Auslandsüberweisungen "Die Verbraucher zahlen drauf"

Bei Auslandszahlungen verlangen Banken teilweise immer noch horrende Gebühren und berechnen Kunden ungünstige Wechselkurse. Kristo Käärmann, Chef des Zahlungsverkehrsabwicklers Transferwise, profitiert davon.

Überweisungsvordruck
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Ein Interview von


SPIEGEL: Verbraucher und Firmen in der EU zahlen Experten zufolge rund 18,5 Milliarden Euro an Bankgebühren, wenn sie Devisen ausgeben, überweisen oder empfangen. 12,5 Milliarden Euro davon sind versteckte Gebühren, auch weil Banken Aufschläge auf Wechselkurse berechnen. Wie kann das sein?

Käärmann: Die Anbieter müssen dem Kunden bislang nicht den tatsächlichen Wechselkurs berechnen, sondern können einen für die Bank günstigeren nehmen. Viele Verbraucher wissen das nicht und zahlen drauf. Transferwise berechnet den Kurs, der zum Beispiel bei Google angezeigt wird, und ist deutlich günstiger.

SPIEGEL: Der Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments verabschiedet diese Woche eine Verordnung, die Banken zwingen soll, versteckte Kosten aufzuzeigen. Ist das Problem damit gelöst?

Zur Person
  • Kristo Käärmann, 38, ist Chef des Zahlungsverkehrsabwicklers Transferwise. Das in London ansässige Fintech-Unternehmen wurde 2011 gegründet und bietet Geldtransfers für Fremdwährungen an.

Käärmann: Zwischenzeitlich sah es so aus, als könne die Bankenlobby das verhindern. Offengelegt werden sollten nur Gebühren für Kartenzahlungen und Abhebungen im Ausland. Dank vieler Änderungsanträge geht es nun aber in die richtige Richtung.

SPIEGEL: Wie viel könnten Verbraucher sparen?

Käärmann: Analysen zufolge mehr als vier Milliarden Euro, also etwa ein Drittel der versteckten Gebühren für Auslandszahlungen. Wenn der Verbraucher vergleichen kann, werden die Preise sinken.

SPIEGEL: Transferwise ist rund 1,4 Milliarden Euro wert und eine der größten Fintech-Firmen Europas. Wenn die Banken durch neue Transparenzpflichten günstiger würden, würde Transferwise überflüssig.

Käärmann: Ich bin zuversichtlich, dass wir auch dann noch günstiger sein werden. Schließlich haben wir niedrigere Gesamtkosten als die Banken.



