Verbraucherschützer klagen 39 Euro Einrichtungsgebühr fürs Basiskonto

Das Basiskonto sollte ein Konto für jedermann sein, auch für Menschen mit schlechter Bonität wie Obdachlose oder Flüchtlinge. Doch die Banken verlangen teils drastische Gebühren - und müssen nun mit Klagen rechnen.

Obdachlosenküche in Berlin
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Die Volksbank Mittweida bekommt Ärger mit Verbraucherschützern. Der Grund: Das Institut verlangt für die Einrichtung eines sogenannten Basiskontos 39 Euro Gebühr. "Das widerspricht dem Gedanken des Gesetzes", sagt Kerstin Schultz, Teamleiterin beim so genannten Marktwächter Finanzen in der Verbraucherzentrale Sachsen. Man werde deshalb Klage gegen die Volksbank einreichen.

Seit vergangenem Jahr sind Banken gesetzlich verpflichtet, solche Basiskonten in Form von reinen Guthabenkonten anzubieten - gedacht sind sie für Menschen mit vermeintlich schlechter Bonität, etwa Obdachlose oder Flüchtlinge. Denn ein Leben ohne Konto ist schwer: Viele Zahlungen wie etwa ein Gehalt werden in der Regel per Überweisung getätigt. Für viele, die kein anderes Konto als ein Basiskonto eröffnen können, dürften 39 Euro Einrichtungsgebühr allerdings eine erhebliche Hürde darstellen. Der Marktwächter Finanzen moniert zudem, dass für die Erfüllung einer gesetzlichen Pflicht gar keine Einrichtungsgebühr verlangt werden dürfe.

Die Volksbank Mittweida hält dagegen, die Gebühr decke "den uns durch die gesetzlich vorgeschriebenen Anforderungen" an ein solches Konto entstehenden "Mehraufwand" und sei deshalb angemessen. Neben der Einrichtungsgebühr sollen Kunden für die Führung des Basiskontos monatlich bis zu zehn Euro bezahlen. Auch etliche andere Banken verlangen für ein Basiskonto Gebühren, die oft sogar über den Gebühren normaler Girokonten liegen.

Bereits Anfang des Jahres hatte die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz bei einer Umfrage unter 52 Banken festgestellt: Die Kosten für dieses "Jedermann-Konto", wie es auch oft genannt wird, summieren sich im Laufe des Jahres zuweilen auf mehr als hundert Euro. Die Einrichtungsgebühr bei der Volksbank Mittweida ist allerdings besonders hoch. Verbraucherschützer hatten schon in der Vergangenheit gefordert, das Gesetz für das Konto müsse nachgebessert werden, wenn sich die Situation nicht bessert.



insgesamt 48 Beiträge
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seyffensteyn 11.09.2017
1. Ich kann die Aufregung gar nicht verstehen,
man muß sich ja nicht die Bank aussuchen,die diesen Betrag einfordert.Es gibt genügend Banken,die das preisgünstiger machen!
allessuper 11.09.2017
2. Tja Leute, eine Bank sollte man ebenso sorgfältig wie Partner suchen.
Da geht es um Vertrauen. Ökobanken, Triodos Bank, GLS Bank, Ethik-Bank... freie Fahrt für freie Bürger!
mwroer 11.09.2017
3.
Welcher Mehraufwand soll das denn bitte sein? Es entfällt doch schon mal die Bonitätsprüfung und Schufa-Nachfrage wenn jemand kommt und sagt 'Ich bin obdachlos/nicht liquide/wasauch und brauche ein Basiskonto'. Auch im späteren Betrieb gibt es keine Mehrkosten die ich mir vorstellen könnte. Überweisung ist Überweisung - da wird auch nur der Verfügungsrahmen automatisch geprüft und der Software ist egal von wo bis wo sie rechnet. Das die gleichen Gebühren anfallen wie bei einem normalen Girokonto ist absolut logisch - aber mehr? Macht keinen Sinn.
marty_gi 11.09.2017
4. das MUSS darf grundsaetzlich nichts kosten
Wenn es gesetzlich vorgeschriebene MUSS-Dinge gibt, dann muss man diese auch kostenfrei erhalten. Das sollte der Staat, der die Regelungen erlaesst, dann auch aus den Staatfinanzen leisten. Dafuer gibt es ja schliesslich die Steuern. Dazu wuerde ich nicht nur dieses Basis-Konto (in der gesetzlichen Auspraegung, wer was anders will zahlt dann eben) zaehlen. Sondern auch z.B. den Personalausweis (was mich schon seit Jahrzehnten aergert, dass ich das Ding haben muss, und dennoch dafuer bezahlen soll und es nach Jahren wieder abgeben muss, gegen erneute Zahlung). Und - fuer solche Basisdinge ist dann auch kein Markt notwendig, wo man sich die Bank dann ausuchen muss, wie Kommentar #1 meint.
sissibu 11.09.2017
5. Meine Meinung!
Wenn jemand ( zum Beispiel eine Bank), glaubt er(sie) wäre einer der Intelligentesten, ist das menschlich, weil niemand gerne blöd ist! Die Anderen jedoch für blöd zu halten, ist schon ein wenig dreist! Haben die Banken nichts anderes zu tun?
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