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10. November 2010, 14:35 Uhr

Banksparpläne

Richtig riestern trotz Niedrigzinsen

Die Zinsen verharren auf extrem niedrigem Niveau - trotzdem gelten Riester-Banksparpläne als gute Altersvorsorge. Die Zeitschrift "Finanztest" hat nun 65 Angebote näher untersucht, das Ergebnis: Dank staatlicher Förderung können sich selbst schlechte Verträge lohnen. Die Unterschiede sind jedoch gewaltig.

Auf die richtige Auswahl kommt es an: Je nach Anbieter können Riester-Banksparer am Ende der Laufzeit 10.000 Euro mehr auf dem Konto haben - oder weniger. Diesen gewaltigen Unterschied hat die Zeitschrift "Finanztest" ermittelt. Die Prüfer hatten 65 Verträge mit einer Laufzeit von 25 Jahren untersucht. Dabei stellten sie eine Differenz in der Renditeerwartung von mehr als einem Prozent fest zwischen den besten Sparplänen - zum Beispiel von der Sparkasse Detmold, der Landsparkasse Schenefeld oder der Volksbank Gronau-Ahaus - und den Schlusslichtern. Mit anderen Worten: Vergleichen lohnt sich (siehe Tabelle unten).

Grundsätzlich haben Riester-Banksparpläne große Vorteile. Sie sind flexibel, kostengünstig und leicht zu verstehen. Langfristig stimmen auch die Renditeaussichten der Riester-Banksparpläne. Denn das aktuelle Niedrig-Zinsniveau ist kein Maßstab für die Ewigkeit. Steigen die Zinsen, steigt auch die Verzinsung der Banksparpläne.

Über die Höhe der Erträge eines Sparplans über 15, 25 oder gar 35 Jahre lässt sich deshalb keine Prognose abgeben. Wer weiß schon, wie sich die Zinsen entwickeln? In der Untersuchung von "Finanztest" ist deshalb der Maßstab, wie hoch der Renditeabstand zum Mustervertrag ausfällt. Den Mustervertrag haben die Experten so konstruiert, dass die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen ohne Abzug von Kosten direkt an den Sparer gehen. "Finanztest" hält Sparpläne mit einem Renditeabstand unter 0,5 Prozentpunkten für sehr empfehlenswert, aber auch ein Abstand bis maximal 1,0 Prozentpunkt ist akzeptabel.

Auf den Vergleichszins achten

Allein auf die aktuellen Zinsen für Riester-Banksparpläne zu schielen, hat hinghegen keinen Sinn. Einige Banken bieten zwar eine Zwei vor dem Komma. Ein höherer Anfangszins ist aber nicht gleichbedeutend mit einem besseren Angebot. Entscheidend ist, welcher Vergleichszins hinter dem Sparplan steht. Von ihm hängt dann die Zinsentwicklung des Vertrags ab.

Die meisten Volks- und Raiffeisenbanken ziehen als Vergleichszins die Umlaufrendite heran. Sie fasst das Zinsniveau von Bundeswertpapieren unterschiedlicher Laufzeiten zusammen und wird börsentäglich ermittelt. Zurzeit liegt die Umlaufrendite mit etwa zwei Prozent so niedrig wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik. Riester-Sparer mit solchen Verträgen erhalten deshalb im Moment weit unter zwei Prozent. Sollte die Umlaufrendite wieder steigen, folgt aber auch der Zins der Riester-Sparer schnell.

Zwar ist die gegenwärtige Verzinsung mancher Sparkassen-Sparpläne höher, weil in ihren Vergleichszinsen das höhere Zinsniveau der Vergangenheit nachwirkt. Genauso wird später aber auch das heute niedrige Zinsniveau nachwirken. Wer davon überzeugt ist, dass die Zinsen mittelfristig steigen, ist deshalb mit einem Umlaufrendite-Sparplan besser bedient.

wal

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