Ausgehebelter Verbraucherschutz Lebensmittelfirmen tricksen bei Packungsgrößen

Die Nahrungsmittelindustrie nutzt den Wegfall fester Packungsgrößen nach SPIEGEL-Informationen weiter für versteckte Preiserhöhungen. Über 60 Artikel haben Verbraucherschützer inzwischen entdeckt, die zwar kleiner wurden - aber genauso teuer sind wie zuvor.

Supermarkt in Frankfurt am Main (Archivfoto): Immer mehr Mogelpackungen
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Supermarkt in Frankfurt am Main (Archivfoto): Immer mehr Mogelpackungen


Hamburg - Seit April 2009 muss eine Schokoladentafel nicht mehr 100 Gramm schwer sein - der Hersteller kann die Größe frei wählen. Auf Druck der Europäischen Union waren damals viele Vorschriften zu Verpackungsgrößen von Lebensmitteln weggefallen. Verbraucherschützer warnten von Anfang an vor versteckten Preiserhöhungen. Jetzt zeigt sich: Sie haben Recht behalten.

Die Nahrungsmittelindustrie nutzt den Wegfall der Packungsregeln weiter für versteckte Preiserhöhungen. Eine entsprechende Liste über Mogelpackungen führt die Hamburger Verbraucherzentrale. Sie ist nach SPIEGEL-Informationen inzwischen auf über 60 Produkte angewachsen, weil Kunden laufend neue Artikel entdecken, die zwar kleiner wurden, aber genauso teuer sind wie zuvor.

Zwar gehen nicht alle dieser Schrumpfkuren auf die jüngste EU-Liberalisierung vom April zurück. Doch in den vergangenen Monaten nutzten viele Hersteller den Verpackungswirrarr, um den Kunden gewohnte Produkte in vermeintlich neuer Rezeptur und Outfit zu erhöhten Preisen unterzujubeln. Ein Trick, den auch die Lebensmittelbranche in den USA nutzt.

Erneut auf die Liste der Verbraucherschützer schaffte es etwa die Fruchtbuttermilch der Molkerei Weihenstephan, die zum Konzern des Milch-Milliardärs Theo Müller gehört. Statt vorher 89 Cent kostet die neue Buttermilch jetzt zwar nur noch rund 85 Cent - doch statt wie bisher 500 Milliliter sind jetzt nur noch 400 drin, eine Preissteigerung von gut 19 Prozent. Der Verbraucher habe eine praktischere Verpackung gewollt, rechtfertigt eine Firmensprecherin die Teuerung.

Neu auf der schwarzen Liste sind auch die Wellness-Flakes von Lidl, die nun in kleinerer Verpackung gut 36 Prozent teurer geworden sind. Die Industrie rechtfertigt die Preissteigerungen meist mit erhöhten Rohstoffkosten.

