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Stiftung Warentest: Welche Fehler beim Bausparen gemacht werden

Millionen Deutsche schließen Bausparverträge ab - viele zu miesen Konditionen. Laut einer Auswertung der Stiftung Warentest sind viele gängige Angebote unnötig teuer und intransparent.

Neubaugrundstück in Köln: Bausparen oft zu teuer Zur Großansicht
DPA

Neubaugrundstück in Köln: Bausparen oft zu teuer

Berlin - Beratungsfehler kosten viele Bausparer laut Stiftung Warentest unnötiges Geld. Nur drei der 20 Bausparkassen in Deutschland erhielten bei einem Test die Note "gut", vier fielen mit "mangelhaft" durch (Hier finden Sie eine Zusammenfassung der Testergebnisse ). In einzelnen Fällen hätten Bausparer bis zu 13.000 Euro zu viel zahlen müssen.

"Finanztest"-Chefredakteur Heinz Landwehr sagte bei der Präsentation des Tests, dass die Bausparkassen heute zwar besser als früher berieten. Allerdings gebe es noch viel Verbesserungsbedarf bei den Bauspar-Angeboten, die wegen der niedrigen Zinsen beliebt sind.

Jeweils sechs bis sieben Tester hatten bei 20 Anbietern Angebote eingeholt. Die Testkunden hatten folgende Eigenschaften: Sie waren ledig, verdienten 2200 Euro Netto im Monat und hatten 15.000 Euro angespart. Sie gaben bei den Gesprächen an, sie wollten in zehn Jahren eine Immobilie finanzieren und dafür monatlich 400 Euro sparen.

Die größten Fehler der Berater:

  • Bausparsumme zu hoch: Viele Berater hätten laut "Finanztest" Verträge mit zu hohen Bausparsummen verkaufen wollen. Der Kunde hätte mit seiner monatlichen Sparsumme von 400 Euro viel länger gebraucht als die geplanten zehn Jahre, um die Auszahlung zu erreichen. Der Zugriff auf das Darlehen hätte sich bei einigen Anbietern um bis zu fünf Jahre verzögert.

  • Zu hohes Guthaben: Bei einigen Angeboten hätte die am Ende der Sparzeit eingezahlte Summe die zur Auszahlung benötigte Menge (40 Prozent der Sparsumme) deutlich überschritten. Das schadet doppelt: Einerseits hat der Anleger unnötig viel Geld zu niedrigen Zinsen gebunden, zudem verringert sich sein zinsgünstiger Darlehensanspruch.

  • Zu hohe Raten: Manche Testkunden hätten für die Rückzahlung ihrer Kredite nur acht bis elf Jahre Zeit gehabt - die nötigen Darlehensraten wären dadurch höher gewesen als bei einem normalen Immobiliendarlehen einer Bank. Bei einem Testkunden hätte diese Rate sogar 70 Prozent seines Nettoeinkommens betragen.

  • Mangelnde Transparenz: Schmierzettel, keine Spar- und Tilgungspläne, Schweigen über Gebühren - Detailfragen und nachvollziehbare Unterlagen fehlten bei einigen Anbietern. "Darüber reden wir, wenn es soweit ist", sei nach Angaben der Tester eine typische Antwort gewesen. Die Anbieter machten es den Kunden so unmöglich, das Angebot mit der Konkurrenz zu vergleichen. Manche Anbieter unterschlugen gar die Abschlussgebühr von einem Prozent der Bausparsumme.

"Finanztest"-Chef Landwehr warnt: Der Bausparvertrag müsse genau auf den Kunden abgestimmt sein, sonst fliege ihm seine Immobilienfinanzierung um die Ohren. Die Stiftung vermutet, dass ein Teil der Berater den Kunden bewusst überdimensionierte Verträge andrehe. Diese lohnten sich wegen der anteiligen Abschlussgebühr mehr, sagte Landwehr: "Berater sind eben auch Verkäufer."

Die Bausparkassen kündigten an, möglichen Versäumnissen auf den Grund zu gehen. In einzelnen Beratungen seien offenbar Fehler gemacht worden, hieß es in einer Stellungnahme des Verbands der Privaten Bausparkassen. "Dies gilt es jetzt genauer zu analysieren", sagte Verbandssprecher Alexander Nothaft.

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ssu/bka/dpa

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1.
immigrationshintergrund 20.01.2015
Wir bewegen uns in Richtung Abgrund! Viel Glück uns allen. Hoch lebe die soziale Marktwirtschaft
2.
ruediger 20.01.2015
Wenn die Beratungsleistung anderer kritisieren will, sollte man selber aber auch zumindest eine einfache Plausibilitätskontrolle über den eigenen Artikel machen. Bei einer monatlichen Sparleistung von 400 EUR, kommen auch ohne Zinsen in 10 Jahren 48.000 EUR (12*400*10) zusammen. Wie kann man dann über ein zu hohes Guthaben von 6000 EUR klagen?
3.
kulfon 20.01.2015
Verband der Bausparkassen?! Wahrscheinlich 40 Vorstände und hunderte Funktionäre. Da geht das ganze abgezockte Geld dann hin. Voila.
4. Den Bausparversicherungen ...
brotherandrew 20.01.2015
... geht die Düse, weil sie die Guthabenszinsen für ältere Verträge nicht mehr erwirtschaften können. Deswegen wird zum Einen versucht, die Kunden dazu zu überreden, doch einen neuen Vertrag abzuschließen und den alten dafür aufzulösen. So wurde meiner gerade 18 Jahre alt gewordenen Tochter "angeboten", den erst vor ca. einem Jahr zu sehr günstigen Konditionen (Lockangebot für Jugendliche mit Erlaß der Abschlußgebühr unter bestimmten Voraussetzungen und ordentlicher Guthabensverzinsung) abgeschlossenen Bausparvertrag mit einer Bausparsumme von € 10.000 zu ersetzen durch einen Bausparer über 100.000 €, wobei als Clou der größte Teil der schon geleisteten Einzahlungen für die Abschlußprämie von € 1.000 angefallen wären. Wovon sie den neuen Bausparvertrag, der selbstredend auch wesentlich geringere Guthabenszinsen aufweist, bezahlen sollte, war der Beraterin der LBS Bayern egal. So was ist schlicht kriminell. Die Frau Beraterin hatte nur das Glück, daß ich an der Teilnahme an diesem Beratungsgespräch verhindert war. Zum Anderen wird eben versucht, durch den Neuabschluß von Verträgen mit sehr hohen Bausparsummen und praktisch Nullzinsen, die erklecklichen Abschlußgebühren zu realisieren und gleichzeitig die Kunden damit sehr langfristig ohne Risiko zu binden.
5. Herdentrieb
Hartmut Schwensen 20.01.2015
Solange die insbesondere deutsche Bevölkerung immer wieder den neuesten Sau, die durchs Dorf getrieben wird, folgt, wird sich die Geschichte wiederholen. Ziel von Kapitalanlage ist eine möglichst hohe Rendite, bei geringen Kosten und bei kalkulierbarer Sicherheit. Bei Bausparverträgen sind schon zwei von drei Punkten nicht gegeben. Ich gehe weiterhin gerne zur Sparkasse, um mich beraten zu lassen. Spätestens dann weiß ich, wovon ich garantiert die Finger lasse. Auf die Schiffsbeteiligungen, Immobilien im Osten, geschlossenen Fonds, Lehmann-Zertifikate und jetzt wieder Immobilien habe ich dankend verzichtet.
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