Energiepreis-Monitor Autofahrer zahlen trotz fallender Ölpreise drauf

Die Ölpreise fallen rapide, die Spritpreise in Deutschland steigen trotzdem. Erstmals seit Monaten mussten die Deutschen im September mehr Geld für ihren Energieverbrauch ausgeben. Das zeigt ein neuer Index, der SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Autofahrer: Kostenschub trotz fallender Ölpreise
DPA

Autofahrer: Kostenschub trotz fallender Ölpreise

Von (Text) und Christina Elmer (Grafiken) 


Hamburg - Das Barrel Öl (159 Liter) Chart zeigen hat sich binnen weniger Monate um fast 20 Dollar verbilligt - doch die deutschen Autofahrer haben davon nichts. Im Gegenteil: Die Preise für Superbenzin sind im September im Vergleich zum Vormonat um 0,5 Prozent gestiegen, die für Kraft- sowie Schmierstoffe um 0,4 Prozent. Das geht aus dem Energiepreis-Monitor hervor, den die European Climate Foundation ab sofort jeden Monat für Deutschlands Verbraucher erstellt und der SPIEGEL ONLINE vorab vorliegt.

Auch insgesamt mussten die Deutschen demnach im September 0,1 Prozent mehr Geld für Strom, Heizung, Benzin und andere Energiekosten zahlen als noch im August. Dank früherer Rückgänge liegen die Kosten insgesamt allerdings noch immer 2,2 Prozent unter dem Niveau vom Vorjahr.

In den vergangenen Monaten waren die Energiepreise teils deutlich gesunken - eine Folge der zunehmenden Sorge vor einem Konjunktureinbruch in den industrialisierten Ländern. Diese Sorge war durch die internationalen Krisen um die Ukraine und im Nahen Osten zuletzt verstärkt worden. Vor allem der Ölpreis war in der Folge stark gesunken.

Angesichts der jüngsten Abwertung des Euro Chart zeigen stiegen allerdings auch die Importpreise für Rohstoffe. In Euro gerechnet fielen die deutschen Verbraucherpreise für Energierohstoffe daher lediglich um 1,2 Prozent, dieser Wert wäre höher ausgefallen, wenn der Euro nicht so schwächeln würde wie derzeit. Doch selbst dieser 1,2-prozentige Rückgang kam an den deutschen Tankstellen nicht an. Ein Teil des Anstiegs sei "nur so zu erklären, dass fallende Rohstoffpreise hierzulande nicht eins zu eins an die Verbraucher weitergegeben wurden", schreibt Thomas Fricke, Chefökonom der European Climate Foundation.

Die Strompreise, die rund 25 Prozent der durchschnittlichen Energierechnung ausmachen, blieben weitgehend unverändert. Die Kosten für Gas, Zentralheizung und Fernwärme verbilligten sich jeweils um knapp 0,1 Prozent. Beim Heizöl gab es im September einen leichten Preisanstieg von 0,1 Prozent. Die Preise für Superbenzin stiegen um 0,5 Prozent, für Kraft- sowie Schmierstoffe insgesamt um 0,4 Prozent im Vergleich zum August.

Trotz des jüngsten Wiederanstiegs wirken die Energiepreise in der Tendenz nach wie vor dämpfend auf die Gesamtteuerung in Deutschland. Die Jahresinflation lag im September bei nur noch 0,8 Prozent - und damit 0,3 Prozentpunkte niedriger, als es ohne den Rückgang der Energiepreise in den vergangenen Monaten der Fall gewesen wäre.

Im Vergleich zu anderen großen EU-Ländern steht Deutschland mit dem leichten Anstieg der Energiepreise im September schlecht da. In Frankreich und Italien fielen die Energiepreise im September. Ähnliches gilt für Großbritannien.

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insgesamt 60 Beiträge
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Seite 1
Bundeskanzler20XX 20.10.2014
1. Darf nicht sein!
Wo kämen wir denn auch hin wenn hier zulande fossile Energieträger billiger werden...Das würde ja völlig gegen den Ökowahn sprechen. Die netten Ölkonzerne haben bestimmt ihre Löhne der MA erhöht und senken deshalb nicht die Preise ;o) Daneben würde ich gerne mal einen Solidaritätsstreik bei den privatisierten Stromkonzernen sehen die damit den Lokführern unter die arme greifen könnten. Ohne Strom fährt ja auch keine Bahn ;o)
Oetzmann 20.10.2014
2. September? Oktober!
Angesichts von Dieselpreisen von bis zu 1,20€ finde ich, dass das gerade Meckern auf ganz hohem Niveau ist... Es mag sein, dass im September der Spritpreis hoch war, dafür ist er im Oktober deutlich gesunken (und auch im Oktober dürfte der Diesel-Schnitt bei rund 1,30 gelegen haben... der war auch schonmal bei 1,45).
stranzjoseffrauss 20.10.2014
3. Spritpreise in USA
in Missouri 0.58 Eurocent pro Liter. Da wundert einen nichts mehr. Wird das mit TTIP angeglichen?
kdshp 20.10.2014
4.
Und ich schaue täglich wo ich am günstigsten tanken kann. Ich dachte so sollte der wettbewerb gefördert werden und die preise sinken?
Christoph L 20.10.2014
5.
Einfach mal den Preisverlauf von Rohöl und Benzinpreis in Deutschland übereinanderlegen: 2008 war der Ölpreis WEIT über dem jetzigen Stand und der Benzinpreis ist heute gleich bis höher. Es gab in dieser Zeit KEINE Steuererhöhungen oder sonstiges: -> Ölkonzerne schlagen ordentlich drauf. Wer jetzt verlangt die Steuern zu senken der schenkt den Ölkonzernen das Geld, was eigentlich als Steuern dem Staat - und bei allem Missmanagement - uns zugute kommt. Wer was anderes behauptet gehört zur Öl-Lobby. Öl: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a9/Crude_oil_prices_in_dollar_and_euro.png Benzin: http://1.bp.blogspot.com/-NvsVzi5uH70/UG_k-Dvzn9I/AAAAAAAAC5Q/y-YlNOOyyuU/s640/benzinpreis+entwicklung+seit+1990+adac+hotnewsblog.png
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