Sepa-Überweisungen in der EU: Iban, die Schreckliche

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Sepa-Überweisungsformular: 22 Ziffern für das Chaos

Im Februar startet das neue europäische Zahlungssystem Sepa - mit Kontonummern, die 22 Stellen haben. Die Zweifel, dass die Umstellung reibungslos klappt, wachsen. Die Bankgewerkschaft warnt vor einem Chaos, auch die BaFin sieht Probleme auf die Branche zukommen.

Frankfurt/Bonn - Fünf Monate sind es noch bis zum Start des neuen europäischen Zahlungssystems Sepa. Die Schwierigkeiten waren lange bekannt, doch jetzt wird es langsam knapp. Die Bankengewerkschaft DBV warnt eindringlich vor Problemen bei Überweisungen durch Personalengpässe bei den Banken. "Ohne zusätzliches Personal droht das Chaos", sagte DBV-Vorstand Stephan Szukalski der "Süddeutschen Zeitung". Die Finanzinstitute seien auf die Umstellung auf die neuen europäischen Kontonummern (Iban) nicht ausreichend vorbereitet.

Viele der neuen Belege müssten manuell nachbearbeitet werden, doch schon jetzt seien die entsprechenden Abteilungen in den Banken überlastet. Sollten die Angestellten den zusätzlichen Aufwand nicht abarbeiten können, drohten Verzögerungen bei der Abwicklung von Überweisungen, warnt die Gewerkschaft.

Von Februar an dürfen Kreditinstitute Überweisungen und Lastschriften von Unternehmen und Vereinen nur noch im Sepa-Format mit den internationalen Kontonummern Iban bearbeiten. Die neue Kontonummer ist in Deutschland mit 22 Stellen länger als die bisherige - sie kombiniert die alte Kontonummer mit der Bankleitzahl, dazu kommen ein Länder- und ein Sicherheitscode. Verbraucherschützer sprechen von "Iban, der Schrecklichen". Privatkunden können die Iban bereits verwenden, sie müssen es aber erst ab dem 1. Februar 2016.

BaFin warnt vor Problemen mit Zahlungsdienstleistern

Nach einer Umfrage unter Finanzinstituten sieht auch die Finanzaufsicht BaFin Probleme auf die Branche zukommen: "Die IT-Systeme, die die Zahlungsdienstleister für die Abwicklung des Zahlungsverkehrs nutzen, müssen technisch angepasst werden. Die Zeit, die nach den letzten Abschlussarbeiten bis zur endgültigen Umstellung am 1. Februar 2014 verbleibt, ist nach Ansicht der BaFin sehr knapp", berichteten die Aufseher am Donnerstag.

Die Lage werde dadurch verschärft, dass 93 Prozent der Zahlungsdienstleister bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs externe IT-Dienstleister nutzten: "Die technische Umstellung auf das Sepa-Format liegt daher maßgeblich in deren Händen." Gleichzeitig forderte die BaFin die Branche auf, einzelne Kunden gezielt anzusprechen und zu unterstützen. Den höchsten Informationsbedarf hätten kleinere Unternehmen und Vereine.

Besonders brisant dürfte das Problem in den Banken nach Ansicht der DBV zum Jahreswechsel hin werden. Denn die meisten Unternehmen planten die Umstellung erst kurz vor dem für sie festgelegten Stichtag 1. Februar 2014, so dass der Wechsel in den Banken binnen weniger Tage abgearbeitet werden müsse. Dann könnten die Überweisungen möglicherweise in den Spitzenzeiten nicht rechtzeitig abgewickelt werden. Unternehmen, Vereine und Privatpersonen müssten mit erheblichen Verzögerungen rechnen.

nck/dpa

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insgesamt 194 Beiträge
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1. Endlich genug Konten
rsi 22.08.2013
mit 22 Stellen kann man bis zu 9.999.999.999.999.999.999.999 Konten adressieren. Damit kann jeder EU-Bürger endlich mehr a 10 Millionen Konten bei jeweils 1 Mio verschiedenen Banken haben. Hauptsache, er hat sich die Nummern gut gemerkt und verschreibt sich nicht. Und: Mit Alphanumerischen Zeichen wären das auch noch auf sämtlichen erdenklichen Planeten möglich. Super Idee von der EU, da können wir noch reichlich Sterne mit in die Gemeinschaft aufnehmen, und das auch noch für alle Zeiten.
2. Selbst Schuld
joachim84 22.08.2013
So schwer ist es ja wohl nicht z.B. die Online Banking Systeme dafür fit zu machen. Hier in Belgien läuft das schon seit über einem Jahr problemlos. Bei ING kann man online die belgische Kto immer noch im alten Format eingeben, das System rechnet die dann automatisch in die lange IBAN um. Klar ist es für Papierüberweisungen schwieriger, aber ich vermute der Trend geht doch zu mehr und mehr Onlineüberweisungen. Die Banken hätten schon viel früher mit der langsamen Umstellung/Gewöhnung beginnen können.
3. Wo sind da Probleme?
Benjowi 22.08.2013
Zitat von sysopIm Februar startet das neue europäische Zahlungssystem Sepa - mit Kontonummern, die 22 Stellen haben. Die Zweifel, dass die Umstellung reibungslos klappt, wachsen. Die Bankgewerkschaft warnt vor einem Chaos, auch die BaFin sieht Probleme auf die Branche zukommen. Bankgewerkschaft und Bafin warnen vor Problemen mit Sepa und Iban - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/bankgewerkschaft-und-bafin-warnen-vor-problemen-mit-sepa-und-iban-a-918011.html)
Das Gejammer darüber halte ich für leicht irrational-dass diese Umstellung kommen würde, ist seit Jahren bekannt und die ach so professionellen Banken und ihre Dienstleister hatten weiß Gott Zeit genug für die Umstellung. Das System ist im europäischen Zahlungsverkehr ein echter Fortschritt, wenn sich auch die Vorteile innerhalb Deutschlands in Grenzen halten, denn hierzulande war das Ganze durch Kontonummer und BLZ ziemlich perfektioniert. Allerdings dürfte die Zusammenfassung beider Zahlen plus ein DE und eine Kontrollziffer auch nicht gerade eine nobelpreisverdächtige Intelligenzleistung darstellen und sollte für den berühmten durchschnittlich begabten Mitteleuropäer ohne Probleme machbar sein!
4. Das SEPA-Mandat-Monster
Golwen 22.08.2013
Das Problem sind doch nicht einfach nur neue Nummern, sondern auch, dass die normale Lastschrift, wie wir sie heute kennen, abgeschafft wird. Die Folge wird sein, dass einmalige Zahlungen per Lastschrift nicht mehr angeboten werden und man nur noch entweder gegen Vorkasse oder per Kreditkarte zahlen kann. Wo kann ich Anteile der Kreditkartenfirmen kaufen?
5. Bis zu 31 Stellen
johnbatz 22.08.2013
Zitat von rsimit 22 Stellen kann man bis zu 9.999.999.999.999.999.999.999 Konten adressieren.
Auf Malta kann die IBAN bis zu 31 Stellen lang werden. Es könnte also schlimmer sein.
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