Berlin - In Deutschland fehlen erschwingliche Wohnungen. Vor allem in Ballungszentren steigen die Preise für Immobilien. Die Folge seien auch regionale Wohnungsengpässe, schreibt die Bundesregierung in ihrem aktuellen Immobilienbericht. Davon seien immer mehr Haushalte betroffen, insbesondere auch Familien mit Kindern. "Aktuell zeichnen sich in einer zunehmenden Zahl von Städten und Regionen lange Zeit nicht mehr bekannte Wohnungsmarktengpässe ab", heißt es in dem Bericht.
Die Mietsteigerungen lagen laut dem Bericht im vergangenen Jahr bundesweit durchschnittlich bei rund drei Prozent. Die höchsten Zuwächse gab es im Vergleich zum Vorjahr in Greifswald (plus 10,4 Prozent), Bremen (plus 8,8 Prozent), Freiburg im Breisgau (plus 8,1 Prozent), Hamburg (plus 7,5 Prozent) und Berlin (plus 7,4 Prozent). "Neben der gewachsenen Nachfrage nach Immobilien insgesamt ist eine der wesentlichen Ursachen, dass über Jahre zu wenig gebaut wurde", hieß es zu den Preissteigerungen.
2010 betrug die Nettokaltmiete für eine Mietwohnung in Deutschland im Durchschnitt 376 Euro im Monat oder 5,43 Euro je Quadratmeter. Im Schnitt investieren private Haushalte demnach ein Drittel ihrer Konsumausgaben für Wohnen und Energie.
Mieterbund wirft Regierung Untätigkeit vor
Bauminister Peter Ramsauer sieht trotz der Engpässe aber keine Wohnungsnot in Deutschland. "Niemand muss in menschenunwürdigen Unterkünften hausen", sagte er und verwies auf das Wohngeld und die Kosten der Unterkunft im Rahmen der Grundsicherung. Beides zusammen mache 17 Milliarden Euro aus. Zudem überweise der Bund jährlich 518 Millionen Euro an die Länder für soziale Wohnraumförderung.
Der Mieterbund warf der Regierung vor, sie habe bisher nichts gegen den Wohnungsmangel und die steigenden Kosten unternommen. Stattdessen habe sie im vergangenen Jahr das Wohngeld für die einkommensschwächsten Haushalte gekürzt und die öffentliche Förderung für altersgerechte Umbauten eingestellt. Nötig seien neue Regelungen für Mieterhöhungen insbesondere nach einer energetischen Gebäudesanierung und zur Begrenzung von Neuvertragsmieten.
Auch der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen sieht Handlungsbedarf. In einigen Ballungsgebieten gebe es schon jetzt zu wenig Wohnungen, um auch sozial schwächer gestellte Menschen ausreichend versorgen zu können, erklärte Verbandschef Axel Gedaschko. "Daher müssen einerseits die Bundesmittel für die Wohnraumförderung weiterhin auf hohem Niveau fließen." Gleichzeitig müssten aber auch die Länder, die für diese Aufgabe die Hauptverantwortung trügen, diese zusätzlichen Bundesmittel zweckgebunden einsetzen und ausreichend eigene Mittel bereitstellen.
"Das Umsteuern braucht seine Zeit"
Ramsauer setzt darauf, dass sich die Situation angesichts des gestiegenen Wohnungsbaus langfristig entspannt. "Der Anstieg der Baugenehmigungen um 22 Prozent und der Baufertigstellungen um 15 Prozent im Jahr 2011 werden die Situation auf dem Wohnungsmarkt verbessern", sagte er und fügte hinzu: "Die Immobilienwirtschaft ist wie ein Tanker - das Umsteuern braucht seine Zeit, bis es wirkt." Das Ministerium geht davon aus, dass zwischen 2010 bis 2025 jährlich rund 183.000 neue Wohnungen gebraucht werden. Demnach wurden im vergangenen Jahr exakt so viele Wohnungen fertiggestellt.
Auch bei Kauf-Immobilien gibt es bei Neubauten deutliche Preisanstiege. In Berlin, Hamburg, München, Frankfurt am Main und Düsseldorf gab es laut dem Bericht Steigerungen von sieben bis neun Prozent.
Obwohl die Immobilien- und Mietpreissteigerungen in Deutschland über der Inflationsrate liegen, sieht Ramsauer keine Anzeichen für eine Blase. "Wenn nach zehn bis 15 Jahren gleichbleibenden Niveaus die Preise jetzt anziehen, ist das eine gesunde Entwicklung", sagte der CSU-Minister.
Die Regierung sieht vor allem die Sorge vor Inflation und Euro-Krise als Grund, dass viele Anleger sich in Immobilien flüchten. Der Bericht verzeichnet auch eine steigende Eigenheimquote. Demnach ist der Anteil der Wohnungen, die der Eigentümer selbst bewohnt, seit 2009 von 43 auf 46 Prozent gestiegen.
Während die durchschnittliche Fläche einer Eigentümerwohnung innerhalb von vier Jahren um fast einen Quadratmeter auf 118,6 Quadratmeter stieg, sank die durchschnittliche Wohnfläche einer Mietwohnung im gleichen Zeitraum um 0,7 auf 69,9 Quadratmeter.
mmq/dpa/dapd
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