Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Tarifkampf der GDL: Bahn-Kunden droht längster Streik der Geschichte

Bahn-Streik (Archivbild): Neue Streikrunde droht Zur Großansicht
Getty Images

Bahn-Streik (Archivbild): Neue Streikrunde droht

Schon der vorige Bahn-Streik dauerte 50 Stunden, der kommende könnte alle Rekorde brechen. Die Lokführergewerkschaft GDL verspricht, Kunden rechtzeitig vorab zu informieren.

Berlin - Die kommenden Streiks bei der Bahn könnten die längsten in der Geschichte des Unternehmens werden. Der letzte Streik vor rund zwei Wochen hatte mehr als 50 Stunden gedauert. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte ihre Arbeitskämpfe im Zuge des Tarifkonflikts immer weiter ausgedehnt.

Ein Datum für den kommenden Streik nannte die GDL nicht. Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky versprach, die Fahrgäste würden so rechtzeitig informiert, dass sie bei Zugausfällen noch Alternativen finden könnten. Einen Zeitraum wollte der Gewerkschaftschef aber nicht nennen. Den Vorwurf, den Bahnkunden zuletzt nur wenige Stunden Vorlauf gegeben zu haben, wies er zurück: "Wir haben immer so rechtzeitig informiert, dass die Reisenden sich darauf einstellen konnten", sagte Weselsky in den ARD-"Tagesthemen".

Eine Einigung im Streik zwischen der GDL und der Bahn war in letzter Sekunde gescheitert. Die Bahn hatte die GDL für das Scheitern der Gespräche verantwortlich gemacht. Sie habe einen ausgehandelten Entwurf eines Tarifvertrags, der auch ein Abkommen für Zugbegleiter umfasst hätte, kurzfristig wieder abgelehnt. Die Bahn hatte die GDL daher als unzuverlässigen Verhandlungspartner kritisiert.

Nach Angaben der Bahn stand nach mehreren Gesprächsrunden bereits der Entwurf eines Tarifvertrags, der auch ein eigenständiges Abkommen für die Zugbegleiter umfasst hätte.

Kritik aus der SPD an der GDL

Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn im Jahr bei kürzeren Arbeitszeiten. Kern des Konflikts ist aber, dass die Gewerkschaft dies nicht mehr allein für die 20.000 Lokführer fordert, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer.

SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi kritisierte am Montag in Berlin, die GDL tue der Gewerkschaftsbewegung in Deutschland "keinen Gefallen" und begebe sich "in eine schwierige Ecke". Das Verhalten der Lokführerorganisation sei für sie "nicht mehr nachvollziehbar", sagte Fahimi.

Der Fahrgastverband Pro Bahn übte scharfe Kritik an den neuen Streikplänen der GDL. "Die Fahrgäste haben immer weniger Verständnis für die Lokführer", sagte Pro-Bahn-Sprecher Gerd Aschoff der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Dienstag). "Die Fahrgäste sind die Hauptleidtragenden der Streiks."

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte das Verhalten der GDL und ihres Chefs scharf. "Wir setzen uns dafür ein, gemeinsam im Rahmen einer Tarifgemeinschaft zu vernünftigen Lösungen zu kommen", sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann am Dienstag im ARD-"Morgenmagazin". "Das hat Herr Weselsky leider zu meinem Entsetzen abgelehnt". Die konfrontative Linie der GDL sehe er "sehr skeptisch".

ssu/AFP/dpa-AFX

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 362 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
delta058 04.11.2014
Interressant ist, wie einseitig auch die medien der GDl die komplette Schuld zuschieben. Gehören zu einem Streik nicht zwei? Warum wurde nicht das abgelehnte Angebot mal aufgeführt, oder vielleicht die Begründung dafür. Klar sind bei der Bahn die Fahrgäste die Hauptleidtragenden, das wäre ja mal ein guter Grund über den Privatisierungswahn nachzudenken. Was glauben unsere Politiker was los ist, wenn es keine verbeamteten Lokführer mehr gibt und immer mehr in billiger bezahlte Tochtergesellschaften ausgelagert werden? Komisch das jetzt gegen Spartengesellschaften gehetzt wird aber nicht gegen Spartenunternehmen, ein Schelm...
2. Aufklärung bitte
ekel-alfred 04.11.2014
Was ich nicht verstehe........wieso werden häufig die Pendler bestreikt? Außer einem Imageschaden ensteht der Bahn kein weiterer Verlust, da die meisten Kunden ihr Ticket durch das Abo bezahlt haben. Was ist mit dem Güterverkehr?
3.
thomas_gr 04.11.2014
Kritik aus der SPD. Die Partei bleibt eine Verräterpartei, die sich Diäten genehmigt und Posten zuschanzt und dabei die Arbeiter vergisst. Gebt den Menschen endlich mehr Geld. Die haben sich lange genug in Lohnzurückhaltung geübt.
4. Staatsfirma streikt mal wieder
mbeee 04.11.2014
Warum nutzen die privaten Busunternehmen nicht die Gunst der Stunden und bieten Ersatzverkehr an. Und das viel günstiger und wesentlich zuverlässiger.
5. Mal was Gutes über Beamte.
Miere 04.11.2014
Okay ich wusste immer schon dass die versuchte Umwidmung der Bahn von einem Staatsbetrieb in eine Aktiengesellschaft eine grottendämliche Idee war. Dass einer der Gründe dafür war, dass Beamte nicht streiken dürfen, war mir bisher nicht klar. Man lernt nie aus.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: