Alte Gitarren als Wertanlage "Solange Marke und Baujahr stimmen, wird der letzte Schrott gekauft"

400.000 Euro für eine Les Paul sind Sammler bereit zu zahlen, sagt Gitarrenhändler Lutz Heidlindemann. Und wenn ein Star ein Instrument gespielt hat, steigert das dessen Wert. Gilt das auch für Dieter Bohlens alte Axt?

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SPIEGEL ONLINE: Herr Heidlindemann, eignen sich Gitarren als Wertanlage?

Heidlindemann: Wenn Sie eine neue Gitarre bei mir kaufen, verliert die erst mal an Wert. Anders sieht es bei alten Gitarren aus. Hier entwickeln sich die Preise seit Jahren nur in eine Richtung: nach oben.

SPIEGEL ONLINE: Was meinen Sie mit "alt"?

Heidlindemann: Baujahr 1972 ist die Grenze.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Heidlindemann: Anfang der Siebzigerjahre änderten große US-Gitarrenbauer wie Fender und Gibson ihre Strategie. Sie produzierten plötzlich lieber Masse als Klasse. Die Verarbeitung der Instrumente war nicht mehr so akkurat. Auch beim Holz wurde gespart. 1972 waren die Vorräte an alten Holzbeständen aufgebraucht. Das Angebot an guten Gitarren ist daher sehr übersichtlich, und ich sage voraus: Alles, was bis zum Jahr 1972 auf den Markt kam, wird im Wert weiter steigen.

SPIEGEL ONLINE: Von welchen Preisen reden wir heute?

Heidlindemann: Eine Les Paul von Gibson aus dem Jahr 1958 in absolutem Spitzenzustand kostet 400.000 Dollar. Wurde sie stark bespielt, sind etwa 100.000 Dollar drin. Gute Instrumente von Gretsch oder Rickenbacker aus den Sechzigern kosten noch fünfstellige Beträge.

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Gitarren: Wertvolle Stücke

SPIEGEL ONLINE: Gibt es auch Günstigeres im Angebot?

Heidlindemann: Gewiss, aber die Zeiten, in denen man billig an abgeschrammelte Gitarren herankam, sind vorbei. Der Markt spielt wie verrückt. Solange Marke und Baujahr stimmen, wird noch der letzte Schrott gekauft.

SPIEGEL ONLINE: Besteht die Gefahr, einer Fälschung aufzusitzen?

Heidlindemann: Als Laie: Ja. Ein Experte erkennt sofort, ob eine Gitarre aus Originalteilen besteht.

SPIEGEL ONLINE: Gerade mit E-Gitarren wurde ja nicht immer pfleglich umgegangen. Gehört es nicht auch zur Geschichte eines Instruments, dass es immer wieder repariert und in Teilen ersetzt wurde?

Heidlindemann: Natürlich. Aber wenn eine Gitarre total verbastelt wurde, kann ich versuchen, den alten Zustand wiederherzustellen. Aber es muss natürlich genau dokumentiert werden, welche Teile ersetzt wurden.

SPIEGEL ONLINE: Steigert es den Wert einer Gitarre, wenn sie mal einem berühmten Musiker gehört hat?

Heidlindemann: Ich habe gerade eine Ibanez von Dieter Bohlen im Angebot: Da bin ich mal gespannt. Wenn es sich um Künstler wie Joe Bonamassa, Slash oder Eric Clapton handelt, steigert das den Wert erheblich. Bis irgendwann eine Generation kommt, die sagt: Clapton, wer ist das denn?

SPIEGEL ONLINE: Was ist mit Gitarren von deutschen Herstellern wie Framus oder Höfner?

Heidlindemann: Das sind tolle Instrumente, aber bislang keine sehr attraktiven Wertanlagen, weil sie weltweit weniger nachgefragt werden als US-Marken.

SPIEGEL ONLINE: Ist es für den Werterhalt nötig, eine Gitarre regelmäßig zu spielen?

Heidlindemann: Es gibt Musiker, die das behaupten, aber ich halte das für übertrieben. Bewahren Sie Ihre Gitarre im Koffer auf, dort hat sie ein gutes Mikroklima und kann in Ruhe altern.

SPIEGEL ONLINE: Sehen Sie die Gefahr, dass die Gitarre wegen des Trends zur elektronischen Musik irgendwann ausstirbt?

Heidlindemann: In den Achtzigerjahren gab es durch Synthiepop mal eine Bewegung weg von der Gitarre. Aber davon sehe ich heute nichts, im Gegenteil. Die Gitarre ist so beliebt wie niemals zuvor.



