Studie Synthetische Kraftstoffe könnten 2050 wettbewerbsfähig sein

Die Abgase von Diesel- und Benzinmotoren verpesten die Umwelt. Synthetische Kraftstoffe könnten eine Lösung sein. Einer Studie zufolge wäre ein Einsatz zu wettbewerbsfähigen Preisen bis 2050 möglich.

Synthetische Kraftstoffproduktion
REUTERS

Synthetische Kraftstoffproduktion


Will Deutschland seine Klimaziele erreichen, dürfen flüssige Antriebsstoffe wie Benzin, Diesel und Kerosin langfristig nicht mehr aus Erdöl bestehen. Synthetische Kraftstoffe könnten bis 2050 wettbewerbsfähig sein. Das geht aus einer Studie der Prognos AG hervor, die im Auftrag der Verbände der Mineralölwirtschaft erstellt wurde.

Laut der Studie ist es möglich, durch E-Fuels - also fast treibhausgasneutrale synthetische Kraft- und Brennstoffe - sowohl den künftigen Bedarf an flüssigen Energieträgern zu wettbewerbsfähigen Preisen zu decken, als auch die gesetzten Klimaziele zu erreichen.

Möglich machen sollen dies synthetische Verfahren, bei denen aus Strom, Wasser und Kohlenstoff flüssige Energieträger hergestellt werden ("Power-to-Liquid") - ohne Rohöl als Ausgangsstoff zu benutzen. Der benötigte Kohlenstoff kann aus der Luft oder aus Bio-Reststoffen extrahiert werden, Strom sollte aus erneuerbaren Quellen stammen. E-Fuels können genauso verarbeitet, gespeichert, transportiert und verwendet werden wie heutige flüssige Energieträger.

E-Fuels
IWO/IWO Institut für Wärme und Oeltechnik

E-Fuels

Um das Szenario in die Realität umzusetzen, müssten Politik und Wirtschaft allerdings schon jetzt anfangen, die nötigen Rahmenbedingungen für die Umstellung zu schaffen. "Voraussetzung ist ein großindustrieller Einstieg in die Technologie", sagt Jens Hobohm von Prognos.

Flüssige Kraftstoffe machen in Deutschland rund 98 Prozent der Antriebsenergie im Verkehrssektor aus und sorgen für mehr als 20 Prozent der Heizenergie. Zudem deckt die chemische Industrie rund drei Viertel ihres organischen Rohstoffbedarfs mit Mineralöl. "Verbraucher und wichtige Wirtschaftsbereiche werden auch künftig flüssige Energieträger benötigen", sagte Hobohm.

Hoher Stromverbrauch

Aus heutiger Sicht könnten die synthetischen Kraftstoffe zu Kosten zwischen 70 Cent und 1,30 Euro je Liter erzeugt werden - je nach Rahmenbedingungen. Bis 2050 müssten aber rund 60 Millionen Tonnen klassischer Raffinerieprodukte durch die klimafreundlicheren Alternativen ersetzt werden, ergeben die Berechnungen der Studie. Bislang seien jedoch nur kleinere Anlagen mit Jahreskapazitäten von 10.000 Tonnen geplant, die bis 2020 fertig werden sollen.

Es sei enorm viel Strom aus erneuerbaren Quellen notwendig, um die benötigten Mengen flüssiger Kraftstoffe bereitzustellen. Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), nimmt an, dass die Produkte in wind- und sonnenreichen Ländern produziert und anschließend in die Verbrauchsländer exportiert werden.

ire/dpa

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frenchie3 07.06.2018
1. Na also
Kabel vom Nordseewindpark an die Küste und los gehts. Vorzugsweise in schon existierenden Raffinerien und Ölhäfen
misterknowitall2 07.06.2018
2. Sehr gut.
Na super. Wenn Voraussetzung ist, dass die Regierung jetzt was tut, ist das schon gescheitert. Ich erinnere noch mal daran, die jetzige Regierung ist keine Ausgeburt von Aktionismus. Zur Sache: Super, das muss nur schneller gehen. bis 2050 können wir nicht warten. Ansonsten hoffe ich, dass man jetzt von dieser unseeligen E-Auto- Diskussion runterkommt und sich Lösungen mit Zukunft zuwendet.
hansulrich47 07.06.2018
3. Schöner Traum!
Das ist etwa dann "wettbewerbsfähig", wenn Windräder Strom für ca 1 c/kWh liefern können. Das klappt sicher bald! Es ist schon irre, wie "Lösungen" postuliert werden, ohne über die wahren Kosten auch nur ein Wort zu verlieren!
toll_er 07.06.2018
4. Sand in die Augen
Alle schreien HURRA und merken nicht, wie einem da Sand in die Augen gestreut wird. 2050! Eine Studie! Von der Mineralölwirtschaft in Auftrag gegeben! Mit enorm hohem Stromaufwand überhaupt zu produzieren. Leute... lasst euch nicht für dumm verkaufen. in 30 Jahren! gibt es nicht mehr den Bedarf an flüssigen Brennstoffen. Und wo der Bedarf schrumpft, sind kleine Preise mehr zu erzielen. Womit auch Lieschen Müller klar sein dürfte: Das ist nur ein bunter Luftballon mit heißer Luft.
uezegei 07.06.2018
5. da mag man nicht begreifen warum dann E-Autos ....
Da mag man nicht so recht begreifen, warum dann mit aller Gewalt E-Autos mit allen Problemen (Batterien und deren Rohstoffverbrauch) vorangetrieben werden, wenn man flüssige Brennstoffe "bald" billig herstellen kann. Bei der Tatkraft der deutschen Industrie und unserer Kanzlerin, die nichts voran bringt, was wirklich wichtig wäre und komplett in den Schwierigkeiten der von ihr zu verantwortenden euorpäischen Krise und der Flüchtlingslkrise gefangen ist, wird aber Deutschland auch diesen Trend komplett verpennen. Ist auch gut so, denn Bayern wäre dann plötzlich das Schlusslicht in der deutschen Energieverwertungskette. Wind ist an der Küste und Bayern hat bisher noch jeden ökologischen Trend verschlafen, ausser den, man hätte damit ganz populistisch ein paar Prozente zum Machterhalt der Altherrenriege der CSU gewinnen können. Wird sich dann wohl schon bald rächen, dass die Kreuzritter das Verlegen von Stromleitungen in den Süden lange Zeit so erfolgreich verhindert haben.
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