Berlin - Trotz jahrelanger Mahnungen verordnen die Ärzte immer noch zu viele teure Arzneimittel: 32 Milliarden Euro gaben die Krankenkassen 2010 für Pillen, Salben und Tropfen aus.
Dabei sei das Einsparpotential immens, so das Ergebnis des Arzneiverordnungs-Reports 2011, der auf Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK beruht. Dazu müssten die Ärzte verstärkt auf preiswertere Medikamente umsteigen, die für die Patienten denselben Effekt haben. Umsatztreiber seien 2010 die patentgeschützten Präparate gewesen. Damit hätten die Hersteller insgesamt 14,2 Milliarden Euro an Umsatz gemacht. Das waren 7,5 Prozent mehr als noch 2009.
Den Report gibt der Pharmakologe Ulrich Schwabe heraus. Sein jährlich erscheinender Bericht gilt als eines der wichtigsten Werke der Branche. Der Studie zufolge stiegen die Ausgaben der Kassen aufgrund der Arznei-Rabattverträge mit Herstellern sowie durch gesetzliche Sparmaßnahmen lediglich um ein Prozent. 18 Prozent der Ausgaben hätten die Kassen für Medikamente aufgewendet. Auf die Rabattverträge seien Einsparungen von rund 1,3 Milliarden Euro zurückzuführen.
8,1 Milliarden Euro ließen sich nach Meinung der Experten ohne Nachteile für die Patienten einsparen. Damit macht das für 2010 errechnete Sparpotential fast ein Drittel des Gesamtumsatzes für Arzneimittel aus, sagte Schwabe. Rein theoretisch ließe sich der Beitragssatz der gesetzlichen Krankenkasse bei entsprechenden Einsparungen um rund 0,8 Prozentpunkte senken.
Enormes Einsparpotential durch Einsatz von Generika
Vor allem bei den Medikamenten sieht Schwabe ein erhebliches Einsparpotential: 4,7 Milliarden Euro könnten ohne Qualitätseinbußen in der Therapie eingespart werden. Dazu sei es notwendig, dass konsequenter sogenannte Nachahmerpräparate (Generika) verordnet würden. Zudem sollten anstelle von teuren Analogpräparaten mit keinem oder nur geringem Zusatznutzen gleichwertige patentfreie Präparate verschrieben werden. Außerdem müssten Ärzte auf Arzneimittel mit umstrittener Wirksamkeit ganz verzichten.
Allein 4,1 Milliarden Euro könnten die Beitragszahler sparen, würden die Preise für die Medikamente, die durch Patente geschützt sind, auf britisches Niveau gesenkt. "Wir müssen so weit heruntergehen wie in Großbritannien", sagte Schwabe.
So koste beispielsweise ein Medikament wie Humira gegen Arthritis in Deutschland 4393 Euro pro Packung - fast doppelt so viel wie in England. Bei Generika - also Nachahmer-Präparaten nach Auslaufen des Patentschutzes - könnten 3,3 Milliarden Euro gespart werden, wenn britische Preise herangezogen würden.
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