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jeepster 11.02.2017
1. ♪♪
Oh ja, die Preise sind teilw. "Wahnsinn" Bei Amps ist es ähnlich. Was das Bj. betrifft, ich habe ne Gibson Les Paul "Pro Deluxe" Bj.: 1975. Die ist aber auch noch sehr gut verarbeitet. Würde ich nie her geben.
Knossos 11.02.2017
2. Einerseits Unfug
, wie die Verhökerung von Blindgängern, die soviel Resonanz aufweisen wie Gullideckel (und einem als Trum teils ebenso im Nacken hängen), andererseits habe ich mir zwei exzellente Exemplare (eine Flamencogitarre von Marin, und einen Zwölfsaiter von Gibson) in den Siebzigern in der Annahme durch die Lappen gehen lassen, so etwas fände sich schon noch wieder. Ein Irrtum, der einem schon deswegen nichts aus dem Kopf geht, weil seither auf vergeblicher Suche nach Vergleichbarem. Selbst exklusive Instrumente in eigener Sammlung, mit all ihrer edlen Charakteristik und klanglichen Gruß aus himmlischem Vorzimmer, gereichen an die verpaßten Aschenputtel nicht heran. -Deren damals angebotener Preis, so unglaublich niedrig er auch war, erfordert hätte, mir Geld zu leihen. Manchmal sind Prinzipien eben auch unklug. Solch qualitative Raritäten landen oft in klimatisierten Vitrinen von Sammlern, wo sie meist verbleiben, ohne gespielt zu werden. Das ist schade. Doch wenn es am Ende dazu dient, sie der Nachwelt zu erhalten, ist es das Übelste noch nicht. Schließlich habe ich der Talentförderung wegen verschenkte Instrumente schon nach kurzer Zeit nicht mehr wiedererkannt. Es tummeln sich ignorante Berserker da draußen. Berühmtes Beispiel: Eine von Konzertgitarristen hochbegehrte, aus Tarregas Besitz stammende, Torres wurde von argentinischen Glücksrittern ersteigert, um sie einem kleinen verhätschelten Mädchen zu überlassen, welche daraus ein Wrack machte.
noalk 11.02.2017
3. Sehen Sie die Gefahr, dass die Gitarre ... irgendwann ausstirbt?
Seltsame Frage. Niemand, der ein Musikinstrument spielen kann, würde solch eine Frage stellen. Ein Gitarrist schon mal gar nicht. Handelt es sich doch bei der Gitarre um (Zitat von ?) "das wahrscheinlich intimste Musikinstrument".
pteranodon 11.02.2017
4. Gesuchte Sammlerstücke sind nicht nur auf E-Gitarren beschränkt
Freut mich, dieses Thema hier zu sehen, allerdings: EIn Beitrag über Gitarren als Wertanlage, der sich nur auf E-Gitarren beschränkt? Das ist ein wenig verwunderlich. Was ist denn mit z.B. Martin-Gitarren aus den 1930er Jahren, die heute für Unsummen ihre Besitzer wechseln?
rainer_daeschler 11.02.2017
5. Resonanz
Zitat von Knossos, wie die Verhökerung von Blindgängern, die soviel Resonanz aufweisen wie Gullideckel (und einem als Trum teils ebenso im Nacken hängen), andererseits habe ich mir zwei exzellente Exemplare (eine Flamencogitarre von Marin, und einen Zwölfsaiter von Gibson) in den Siebzigern in der Annahme durch die Lappen gehen lassen, so etwas fände sich schon noch wieder. Ein Irrtum, der einem schon deswegen nichts aus dem Kopf geht, weil seither auf vergeblicher Suche nach Vergleichbarem. Selbst exklusive Instrumente in eigener Sammlung, mit all ihrer edlen Charakteristik und klanglichen Gruß aus himmlischem Vorzimmer, gereichen an die verpaßten Aschenputtel nicht heran. -Deren damals angebotener Preis, so unglaublich niedrig er auch war, erfordert hätte, mir Geld zu leihen. Manchmal sind Prinzipien eben auch unklug. Solch qualitative Raritäten landen oft in klimatisierten Vitrinen von Sammlern, wo sie meist verbleiben, ohne gespielt zu werden. Das ist schade. Doch wenn es am Ende dazu dient, sie der Nachwelt zu erhalten, ist es das Übelste noch nicht. Schließlich habe ich der Talentförderung wegen verschenkte Instrumente schon nach kurzer Zeit nicht mehr wiedererkannt. Es tummeln sich ignorante Berserker da draußen. Berühmtes Beispiel: Eine von Konzertgitarristen hochbegehrte, aus Tarregas Besitz stammende, Torres wurde von argentinischen Glücksrittern ersteigert, um sie einem kleinen verhätschelten Mädchen zu überlassen, welche daraus ein Wrack machte.
E-Gitarren in der "solid-body" Bauweise haben zwar keinen Resonanz-Raum, um Lautstärke zu produzieren, das macht die Elektronik., aber das Klangbild wird aber im Wesentlichen durch Art und Qualität des verwendeten Holzes bestimmt. Andernfalls könnte man sie einfach aus Kunststoff gießen. Das hat man auch schon versucht, hat sich aber nie durchgesetzt.
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