insgesamt 8 Beiträge
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keksguru 05.11.2018
1. man muss sich das ja nicht bieten lassen...
die Postbank wollte z.B. ab April 8,50 Euro fuer eine SHARE Uberbeweisung haben, vorher waren es 1,50 Damit liegt sie nun deutlich ueber allen anderen Banken, speziell wenn es um russische Rubel oder mongolische Tugrik geht findet man bei den Hausanken nichts, was auch nur einigermassen guenstig ist. Bei WU hab ich neulihc mal 2,50 Gebueheren fur Russland bezahlt, 1 Euro fuer die Mongolei, und bei dem letztgenannten Land ging mir wirklich die Hutschnur, weil z.B. bei der anderen Variante - OUR - lt Postbank die eigenen Gebuehren und die der empfangenden Bank berechnet wurden. Mir wurden pauschal 10 Euro in Rechnung gestellt.. steht in keiner Preisliste und es hat sich auch keiner gemeldet, weil die Postbankgebueheren ja offenbar 1,50 waren und beim Empfaenger umgerechnet noch mal 1,50. Also gelogen, und vermutlich ist diese Praxis von der Bankenlobby auch noch irgendwie legalisiert worden... nun ja wenn man von hart auf gierig umschaltet, dann verliert man halt Kunden an die neuen Zahlungsdienstleister...
Dennis der Große 05.11.2018
2. Transferwise für Unternehmen?
Sorry, aber wir hatten es damals mit Transferwise versucht und es ging "nur" bis 5000 Euro, danach war ende und der Wechselkurs hat sich gegen Ende auch geändert gehabt. Ob das jetzt immer noch so ist, weiss ich nicht, aber wir haben uns letztenendes für forexfix entschieden und sind dort sehr zufrieden. Wir hatten uns einige Anbieter angeschaut wie azmo und western union. Wobei Western union nicht wirklich günstig ist. Trotzdem sind alle diese Firmen günstiger als die Bank. Wie ist das möglich? Verzichten wohl auf die Paläste *lach
Oberleerer 05.11.2018
3.
Dieses Einsatzgebiet wäre ja nun wirklich ideal für Crypto-Währungen. Leider sind bei BTC die Transaktionskosten so stark gestiegen und Zahlungen erfolgen nur mit starkem zeitlichen Verzug. Aber vlt. hätte es irgend ein anderer Coin wuppen können, mit App fürs Smartphone. Dann kann der tibetische Wanderarbeiter in Sekundenschnelle seinen Lohn von Dubai nach Tibet schicken.
Oberleerer 05.11.2018
4.
Zitat von Dennis der GroßeSorry, aber wir hatten es damals mit Transferwise versucht und es ging "nur" bis 5000 Euro, danach war ende und der Wechselkurs hat sich gegen Ende auch geändert gehabt. Ob das jetzt immer noch so ist, weiss ich nicht, aber wir haben uns letztenendes für forexfix entschieden und sind dort sehr zufrieden. Wir hatten uns einige Anbieter angeschaut wie azmo und western union. Wobei Western union nicht wirklich günstig ist. Trotzdem sind alle diese Firmen günstiger als die Bank. Wie ist das möglich? Verzichten wohl auf die Paläste *lach
Die Zeiten der Paläste sind schon lange vorbei. Und so ein Hochhaus in Frankfurt ist eben auch günstig, wenn es an einer U-Bahn gelegen ist und, wenn Eigentum der Bank, die Mieten stabil bleiben. Reduziert sich der Bedarf wird dann eben untervermietet. Ansonsten ist es nicht wirklich unerklärlich, warum in einer kleinen Firma die Bürokratie und die Kosten im Rahmen bleiben. Dies ist nunmal eine der negativen Folgen zahlreicher Fusionen., daß man plötzlich viel größere und doppelte Verwaltungsstrukturen hat. Aber bei seiner Bank zu bleiben ist natürlich viel bequemer. Wer allerdings öfters Geld verschickt, sucht sich schnell eine Alternative.
Dennis der Große 05.11.2018
5.
Zitat von OberleererDie Zeiten der Paläste sind schon lange vorbei. Und so ein Hochhaus in Frankfurt ist eben auch günstig, wenn es an einer U-Bahn gelegen ist und, wenn Eigentum der Bank, die Mieten stabil bleiben. Reduziert sich der Bedarf wird dann eben untervermietet. Ansonsten ist es nicht wirklich unerklärlich, warum in einer kleinen Firma die Bürokratie und die Kosten im Rahmen bleiben. Dies ist nunmal eine der negativen Folgen zahlreicher Fusionen., daß man plötzlich viel größere und doppelte Verwaltungsstrukturen hat. Aber bei seiner Bank zu bleiben ist natürlich viel bequemer. Wer allerdings öfters Geld verschickt, sucht sich schnell eine Alternative.
Vollkommen korrekt und richtig. "Bequem" waren wir auch viel zu lange. Und spätestens als der Bankberater uns 1 Woche hat warten lassen um ein Angebot für den Versandt nach China zu machen, war es dann auch genug. Ich möchte es jedenfalls nicht mehr missen meine Überweisungen auch um 1 Uhr Nachts selber machen zu können. Und das kann ich jetzt. Kein Telefonat, kein Gerede, alles sofort eingeben und ab auf die Reise *lach Und Geld sparen wir auch noch. Herrlich!
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