Elektroschrott Zurück zum Händler statt in die Tonne

Alte Handys, kaputte Toaster oder defekte Staubsauger - haben Sie auch noch so einiges, was Sie zum Wertstoffhof bringen müssen? Das hat sich vielleicht bald erledigt: Die Regierung will Händler verpflichten, Elektromüll zurückzunehmen.

Ausrangierte Elektrogeräte: Wertvolle Rohstoffe landen im Müll
DPA

Ausrangierte Elektrogeräte: Wertvolle Rohstoffe landen im Müll


Verbraucher sparen sich den Weg zum Wertstoffhof, die Händler murren schon jetzt. Die Bundesregierung will große Geschäfte gesetzlich zur Rücknahme alter Elektrogeräte verpflichten. Das Kabinett billigte den Entwurf von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) für eine Reform des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes.

Kleine Händler sollen dabei vor Mehrbelastungen und Entsorgungsverpflichtungen geschützt werden. Mit dem neuen Gesetz wird vor allem eine neue EU-Richtlinie umgesetzt. Bis 2016 sollen mindestens 45 Prozent des anfallenden Elektromülls erfasst und wenn möglich wiederverwertet werden, bis 2019 soll die Quote auf 65 Prozent steigen.

Bislang gibt es in Deutschland kein einheitliches Verfahren für die Rücknahme gebrauchter Elektrogeräte, doch viele Einzelhändler nehmen schon jetzt alte Apparate zurück. Viele Geräte landen aber im normalen Hausmüll, obwohl das nicht erlaubt ist.

Schätzungen zufolge fallen in Deutschland jährlich rund 23 Kilogramm Elektromüll pro Kopf an. Nach Angaben des Umweltbundesamts wurden im Jahr 2010 knapp 780.000 Tonnen Elektroaltgeräte gesammelt, davon 723.000 Tonnen aus privaten Haushalten.

Der Handel ist wenig begeistert vom neuen Gesetz. "Händler sind keine Entsorgungsunternehmen", sagte Christoph Wenk-Fischer vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel. Die Opposition kritisiert, dass die Novelle nicht beim eigentlichen Problem ansetze, der oft kurzen Lebensdauer der Produkte. "Geräte müssen reparierbar sein, also beispielsweise verschraubt und nicht verklebt werden", sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter.

Was soll mit dem Gesetz erreicht werden?

Die Bundesregierung verfolgt mit der Novelle drei Ziele:

1) mehr sammeln

2) wertvolle Metalle wie Seltene Erden wiederverwerten und Schadstoffe umweltgerecht entsorgen

3) den illegalen, gesundheitsgefährdenden Schrottexport nach Afrika eindämmen

Ab wann gilt die neue Rücknahmepflicht?

Wenn Bundestag und Bundesrat zustimmen, soll das Gesetz bis Jahresende in Kraft treten. Das Umweltministerium will als nächstes bundesweit eine Wertstofftonne auf den Weg bringen - über diese könnten einfacher als bisher gerade kleine Elektrogeräte eingesammelt werden.

Wo können Verbraucher ihre Alt-Geräte zurückgeben?

Wer eine Verkaufsfläche für Elektro- und Elektronikgeräte von mehr als 400 Quadratmetern hat, muss zum Beispiel den alten Fernseher oder Staubsauger beim Kauf eines gleichwertigen neuen Geräts kostenlos zurücknehmen. Das betrifft etwa Ketten wie Saturn oder Media Markt. Nicht aber den Supermarkt, der nur in einem Regal ein paar Geräte zum Kauf anbietet. Eine Rolle spielt aber auch die Größe der alten Apparate: Wenn ein Gerät eine Kantenlänge von bis zu 25 Zentimetern hat, müssen die Geschäfte mit mehr als 400 Quadratmeter Elektroverkaufsfläche das Gerät auch ohne Neukauf zurücknehmen, egal wo es gekauft worden ist. Das gilt etwa für Handys und Ladegeräte, aber auch viele Toaster erfüllen das Kriterium. Kassenbons für die Altgeräte braucht man nicht vorzuzeigen.

Gilt die Rücknahmepflicht auch für den Onlinehandel?

Der Rücknahmezwang bei Neukauf soll auch für Internethändler gelten. Amazon verlangt derzeit einen Pauschalpreis von 15 Euro in Deutschland, wenn zum Beispiel bei der Lieferung der neuen Waschmaschine die alte mitgenommen werden soll. Das wäre künftig hinfällig.

Das Umweltministerium empfiehlt Rücknahmekooperationen mit dem stationären Handel oder Partnerschaften mit Sozialeinrichtungen wie der Caritas, die mit der Verwertung Geld verdienen könnten.

Was macht der Händler mit dem Schrott?

Entweder er verwertet die alten Elektrogeräte selbst oder übergibt sie den Herstellern oder den Entsorgungsunternehmen. Im Prinzip soll es wie beim "Grünen Punkt" eine stärkere Produktverantwortung der Hersteller für verkaufte Geräte geben. Kommunale wie private Entsorger haben großes Interesse an mehr Elektromüll, denn in Zeiten knapper werdender Rohstoffe lässt sich damit gutes Geld verdienen.

Wie können Verbraucher bereits jetzt sinnvoll und richtig entsorgen?

Alle Produkte, die über Stromkabel oder Batterie betrieben werden, dürfen nicht in den Hausmüll. Alte Handys nehmen die meisten Mobilfunkanbieter kostenfrei zurück. Schrotthändler bezahlen für alte Ladekabel noch den einen oder anderen Euro.

Verbraucher können ihren Elektroschrott beim örtlichen Recyclinghof abgeben. Viele Entsorgungsunternehmen holen große Geräte auf Anfrage kostenlos ab. Auch einige Einzelhändler nehmen schon jetzt alte Elektrogeräte freiwillig an.

Alte Handys und andere Kleingeräte können zum Beispiel auch über das Electroreturn-Angebot der Post kostenlos eingesandt werden. Sie landen dann bei einem Recyclingunternehmen. Seit 2012 sollen rund 98.000 ausgediente Geräte hierüber eingegangen sein.

Zusammengefasst: Bis zum Jahresende soll ein Gesetz zur Rücknahme alter Elektrogeräte in Kraft treten. Vor allem große Läden sind betroffen: Kunden sollen dort Kleingeräte auch ohne Neukauf abgeben können. Große Apparate sollen beim Einkauf neuer Geräte abgenommen werden.

mmq/dpa/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 34 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fpwinter 11.03.2015
1. Der Staat sollte endlich mal
hart gegen "geplante Obsoleszenz" vorgehen. Wenn solche Geräte wenigstens zehn Jahre halten würden als nur bis zwei Tage nach Ablauf der Garantiefrist, wäre das Problem schon gewaltig entschärft. Aber solange beispielsweise billige Elektrokondensatoren (Elkos) in LCD-Fernseher eingebaut werden, die nahe am Netzteil sitzen und nur 85°C aushalten, damit das Gerät bald den Geist aufgibt, wird sich an dem Elektroschrottberg wenig ändern (Notabene: ein Satz Elkos für Fernseher, die 105°C aushalten, gibt es zum Nachrüsten im Internet für unter 20 Euro, und das Gerät hält deutlich länger!)
kilix.brandenburg 11.03.2015
2.
Die Regierung sollte nicht nur die Händler verpflichten, sie sollte auch die Hersteller verpflichten, den Schrott wieder vom Händler zurückzunehmen. Statt im Rahmen der Globalisierung ständig neue Wege für den internationalen Handel, über die Köpfe der Bürger zu suchen, sollten sich die Regierungen mal damit auseinandersetzen. Das würde der Erde guttun.
Kimmerier 11.03.2015
3. Was für ein Schrott!
Da gibt es zentrale Wetstoffhöfe, bei denen ich Elektroschrott jeglicher Art gebührenfrei abgeben kann, und nun will man mir erklären, dass eine Abgabe bei (irgendeinem) Händler die bessere Lösung ist. Was kommt als nächstes? Verpackungen mit dem "Grünen Punkt" nicht mehr in die gelbe Tonne oder den gelben Sack, sondern beim Händler vorbei bringen?
vitalik 11.03.2015
4.
Und dann 10 Jahre den Zettel aufheben, damit ich auch nachweisen kann, dass ich den Fernseher dort gekauft habe. Was ist, wenn der Händler mittlerweile pleite ist? Doch wieder zurück zu dem Wertstoffhof. Warum dann nicht gleich dorthin. Kommentar 3 hat recht. Da gibt es zentrale Punkte und diese reichen auch aus.
Malina 11.03.2015
5. Zurück zur Wiege
Ich finde das gut. Dieser Gesetzesentwurf schärft unser Verantwortungsbewusstsein - sowohl das der großen Wirtschaftsmänner als auch das des kleinen Mannes. Wir sind stark im Konsumieren, aber was danach mit den Dingen geschieht, lässt uns oft kalt. Da geht es den Dingen wie den Leuten: Wir leben über unsere Verhältnisse und blicken arrogant über den Tod hinweg. Dabei vergessen wir das Wichtigste: Wir sind nur ein Glied in der Perlenkette; unsere Kinder folgen uns nach - wenn wir den Boden bereiten und gesund erhalten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.