Berliner Pannenprojekt Flughafen BER könnte schnell an Grenzen stoßen

Irgendwann wird der Flughafen BER öffnen - aber kann er den dann zu erwartenden Ansturm der Passagiere überhaupt bewältigen? Selbst die Betreiberfirma ist sich da nach SPIEGEL-Informationen nicht sicher.

Terminalgebäude des BER
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Terminalgebäude des BER

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Noch zweifeln zwar viele in Berlin daran, dass es jemals so weit sein wird: Doch nach internen Planungen soll der Flughafen BER im Südosten der Stadt offenbar Ende des Jahres 2019 den Flugbetrieb aufnehmen. Kurze Zeit später schließt der alte Flughafen in Tegel, so ist es gesetzlich festgeschrieben. In einer Volksabstimmung am 24. September können die Berliner dagegen stimmen. Doch nach SPIEGEL-Informationen könnte auch ohne das Votum Tegel noch länger offen bleiben, weil die Kapazitäten des BER nicht ausreichen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Heft 38/2017
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Denn die Prognosen der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg stehen auf wackligen Füßen. Das räumt das Unternehmen intern sogar selber ein. Der Airport ist für jährlich 22 Millionen Passagiere geplant, wird aber schon bei seiner Eröffnung 27 Millionen Passagiere pro Jahr abfertigen müssen. Dies sei durch "Lerneffekte" und "Optimierungsmaßnahmen" angeblich möglich. So steht es im vertraulichen Bericht, der den Eigentümern am 16. August vorgelegt wurde. Höhere Fluggastzahlen erforderten jedoch eine "erhöhte Stabilität von Prozessen" am Flughafen, steht in der Präsentation, in die der SPIEGEL Einsicht nehmen konnte. (Lesen Sie hier, wie aus dem Großprojekt ein Debakel wurde.)

Doch genau diese Stabilität kann der BER vermutlich nicht bieten. Der Flughafen, so ist in dem Bericht aufgeführt, hat ein im Vergleich zu anderen Airports wie München ungünstiges Verhältnis von Fläche zu Passagieraufkommen. So fehlt es an Abfertigungspositionen für Flugzeuge, was zu einem Problem werden kann, wenn etwa eine Maschine liegen bleibt. In Fällen wie diesen seien "operative Prozesse nicht mehr stabil umsetzbar", schreiben die Flughafenbetreiber. Es drohen etwa Verspätungen.

Das Durcheinander auf dem Flugfeld könnte ab dem Jahre 2022 noch zunehmen. Denn dann soll mitten auf dem Flughafengelände ein neuer Terminal gebaut werden, um mindestens weitere zwölf Millionen Passagiere bewältigen zu können. "Durch das schnelle Wachstum wird es immer schwieriger, die notwendigen Kapazitäten zur Verfügung zu stellen", heißt es im Bericht.

Das Bundesverkehrsministerium unterstützt offiziell die Pläne zur Schließung von Tegel. Doch offensichtlich wächst unter den Beamten die Skepsis, ob nach der BER-Eröffnung auf den Airport Tegel verzichtet werden kann: "Die Betreiber glauben an ihre eigenen Pläne nicht", heißt es im Ministerium. Die Flughafenbetreiber sowie die Berliner Landesregierung kämpfen gegen den Weiterbetrieb von Tegel. Dagegen führen sie nicht nur rechtliche Bedenken an. Auch wären Milliardeninvestitionen in die maroden Gebäuden sowie in den Lärmschutz der Anwohner nötig.

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