirkt, darf hingegen bezweifelt werden.
spon-facebook-10000225171 19.03.2018
4. Auch alles gelogen
Selbst wenn ich ein Depot habe, dass ausschliesslich moralisch korrekte Firmen beinhaltet, kann ich nicht sicher sein, dass der Dachverband oder Mutterkonzern keine schmutzigen Geschäfte macht. Zudem ist es widerlich, dass der Spiegel hier mitmacht bei der Propaganda zum Aktienkauf. Wohl auch unter der Knute der Mont Pelerin Society?! Es gibt keine moralisch korrekte Anlage, Alle Börseangestellte und Fondmanager sind aufgrund von ihrer Gier darauf aus, die Anleger für ihren eigenen Vorteil zu belügen und betrügen. Wer sich an Prokon erinnern kann weiß, was passiert wenn ein ach so moralisch korrektes Unternehmen pleite geht. Der Anleger ist sein Geld los, hat es aber in jedem Fall der Wirtschaft überlassen. Schlimm, dass sogar der Spiegel hierbei mitmacht. Ich hoffe die Leser durchschauen die Gier, an unser Geld zu gelangen, die sich in diesem Artikel versteckt.
jacob87616 19.03.2018
5. Schlecht recherchierter Artikel
Einerseits ein gutes und wichtiges Thema, andererseits beinhaltet der Artikel meiner Meinung nach zwei eklatante Fehler! 1.) Nur weil man in den letzten Jahrzehnten mit Aktien eine gute Anlagestrategie hatte, heißt das nicht automatisch, dass es auch in Zukunft nur nach oben geht. Die Aussage ist eine reine Annahme und sollte als eine eben solche kenntlich gemacht werden. 2.) Wirklich kritisch und sehr sehr schlecht recherchiert finde ich, dass überhaupt nicht darauf eingegangen wird, was die Fondgesellschaften mit den jährlichen Einnahmen durch die Fondskosten anstellen: iShares gehört zu BlackRock. Die sind immer noch großer Anteilseigner an Firmen wie z.B. Rheinmetall, wodurch die ganze Investition in einen ethisch vertretbaren Fonds adabsurdum geführt wird. Bitte im Vorfeld besser recherchieren bevor solche Themen hier auf Spiegel Online veröffentlicht werden.
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