Steigende Gebühren Banken halten kostenloses Konto für überholt

Kostenlose Girokonten, umsonst Geldabheben und überweisen: Was bis vor Kurzem noch selbstverständlich schien, wird immer seltener. Beim Deutschen Bankenverband heißt es jetzt, der Trend sei dauerhaft.

Kunde am Bankautomaten
DPA

Kunde am Bankautomaten


Deutschlands private Banken sehen eine dauerhafte Abkehr von kostenlosen Girokonten. "Die Zeiten einer Kostenloskultur sind wahrscheinlich schon vorbei", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands, Michael Kemmer, am Donnerstag beim Deutschen Bankentag in Berlin. Es gebe bei allen Banken den Trend, dass Dienstleistungen rund um private Girokonten nicht mehr quersubventioniert würden. Jedes Institut müsse aber selbst schauen, wie es anfallende Kosten decken könne.

In den vergangenen Tagen hatten Meldungen über Gebühren fürs Geldabheben am Automaten bei bestimmten Kontomodellen einiger Sparkassen und Volksbanken für Schlagzeilen gesorgt. Davon sind die privaten Banken, die der Bankenverband vertritt, zunächst nicht betroffen. Doch auch hier gab es in den vergangenen Monaten bei vielen Instituten Gebührenerhöhungen, etwa für beleghafte Überweisungen. Einige Banken, wie etwa die HypoVereinsbank oder die Postbank, haben nach Jahren ihre Angebote für ein kostenloses Girokonto beendet.

Was Girokonten wirklich kosten
Kontomodelle ausgewählter Banken und Sparkassen

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Hintergrund der Entwicklung sind die niedrigen Zinsen und der geringe Abstand zwischen Kredit- und Guthabenzinsen. Diese Lage erschwert es den Banken, ihre Dienstleistungen wie kostenlose Geldautomaten, Überweisungen oder EC-Karten mit Gewinnen aus dem Zinsgeschäft querzusubventionieren.

Entsprechend laut kritisieren die Banken immer wieder die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Verbandspräsident Hans-Walter Peters forderte die EZB am Donnerstag auf, "dringend den Einstieg in den Ausstieg aus der Nullzinspolitik" zu finden, "bevor Risiken und Nebenwirkungen - auch für die Finanzstabilität - überhand nehmen". Die ultralockere Geldpolitik der EZB belaste Sparer, Wirtschaft und Banken, sagte Peters.

Doch selbst wenn die Zinsen wieder steigen, heißt das nicht, dass die kostenlosen Konten massenhaft zurückkommen. Das machte Geschäftsführer Kemmer deutlich. Der Trend zu höheren Gebühren sei nicht nur eine kleine Delle, die durch die Niedrigzinsen ausgelöst werde, sondern ein "dauerhafter Trend".

Kemmer sieht in der Abkehr von der Kostenloskultur allerdings auch eine Art neue Ehrlichkeit: Es sei nicht verwerflich, dass Kosten, die durch Dienstleistungen anfallen, auch durch diejenigen gedeckt werden, die sie verursachen. Sprich: durch die Kunden.

stk



insgesamt 208 Beiträge
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GoaSkin 06.04.2017
1. die Volksbanken und Sparkassen können sich dank vieler treu-doofer Kunden auch Gebühren erlauben
Es gibt sehr viele Leute, die schon immer bei der örtlichen Volksbank oder Sparkasse Kunde sind und ihre Bank kaum wechseln würden - egal, wie die Bank an der Gebührenschraube dreht. Darum können es sich die Volksbanken und Sparkassen auch erlauben, für alles mögliche hohe Gebühren zu nehmen.
vipclip 06.04.2017
2. Oma´s Sparstrumpf
wird dann wohl wieder grioß in Mode kommen, wozu noch Geld zu einer Bank tragen wo es weniger wird durch Gebühren und es keine Zinsen mehr gibt
Thorkh@n 06.04.2017
3. Wieso Kostendeckung?
Es geht doch einzig um Gewinnmaximierung ...
TLB 06.04.2017
4.
Am schönsten finde ich den Satz Herrn Kemmers, dass es nicht verwerflich sei, (sinngemäß) dass die Kosten durch die beglichen werden, die sie verursachen. Da fallen mir natürlich sofort die durch Steuergelder geretteten Banken ein. Im übrigen fehlt, es wurde aber in den Posts eines anderen Artikels auch schon darauf hingewisen, in der Grafik die eine oder andere Bank, die das Girokonto kostenlos anbietet.
singlebunch 06.04.2017
5. Ahja...
...die Kunden verursachen also nur Kosten. Dann ist das ganze Geschäftsmodell Bank ja obsolet.
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