hda

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Knütterer, 07.02.2010
1. Den Müller ....
... enteignen, und lasst ihn ruhig in die Schweiz abziehen, vermutlich hat er dort längt die grössten Teile seiner Kohle gebunkert!
mexi42 07.02.2010
2. Die EUrokraten ...
haben den Betrug zum Nutzen des Handels und zum Schaden der Verbraucher ermöglicht. Duschköpfe und Glühlampen sind wichtiger. EU-Wahlen sollten boykottiert werden. SALUS PUBLICA SUPREMA LEX!
sic tacuisses 07.02.2010
3. wenn es denn so wäre.......
Zitat von mexi42haben den Betrug zum Nutzen des Handels und zum Schaden der Verbraucher ermöglicht. Duschköpfe und Glühlampen sind wichtiger. EU-Wahlen sollten boykottiert werden. SALUS PUBLICA SUPREMA LEX!
müssten sämtliche Politclowns dieser Welt im Knast schmoren. Den Traum sollte man schnellstens beerdigen.
TheBear, 07.02.2010
4. Sieg der Lobbies
Zitat von sysopDie Nahrungsmittelindustrie nutzt den Wegfall fester Packungsgrößen nach SPIEGEL-Informationen weiter für versteckte Preiserhöhungen. Über 60 Artikel haben Verbraucherschützer inzwischen entdeckt, die zwar kleiner wurden, aber genauso teuer sind wie zuvor. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,676383,00.html
Das war ja wohl völlig klar, dass es so kommen würde. Schliesslich sind ja nicht die Hersteller blöd, sondern die Verbraucher, genauer gesagt, die Wähler, die da mitmachen. Die einzige "gute" Nachricht: Lobbies funktionieren ausgezeichnet. Eines der besten Beispiele, denn bei den Packungsgrössen gibt es wirklich keinen Grund, der auch nur enfernt Sinn macht, denn man sollte sogar annehmen, dass es für die Hersteller einfacher ist Standardpackungen zu nehmen, wenn sie nicht die Absicht haben, die Kunden über's Ohr zu hauen. Und komme mir bitte keiner mit dem saublöden Argument, der Kunde könne sich ja jeweils den Preis per Kilo selber ausrechnen: Beim Einkaufen hat man schliesslich nicht ewig Zeit.
Silverhair, 07.02.2010
5. Hinwegfegen
Man kann nur sagen, ein klassisches Lobby Projekt aus Brüssel. Vor einigen Jahrhunderten waren die "Waagen" und "Maße" an den Markt-Ständen regelrechte Würfeleinrichtungen, es wurde betrogen und verwogen was das Zeug hielt - allerdings prozentual weitaus weniger als diese Verpackungstricks ermöglichen. Ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor waren die staatlichen Vorordnungen zu Eichgesetzen, zu der Standardisierten Verpackung und Einheitsverkaufsgrössen. Brüssel hat Europa mal wieder in Mittelalter zurückgeworfen, nicht ohne den Verdacht weiter zu nähren das die Brüsseler Bürokratie im Verein mit der EU mehr am füllen ihrer eigenen Kassen interessiert ist als an ihren Bürgern. Ich bin durchaus für Globalisierung, aber nicht für globalen Betrug, und Brüssel hat sich leider zu solch einer Betrugsorganisation entwickelt, abgesegnet durch Parteien und Regierungen die mehr auf ihre Lobby und Spendenbüchsen als auf die Bürger achten, die Diktatorisch gegen den Willen der Bürger entscheiden - siehe Lissabonvertrag der ein Treppenwitz des Jahrtausends ist - ein "Schein-Demokratisches Machwerk ohne die Bürger". Was wundert es uns das genau dieses System es gerade schaft die Weltwirtschaft zu zerstören, Banken die Müll verkaufen dafür aber Mrd. an Staatlicher Stütze bekommen, der Müll in "Bad Banks" als "sind ja nichts wert aber doch irgendwie schon" werden am Leben erhalten, sie haben eine Geldmenge produziert die 10 Mal so gross ist wie die gesamte Realwirtschaft, und mit diesem Geld zwingen sie sogar Staaten in die Knie reinstes Zocken auf Kosten der Bürger. Da sind Brüsseler Excesse wie mit den Glühbirnen gegen hochgiftige Quecksilber Röhren ja echt noch Harmlos - eher wohl der stagnierenden Glühbirnen industrie geschuldet. Wirklich "Energiesparend sind sie ja nicht" - das wären ja LED's , aber die sind nicht in der Hand der europäischen Firmen! Genügend wissenschaftliche Studien aus ALLEN Bereichen zeigen das Systeme die zu gross werden, zu zentral organisiert schlichtweg immer mehr Unsinn, Fehler und Chaos produzieren - Konzerne hat man deshalb auch in den 90'er regelrecht zerlegt. Auch Diktaturen, grosse Planwirtschaftsysteme brechen letztlich immer - meisten zum Schaden von allen unter ihrem Eigenen Gewicht zusammen. Brüssel und die EU gehören eindeutig zu den "zu grossen Systemen", der Schwachsinn ist dort Methode - nicht die Randerscheinung. Menschliche Gesellschaften brauchen kleine Organisationseinheiten - nicht Moloche selbsternannter Eliten und Bürokraten. In der Natur gibt es gigantische Systeme, aber keines mehr was auf einer grosszentralen Organisation beruht, die Fehleranfälligkeit von Zentralsystemen bedeutet immer letztlich - den Zusammenbruch des ganzen Systems, das ausweichen können, alternativen suchen, das ist nur in kleinen - dezentralen Organisationen überhaupt möglich! Wir sollten daraus schleunigst lernen - die Weltwirtschaft steht vor dem Kollaps ihres "globalen Kapitalismus" - es könnte uns hinwegfegen - genaus zielsicher wie ein auf Kollisionskurs befindlicher Meteor!
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