Altersvorsorge: Was Sie bei einer privaten Rentenversicherung beachten müssen

Die private Rentenversicherung ist für viele ein wichtiger Teil der Altersvorsorge. Doch eine Untersuchung der Zeitschrift "Finanztest" zeigt: Die Angebote unterscheiden sich oft um mehrere tausend Euro. Vorsichtig sollte der Kunde bei allzu vollmundigen Werbebotschaften sein. 

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dapd

Wer auf jeden Fall plant, eine private Rentenversicherung abzuschließen, sollte das laut einer Empfehlung der Zeitschrift "Finanztest" noch im Jahr 2011 tun. Denn der Garantiezins für neu abgeschlossene Verträge sinkt ab 2012 von derzeit 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent. Das heiße nicht, dass Kunden unbedingt weniger Rente bekommen. Denn zum Garantiezins können Überschüsse hinzukommen. Der Unterschied sei nur: Die Garantie ist sicher, Überschüsse sind es nicht. Trotzdem gelte: Wenn sich Kunden bereits entschieden haben, eine private Rentenversicherung abzuschließen, dann sollten sie jetzt unterschreiben und die höhere Garantie mitnehmen.

Generell gilt laut "Finanztest": Je niedriger die garantierte Rente ist, desto mehr zieht der Versicherer für Kosten ab. Sehr teuer sind zum Beispiel die Tarife von Generali, Ergo und ÖSA. Die 37-jährige Modellkundin in der "Finanztest"-Untersuchung erhält je nach Anbieter eine Zusage zwischen 165 Euro und 188 Euro Monatsrente. Dafür würde sie 30 Jahre lang jährlich einen Beitrag von 1200 Euro zahlen. Männer erhalten wegen ihrer durchschnittlich kürzeren Lebenserwartung mehr Rente. Im Fall des ebenfalls 37-jährigen Modellkunden sind es zwischen 178 Euro und 204 Euro. In 25 Jahren Rentenbezug kämen so schon 7800 Euro Unterschied zusammen.

Eine Wette auf ein langes Leben

Wer nicht damit rechnet, sehr alt zu werden, hat womöglich nichts von einer privaten Rentenversicherung. Bei den getesteten Angeboten muss ein Mann, dessen Rente mit 67 Jahren beginnt, je nach Tarif zwischen 15 und 17 Jahren Rente beziehen - nur um seine Beiträge wieder herauszubekommen. Erst danach kommt er ins Plus. Er ist dann schon mindestens 82 Jahre alt. Dieses Alter erreichen sehr viele Menschen gar nicht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren von den 2009 gestorbenen Männern 22 Prozent jünger als 65 Jahre; 33 Prozent waren jünger als 70 Jahre. Eine private Rentenversicherung ist also auch eine Wette auf ein langes Leben.

Die Höhe der garantierten Rente ist mit 40 Prozent in das Testurteil von "Finanztest" eingegangen. Ebenfalls 40 Prozent macht der Anlageerfolg des Versicherungsunternehmens aus. Er ist ein wichtiger Indikator für die künftige Höhe der Rente. Denn je mehr der Versicherer mit dem Kundenguthaben am Kapitalmarkt erwirtschaftet, desto höher ist am Ende die Rente aus Überschüssen. Sie ergänzt die garantierte Rente. Am besten schnitt beim Anlageerfolg die Europa ab. Eindeutiges Schlusslicht ist die Generali. Sie konnte ihren Anlageerfolg seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 nicht verbessern. Doch auch von anderen Unternehmen dürfen die Versicherungskunden bei langfristig niedrigen Zinsen keine hohen Überschüsse erwarten.

Den zweitbesten Anlageerfolg im Test verzeichnete die Interrisk. Allerdings: Im Prüfpunkt "Flexibilität", der zehn Prozent des Qualitätsurteils ausmacht, bekam sie nur ein Mangelhaft. Ähnlich schlecht schnitt hier die Europa ab. Bei beiden Gesellschaften kann der Kunde den geplanten Rentenbeginn nicht auf einen späteren Zeitpunkt hinausschieben. Die Interrisk spielt außerdem nicht mit, wenn ein Versicherter mal schlechter verdient und einige Zeit mit den Beiträgen aussetzen möchte. "Ein Rentenkonzept für eine umfassende Vorsorge" wirbt die Interrisk für ihre Rentenversicherung. Für Selbstständige mit schwankendem Einkommen muss das wie Hohn klingen. Dies gilt auch für den Werbespruch der Generali: "Der Klügere schließt ab." Ihr Angebot war das schlechteste im Test.

