Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Banken und Sparkassen: Weitere Filialen von Schließung bedroht

In Zukunft könnte der Weg zur Hausbank für die Kunden noch ein Stück länger werden: Wie die Deutsche Bundesbank mitteilte, dünnen Deutschlands Kreditinstitute ihr Filialnetz weiter aus. Die aufwendige Kundenbetreuung ist zu teuer, jedes vierte Institut will Zweigstellen schließen.

Frankfurt/Main - Während der Finanzkrise wurden sie immer wichtiger - trotzdem sollen sie weichen: Die klassische Hausbank mit ihrer Filiale um die Ecke wird in Zukunft womöglich zur Ausnahme. Weil Online- oder Telefonbanking weniger kostet, will jede vierte Bank bis 2012 weitere Filialen dichtmachen. Das meldete die Deutsche Bundesbank am Montag in Frankfurt.

Vor elf Jahren konnten Bankkunden in Deutschland noch in beinahe 60.000 Filialen ihre Bankgeschäfte erledigen. Seither wurden immer mehr Zweigstellen geschlossen. 2009 gab es weniger als 39.500, meldete die Bundesbank. Allerdings hatte sich der Abbau der Filialen in den vergangenen Jahren verlangsamt: Im Jahr 2006 betrug der Rückgang noch 8,5 Prozent, im Jahr 2007 1,2 Prozent und 2008 nur noch 0,6 Prozent.

Damit haben die Geldhäuser sehr unterschiedliche, teils entgegengesetzte Konsequenzen aus der Finanzkrise gezogen. 41 Prozent der deutschen Banken wollen ihren Filialbetrieb im laufenden Jahr sogar ausbauen - im harten Wettbewerb um Kunden setzen sie weiterhin vor allem auf die Filiale als klassischen Vertriebskanal. Jedes vierte Institut jedoch will der Studie zufolge bis 2012 weitere Zweigstellen schließen, um Kosten zu senken.

In der Euro-Zone insgesamt sank die Zahl der Kreditinstitute stärker als in Deutschland. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) waren zum Jahresanfang 8076 Institute im Euroraum ansässig. Das waren 274 oder 3,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Rückgang ist insbesondere auf Spanien zurückzuführen, wo mit 50 Instituten mehr als jedes zehnte (10,5 Prozent) verschwand.

kim/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Vorstandschefs: Die wichtigsten Banker Europas

Fotostrecke
US-Finanzsystem: Die Milliarden-Männer der USA

Die US-Finanzreform von 2010
Neue Institutionen
Unter dem Dach der US-Notenbank (Federal Reserve) wird eine neue, mächtige Verbraucherschutzbehörde eingerichtet, die unfaire Geschäftspraktiken beispielsweise bei Privatkrediten und Kreditkarten aufdecken und verhindern soll. Ein zehnköpfiger Regulierungsrat unter Vorsitz des Finanzministers wacht künftig über mögliche Risiken für das Finanzsystem.

Neue Aufsichts-Kompetenzen
Die Regierung erhält neue Vollmachten, alle kollabierenden Finanzinstitutionen zu übernehmen und abzuwickeln, nicht nur Banken. Verluste sollen Gläubiger und Aktionäre treffen, nicht den Steuerzahler. Gestärkt wird zudem die Befugnis der Regulierungsbehörden, große Geldhäuser in kleinere Einheiten aufzuspalten, wenn sie das Finanzsystem gefährden. Mit dem Gesetz gibt der Kongress den Regulierungsbehörden auch grünes Licht, strengere Vorgaben bei der Ausstattung der Geldhäuser mit Kapital und Liquidität zu machen.
Neue Regeln für Banken
Der Eigenhandel der Banken wird eingeschränkt. Geldhäuser, die über staatlich versicherte Einlagen verfügen, dürfen demnach nur noch sehr begrenzt in Hedge- oder Private-Equity-Fonds investieren. An die Kette gelegt werden die Banken zudem beim Umgang mit komplexen Finanzinstrumenten. Für den Handel mit riskanteren Derivaten wie etwa aus dem Rohstoffbereich müssen die Finanzinstitute mit eigenem Kapital ausgestattete Einheiten gründen. Ein Großteil des Geschäfts muss künftig über Börsen oder Clearing-Stellen abgewickelt werden. Hedge-Fonds und Private-Equity-Firmen, die mehr als 150 Millionen Dollar Kapital zu verantworten haben, müssen sich künftig bei der US-Börsenaufsicht SEC registrieren und Auskunft über ihre Handelsaktivitäten und Portfolios geben. Neue Regeln gibt es auch für die Bezahlung von Top-Managern aller börsennotierter Unternehmen. Aktionäre sollen ein Mitspracherecht über die Gehälter bekommen, das allerdings nicht bindend ist.

Stichwort: Goldman Sachs
Der Chef
AFP
Lloyd Blankfein wurde 1954 in der New Yorker Bronx in einfachen Verhältnissen geboren. Mit Hilfe von Stipendien schaffte er ein Harvard-Studium sowie eine Promotion. Nach einer kurzen Tätigkeit als Steuerrechtsanwalt zog es ihn an die Wall Street. Blankfein war Goldhändler in einer Warenhandelsfirma, die von Goldman Sachs übernommen wurde. Es war der Einstieg durch die Hintertür. 2006 hatte Blankfein sich bis zum Sessel des CEO hochgearbeitet. Blankfein, der als selbstironischer Workaholic mit erheblichem Mut zum Risiko gilt, kassierte 2006 einen Rekordbonus - 53,4 Millionen Dollar. 2009 bekam er immerhin noch neun Millionen Dollar.

Geschichte
Ein Deutscher gründete 1869 die Bank: Marcus Goldman war aus dem fränkischen Trappstadt in die Vereinigten Staaten ausgewandert. In einem Einzimmerbüro begann Goldman, mit Schuldscheinen und Wertpapieren für Rohstoffe zu handeln. Als sein Schwiegersohn Samuel Sachs in die Firma eintrat, erhielt die spätere Großbank ihren Namen.
Bedeutung
Goldman Sachs ist die mit Abstand führende unabhängige Investmentbank weltweit. Mit rund 32.500 Mitarbeitern ist die Bank an allen wichtigen Finanzplätzen der Welt vertreten. Hauptsitz ist New York. Wann immer ein wichtiges Geschäft ansteht, ist Goldman Sachs mit ziemlicher Sicherheit dabei. Die Kontakte des Hauses reichen bis hoch in die Politik. So stand der ehemalige US-Finanzminister Henry Paulson zuvor an der Spitze von Goldman Sachs.
Aktuelle Lage
Goldman Sachs ist fast schadenfrei durch die Finanzkrise gekommen. Schon 2009 konnte Goldman Sachs mit einem Gewinn von 13,39 Milliarden Dollar nahtlos an die Rekordzahlen aus der Vorkrisenzeit anknüpfen.
Kritik an der Bank
Goldman Sachs wurde zum bevorzugten Ziel von Bankenkritikern. Grund sind unter anderem die üppigen Gehälter: Die "Goldmänner", wie sie in der Branche genannt werden, gehören zu den Spitzenverdienern in der Finanzwelt. Im Schnitt kassierte jeder Angestellte im vorigen Jahr eine halbe Million Dollar (385.000 Euro). Blankfein etwa kassierte noch 2009 einen Bonus von neun Millionen Dollar. Medien und Politiker stempelten den Bankchef deshalb zum Prototypen des "gierigen Bankers". Sein Satz, dass er nur ein Banker sei, der Gottes Werk verrichte, passte da ins Bild.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: