Anlageberatung Banken missachten die Protokollpflicht

Banken und Versicherungen müssen Beratungsgespräche dokumentieren - doch das tun sie falsch und lückenhaft, wie eine Studie des Verbraucherschutzministeriums zeigt. Jetzt sollen die Regeln nachgebessert werden.

Banken-Skyline in Frankfurt am Main: Schlechte Beratung, schlecht notiert
REUTERS

Banken-Skyline in Frankfurt am Main: Schlechte Beratung, schlecht notiert


Berlin/München - Seit Jahren beklagen Verbraucherschützer die mangelnde Qualität der Beratungen bei Banken und Versicherungen, die Politik wollte das Problem mit einer Protokollpflicht lösen. Jetzt zeigt sich aber: Banken und Versicherungen verstoßen offenbar regelmäßig gegen die Vorschrift, Anlageberatungen umfassend zu dokumentieren. Das zeigt der "Süddeutschen Zeitung" zufolge eine Studie im Auftrag des Verbraucherschutzministeriums, die in der kommenden Woche veröffentlicht werden solle.

Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) wolle die Regeln zur Protokollpflicht nun nachbessern. "In der Praxis gibt es bei der Beratungsdokumentation offensichtlich große Defizite", sagte Maas der Zeitung.

Im Auftrag des Ministeriums hätten Wissenschaftler 1003 Verbraucher befragt, 119-mal Testkäufer zu Banken, Versicherungen und Vermittlern geschickt sowie Untersuchungen von Verbraucherschützern ausgewertet. Das Ergebnis sei verheerend ausgefallen. "Keine einzige Dokumentation gibt den Ablauf des Testgesprächs vollständig, richtig, verständlich und übersichtlich wieder", zitiert das Blatt aus der Studie.

Nur jeder Vierte bekam überhaupt ein Protokoll

Nur in jedem vierten Fall hätten die Testkäufer überhaupt ein Protokoll ausgehändigt bekommen. Und: "Wesentliche Inhalte des Gesprächs, zum Beispiel Empfehlung eines Produkts und deren Begründung, haben Berater in vielen Fällen gar nicht dokumentiert. Andere Gesprächsinhalte wurden unvollständig wiedergegeben."

Verbraucherschutzminister Maas monierte, wenn überhaupt nur jeder vierte Kunde ein Protokoll erhalte, werde der Zweck der Dokumentation nicht erfüllt. Die Ergebnisse der Studie will der Minister dem Bericht zufolge nun mit Branchenvertretern, Wissenschaftlern und Verbraucherverbänden beraten. "Unser Ziel wird es sein, dass die Beratungsdokumentation ihrer Funktion gerecht wird."

Bis Mitte vergangenen Jahres waren bei der Finanzaufsicht BaFin 7443 Beschwerden von Privatkunden über Anlageberater von Banken und Sparkassen eingegangen. Das hatte eine kleine Anfrage der Grünen an die Bundesregierung im vergangenen Herbst ergeben. Das "Mitarbeiter- und Beschwerderegister" war im November 2012 eingerichtet worden.

Die Spitzenverbände der Kreditwirtschaft sprachen damals von einer relativ geringen Zahl. Man müsse beachten, dass bei der BaFin die gesamte Bandbreite - von Kritik, über Reklamationen bis hin zu tatsächlichen Beschwerden - registriert werde, ganz gleich ob berechtigt oder unberechtigt. Wegen Verstößen gegen die Beratungsprotokoll-Pflichten hatte die Behörde bis zu diesem Zeitpunkt sechs rechtskräftige Bußgeldbescheide erlassen - gegen fünf Privatbanken und eine Sparkasse. Weitere 28 Bußgeldverfahren waren anhängig.

Seit 2010 müssen Banken ihren Kunden nach jeder Anlageberatung ein Protokoll über den Verlauf des Gesprächs aushändigen.

nck/dpa



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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
auf_dem_Holzweg? 21.06.2014
1. ach...
für die Banken gelten doch eh keine Gesetze. Sie kaufen Politiker, stellen Staátsanwälte mitsamt Richter und machen auch selbst die Gesetzte. Wissen wir. Habt ihr nichts anderes , z.B. Neues zu berichten?
karend 21.06.2014
2. Nachgefragt
Zitat von sysopREUTERSBanken und Versicherungen müssen Beratungsgespräche dokumentieren - doch das tun sie falsch und lückenhaft, wie eine Studie des Verbraucherschutzministeriums zeigt. Jetzt sollen die Regeln nachgebessert werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/anlageberatung-banken-halten-sich-nicht-an-protokollpflicht-a-976603.html
Mich interessiert, wo die Ursache dieser Protokollführung zu finden ist. Ist es die Unfähigkeit, der Zeitmangel, die Bequemlichkeit oder die Lässigkeit? Wenn die Protokollpflicht schon existiert, inwiefern sollen jetzt die Regeln nachgebessert werden: Schulungen in Protokollführung? Fragen über Fragen.
voliant 21.06.2014
3. das geht ganz einfach
der berater der bank, bei der er ist, hat allein schon die haftung für jeden schaden zu tragen, der durch seine beratung entstehen kann. und da reichen 3 regeln: 1. der berater haftet persönlich für schäden, die aus seiner beratertätigkeit entstehen. ausserdem hat er als sicherheit die einlage mit seinem geld gegenzusichern 2. 3 kopien + 4 augen eine kriegt der kunde, die 2. kriegt der berater, die 3. wird zur sicherheit hinterlegt, alles mit datum und unterschrift und stempel 3. die bank haftet mit dem vollem gegenwert der anlage wenns schief geht, und keine ausnahme von dieser regel. verliert der kunde durch falsche beratung geld haftet die bank vollumfänglich für den schaden, ohne wenn und aber mit den 3 regeln ist jeder spekulation der riegel vorgeschoben
THINK 21.06.2014
4.
Zitat von sysopREUTERSBanken und Versicherungen müssen Beratungsgespräche dokumentieren - doch das tun sie falsch und lückenhaft, wie eine Studie des Verbraucherschutzministeriums zeigt. Jetzt sollen die Regeln nachgebessert werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/anlageberatung-banken-halten-sich-nicht-an-protokollpflicht-a-976603.html
Technisch ist es kein Problem, jedes Beratungsgespräch elektronisch aufzuzeichnen, so dass auch Jahre später genau nachvollzogen werden kann, was besprochen wurde. Die Kosten für eine solche Ausrüstung sind eher gering. Für Konservative (=Anachronisten) könnte man auch, wie im Bundestag immer noch üblich, das Gespräch durch eine der Stenographie kundigen Person mitprotokollieren lassen.
Knallerbsin 21.06.2014
5.
Zitat von sysopREUTERSBanken und Versicherungen müssen Beratungsgespräche dokumentieren - doch das tun sie falsch und lückenhaft, wie eine Studie des Verbraucherschutzministeriums zeigt. Jetzt sollen die Regeln nachgebessert werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/anlageberatung-banken-halten-sich-nicht-an-protokollpflicht-a-976603.html
Was soll denn an den Regeln nachgebessert werden? Solange Banken und Versicherungen keine Konsequenzen aus der Mißachtung der Regeln fürchten müssen, ist es doch egal, was diese Regeln besagen.
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