Private Rentenversicherung
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dpa

Die private Rentenversicherung ist für viele Menschen ein wichtiger Teil ihrer Altersvorsorge: 19 Millionen Verträge gibt es in Deutschland. Doch es kommt darauf an, ein gutes Angebot zu wählen. Allein die Unterschiede bei der garantierten Rente machen über die Jahre mehrere tausend Euro aus.

Im Test: 72 Angebote von 36 Versicherungsgesellschaften für eine private Rentenversicherung.
Tipps
Auswahl. Wenn Sie eine klassische private Rentenversicherung wollen, haben Sie neun gute Angebot aus dem Test zur Auswahl. Am besten schnitten die Tarife von Debeka, Huk24 und Interrisk ab. Allerdings ist die Flexibilität beim Tarif der Interrisk nur mangelhaft.
Wechsel. Ein Umstieg zu einem anderen Tarif lohnt sich allenfalls in den ersten Vertragsjahren, wenn noch nicht alle Abschlusskosten getilgt sind. Diese Kosten werden in den ersten fünf Jahren von Ihren Beiträgen abgezogen. Wenn Sie zum Beispiel vor zwei Jahren einen mit hohen Kosten belasteten Vertrag geschlossen haben, können Sie einen Wechsel erwägen. Denn diese hohen Kosten werden auch in den nächsten drei Jahren fällig. Sie können Ihren Vertrag von der Verbraucherzentrale prüfen lassen. Eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden Sie unter www.verbraucherzentrale.de.

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Regel No 1
Michael Giertz 21.09.2011
Zitat von sysopDie private Rentenversicherung ist für viele*ein wichtiger Teil der Altersvorsorge.*Doch eine*Untersuchung*der Zeitschrift*"Finanztest" zeigt: Die Angebote unterscheiden sich oft um*mehrere Tausend Euro. Vorsichtig sollte der Kunde*bei allzu vollmundigen Werbebotschaften sein.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,787406,00.html
Die güldene Regel lautet: Die private Altersvorsorge nicht in die Hände irgendeiner "privaten Rentenversicherung" geben. Erstens, weil es absolut keine Sicherheit gibt, dass das Geld irgendwann auch ausgezahlt wird - sollte sich diese spezielle Rentenversicherung verspekulieren und bankrott gehen, sieht man von der Einlage nichts wieder. Im Moment würde ich keinen Cent in irgendeine private Rentenversicherung "investieren", solange es keine Garantie für eine Auszahlung gibt - sowohl bis zum Lebensende, als auch im Falle der Versicherungsinsolvenz.
2. Wer "erstens" sagt, muss auch "zweitens" nennen
Michael Giertz 21.09.2011
Zitat von Michael GiertzDie güldene Regel lautet: Die private Altersvorsorge nicht in die Hände irgendeiner "privaten Rentenversicherung" geben. Erstens, weil es absolut keine Sicherheit gibt, dass das Geld irgendwann auch ausgezahlt wird - sollte sich diese spezielle Rentenversicherung verspekulieren und bankrott gehen, sieht man von der Einlage nichts wieder. Im Moment würde ich keinen Cent in irgendeine private Rentenversicherung "investieren", solange es keine Garantie für eine Auszahlung gibt - sowohl bis zum Lebensende, als auch im Falle der Versicherungsinsolvenz.
Da fehlt doch glatt "Zweitens": "Zweitens" ist manch andere Anlageform sicherer und generiert mehr Einkommen: dazu gehören auch Aktien. Die privaten Rentenversicherer machen auch nichts anderes als die verwalteten Gelder zu investieren - warum aber soll ich die dazwischen schalten wollen, wenn ich das auch selber direkt kann? Da kann ich dann auch zeitnah mein Geld abziehen, wenn ich es vorzeitig brauchen sollte.
3. .
frubi 21.09.2011
Zitat von sysopDie private Rentenversicherung ist für viele*ein wichtiger Teil der Altersvorsorge.*Doch eine*Untersuchung*der Zeitschrift*"Finanztest" zeigt: Die Angebote unterscheiden sich oft um*mehrere Tausend Euro. Vorsichtig sollte der Kunde*bei allzu vollmundigen Werbebotschaften sein.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,787406,00.html
Mir wollte der Versicherungsfritze, der bisher unsere gesamte Familie beraten, eine Aufstellung zeigen, was ich mit der Riester-Rente in 40 Jahren bekommen werde. Ich habe mich innerlich kaputt gelacht. Wer kann mir denn schon sagen, was innerhalb dieser 40 Jahre passiert? Zudem fand er es etwas störend als ich ihn auf die Verbindung zwischen Riester-Fonds und Unternehmen die Streubomben herstellen, angesprochen habe. Auch hier konnte er mir nicht versichern, dass mein Geld nur für einwandfreie Dinge verwendet wird. Da spar ich doch lieber auf eine kleine Eigentumswohnung. Darin kann ich dann ggf. wohnen und muss mir nicht irgendwann sagen lassen, dass mein Geld nichts mehr Wert sein soll.
4. Was sie bei
nataliadirks@gmail.com 21.09.2011
einer privaten Rentenversicherung beachten müßen? Ganz einfach: Schließen sie auf keinen Fall eine solche ab!!! Die finanziellen Risiken die sie eingehen über einen solchen langen Zeitraum sind nicht kalkulierbar. Und glauben sie mir eins, es wird nicht besser mit der Weltwirtschaft. Kommts zum großen crash haben sie Jahrzehntelang schwer erarbeitete Euros in ein Nichts investiert. Ich würde eher zum Gegenteil raten. Kaufen sie sich was schickes auf Pump mit wenig Zinsen!
5. Es gibt überhaupt keine private Altersvorsorge
Jochen 21.09.2011
Zitat von Michael GiertzDa fehlt doch glatt "Zweitens": "Zweitens" ist manch andere Anlageform sicherer und generiert mehr Einkommen: dazu gehören auch Aktien. Die privaten Rentenversicherer machen auch nichts anderes als die verwalteten Gelder zu investieren - warum aber soll ich die dazwischen schalten wollen, wenn ich das auch selber direkt kann? Da kann ich dann auch zeitnah mein Geld abziehen, wenn ich es vorzeitig brauchen sollte.
Und drittens - auch schon lange bekannt - *gibt es überhaupt keine private Altersvorsorge*. Altersvorsorge in einer Industriegesellschaft und im volkswirtschaftlichen Maßstab funktioniert nur im volkswirtschaftlichen Maßstab, sprich kollektiv. (Das gilt auch und insbesondere für den "privaten" Riestervertrag oder die Kapitallebensversicherung oder was sonst so an Abzockprodukten angeboten wird. Alle diese Produkte funktionieren nur als Komponente einer funktionierenden Volkswirtschaft.) Hier werden nur Illusionen verkauft, bunte Luft. Die Versicherungsgesellschaft ist der Dealer und die Bundesregierung der Hehler und Organisator des legalisierten Betrugs. In einer gescheiterten Volkswirtschaft (Deutschland steuert stark darauf zu) helfen weder 1 Mio Euro auf der Bank noch die eigene Immobilie; nichts ist etwas wert, wenn der Rest nicht funktioniert. Es gibt keine Alternative zur Umlagerente; einfach deshalb, weil es nur Umlagerenten gibt. Auch die angeblich "private", angeblich "kapitalgedeckte" Altersvorsorge à la Riester & Co. ist eine Umlagerente - allerdings für den Kunden eine extrem teure (etwa zehnmal so teuer wie die gesetzliche Umlagerente). Die einzige wirklich private Altersvorsorge sind die eigenen Kinder - leider kein sehr zuverlässiges Verfahren (keine Kinder? die Kinder finden keinen Job? ...) und für eine Industriegesellschaft undenkbar. Aber auch bei diesem Verfahren kann man nicht "privat" sparen. Sparen geht nur im volkswirtschaftlichen Maßstab, und heißt Sparen "Investieren und Konsumieren".
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