SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

19. Januar 2013, 10:34 Uhr

BER-Desaster

Ausschuss-Chef rechnet mit Platzeck ab

Ministerpräsident Platzeck ist keine drei Tage Chefaufseher des Hauptstadtflughafens und steht bereits unter Beschuss: Wegen des Debakels um den Bau fordert der Vorsitzende des Verkehrsausschusses Platzecks Rücktritt von der Spitze des Aufsichtsrats - und nicht nur seinen.

Berlin - Anton Hofreiter, Chef des Verkehrsausschusses im Bundestag, findet für seine Kritik deutliche Worte: "Ich zweifele daran, dass Platzeck es besser macht. Denn er hat alle Fehlentscheidungen als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats mitgetragen", sagte der Grünen-Politiker und forderte den brandenburgischen Ministerpräsidenten zum Rückzug von der Spitze des Aufsichtsrats auf.

Platzeck war Vize im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft hinter Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (beide SPD). Wowereit hatte sich nach der abermaligen Verschiebung des Eröffnungstermins von der Spitze des Gremiums verabschiedet und den Posten mit Platzeck getauscht.

Hofreiter forderte den Großteil der Mitglieder des Kontrollgremiums auf, nun ihren Hut zu nehmen. "Es ist ein großer Skandal, dass sie in der Besetzung weitermachen", sagte der aus München stammende Hofreiter. "Nach all dem, was sich dieser Aufsichtsrat geleistet hat, braucht es einen umfangreichen Austausch von Personal." Hofreiter reiht sich mit seiner Kritik hinter Herbert Frankenhauser (CSU) und Wolfgang Schäuble (CDU) ein, die Platzeck bereits als Flughafen-Kontrolleur abgelehnt hatten.

Unklar, wann das erste Flugzeug abhebt

Neben der extremen Schlamperei von Baufirmen und kaum interner Kommunikation sei für die peinlichen Pannen vor allem der Aufsichtsrat verantwortlich, sagte Hofreiter. Alle Mitglieder seien durch Kontrollberichte über Probleme informiert gewesen. "Wenn man sich die Protokolle der Sitzung vom April 2012 anschaut, haben sie sich aber mehr darüber unterhalten, wie das Eröffnungsfest aussehen soll und wer neben der Kanzlerin sitzen darf - und nicht darüber, dass die Entrauchungsanlage noch immer nicht verkabelt ist."

Wenig später begingen sie laut Hofreiter den nächsten großen Fehler: "Am 16. Mai haben sie dann beschlossen, die ganzen Architekten und Planer rauszuschmeißen. Damit ging fast das gesamte planerische Wissen über den Flughafen verloren und seit einem Dreivierteljahr passiert de facto fast nichts auf der Baustelle."

Die Opposition hatte der Koalition nach einer geplatzten Sondersitzung vorgeworfen, Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) praktisch den Mund verboten zu haben.

Die für Ende Oktober vorgesehene Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER war vor knapp zwei Wochen bereits zum vierten Mal verschoben worden. Bislang ist unklar, wann die ersten Flieger abheben sollen.

jjc/dapd

URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH