Nachholeffekt: Aus für Praxisgebühr treibt Arzneimittelausgaben

Viele Patienten haben offenbar die Abschaffung der Praxisgebühr abgewartet: Im Januar sind die Arzneimittelausgaben deutlich gestiegen. Vertreter der Krankenkassen warnen vor einer neuen Kostenspirale.

Apothekerin in Berlin: Viel mehr Rezepte eingelöst Zur Großansicht
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Apothekerin in Berlin: Viel mehr Rezepte eingelöst

Berlin - Die Deutschen haben im Januar deutlich mehr Geld für Medikamente ausgegeben als noch vor einem Jahr. Laut Deutschem Apothekerverband (DAV) stiegen die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für Arzneimittel ohne Impfstoffe gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,4 Prozent. Der Anstieg lag vor allem daran, dass mehr Rezepte eingelöst wurden. Ihre Zahl erhöhte sich um 9,4 Prozent.

Hinter der Zunahme dürfte das Aus für die Praxisgebühr Ende 2012 stehen. Viele Fachleute gingen davon aus, "dass es durch die Abschaffung der Praxisgebühr Verlagerungseffekte gibt, dass also Menschen sich lieber im Januar ein neues Rezept ohne Praxisgebühr geholt haben, statt im Dezember mit Praxisgebühr", sagte der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, SPIEGEL ONLINE.

Ähnlich äußerte sich der Vorstandsvorsitzende der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), Ingo Kailuweit. "Die Patienten haben anscheinend die Abschaffung der Praxisgebühr abgewartet und sind erst im neuen Jahr zum Arzt gegangen, um sich ihre Medikamente verschreiben zu lassen", sagte er. "Zusätzlich kann auch die beginnende Grippewelle eine Rolle gespielt haben." Die KKH verzeichnete im Januar einen Anstieg der Ausgaben pro Versichertem um 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der eingelösten Rezepte erhöhte sich im Vergleich zum Dezember sogar um knapp 18 Prozent.

Kailuweit warnte, der Trend könne sich über die nächsten Monate fortsetzen. "Es darf nicht dazu kommen, dass der Arzneimittelsektor die Kostenspirale erneut nach oben schraubt", sagte er. Auch GKV-Sprecher Lanz warnte vor zusätzlichen Belastungen. "Die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung sind jetzt von zwei Seiten unter Druck - auf der einen Seite kürzt die Bundesregierung den Bundeszuschuss und auf der anderen Seite steigen die Leistungsausgaben."

Derzeit ist die Lage der Krankenkassen allerdings noch sehr komfortabel: Aufgrund der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt und moderater Ausgaben sitzen sie laut Schätzungen auf Reserven von rund 30 Milliarden Euro.

cte/dab

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Wenn....
doc 123 13.03.2013
Zitat von sysopViele Patienten haben offenbar die Abschaffung der Praxisgebühr abgewartet: Im Januar sind die Arzneimittelausgaben deutlich gestiegen. Vertreter der Krankenkassen warnen vor einer neuen Kostenspirale. Aus für Praxisgebühr treibt Arzneimittelausgaben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/aus-fuer-praxisgebuehr-treibt-arzneimittelausgaben-a-888714.html)
.. man sich als tatsächlich "ernsthafter" und wissender Arzt darstellen und outen würde, dann gäbe es auch keine Probleme mit diesen unsäglichen Heilsversprechen der Pharmavertreter und kein Kostenproblem bez. der Arzneimittelausgaben. Welcher Arzt hat sich nicht bereits mittlerweil mit diesen vollständig absurden Arzneimittelbeobachtungen in der Praxis mit teils absurden Kosten für teils vollständig unnötige unnötige Medikationen, da bessere und kostengünstigere Alternativen bekannt sind und waren, aufgrund entsprechender persönlicher Bereichung korrumpieren lassen? Man wird dieses Problem nicht lösen können, solange man nicht den wenigen ernsthaften Ärzten eine ordentliche Bezahlung für eine ernsthafte Medizin bei ernsthaft kranken Menschen anbietet. Die Pharmaindustrie und das ist sicherlich so gar kein Geheimnis hat die Masse der Ärzteschaft, die sich mittlerweile entsprechend korrumpieren und kriminalisieren hat lassen, unter der Fuchtel und Kuratel.
2.
pömpel 13.03.2013
Zitat von sysopViele Patienten haben offenbar die Abschaffung der Praxisgebühr abgewartet: Im Januar sind die Arzneimittelausgaben deutlich gestiegen. Vertreter der Krankenkassen warnen vor einer neuen Kostenspirale. Aus für Praxisgebühr treibt Arzneimittelausgaben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/aus-fuer-praxisgebuehr-treibt-arzneimittelausgaben-a-888714.html)
Da will man jetzt von einem Monat aufs Ganze schließen? Man muss erst mal abwarten wie sich die Absätze in den nächsten Monaten entwickeln. Über Weihnachten sind viele Arztpraxen unbesetzt, ist doch ganz klar dass die Patienten dann erst im Januar wieder Rezepte bekommen.
3.
marcaurel1957 13.03.2013
Zitat von doc 123.. man sich als tatsächlich "ernsthafter" und wissender Arzt darstellen und outen würde, dann gäbe es auch keine Probleme mit diesen unsäglichen Heilsversprechen der Pharmavertreter und kein Kostenproblem bez. der Arzneimittelausgaben. Welcher Arzt hat sich nicht bereits mittlerweil mit diesen vollständig absurden Arzneimittelbeobachtungen in der Praxis mit teils absurden Kosten für teils vollständig unnötige unnötige Medikationen, da bessere und kostengünstigere Alternativen bekannt sind und waren, aufgrund entsprechender persönlicher Bereichung korrumpieren lassen? Man wird dieses Problem nicht lösen können, solange man nicht den wenigen ernsthaften Ärzten eine ordentliche Bezahlung für eine ernsthafte Medizin bei ernsthaft kranken Menschen anbietet. Die Pharmaindustrie und das ist sicherlich so gar kein Geheimnis hat die Masse der Ärzteschaft, die sich mittlerweile entsprechend korrumpieren und kriminalisieren hat lassen, unter der Fuchtel und Kuratel.
Der Vorteil von albernen Klischees und dummen Vorurteilen ist, daß ma sie gut und einfach pflegen kann und man sich nicht die Mühe machen muss, selbst nachzudenken und sich einen Blick in die Realitäten sparen kann. Fazit: Ihr Beitrag ist unzutreffend, stellt nur Randerscheinungen dar und verallgemeinert auf übele Weise...
4.
Spieegel 14.03.2013
Zitat von sysopViele Patienten haben offenbar die Abschaffung der Praxisgebühr abgewartet: Im Januar sind die Arzneimittelausgaben deutlich gestiegen. Vertreter der Krankenkassen warnen vor einer neuen Kostenspirale. Aus für Praxisgebühr treibt Arzneimittelausgaben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/aus-fuer-praxisgebuehr-treibt-arzneimittelausgaben-a-888714.html)
Ich kann mir die Aussagen der Krankenkassen nicht erklären, sie wollen wohl wieder auf etwas anderes hinaus. Wenn man ein Rezept im neuen Jahr vom Arzt holt, spart man zwar die Praxisgebühr von 10,-€, aber es fallen auch Zuzahlungen zu den Medikamenten an. Die liegen bei mindestens 5 maximal 10,-€.
5. Tja, da hat die Regierung noch schnell etwas für die Arzneimittelindustrie getan..
BettyB. 14.03.2013
Was anderes war ja auch nicht zu erwarten, denn mit der Praxisgebühr wollte man ja gerade verhindern, dass bei jeder noch so kleinen Kleinigkeit ein Arzt aufgesucht wird, der dann eben auch ein Mittelchen verschreibt. Hoffentlich hat nun die Industrie nur noch wenig Zeit, sich dafür auch bei den Regierungsparteien zu bedanken...
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