Berufsunfähigkeit So versichern Sie sich richtig

Viele Arbeiter und Angestellte werden berufsunfähig, aber nur wenige versichern sich für den Fall der Fälle. Das hat auch mit den Anbietern zu tun: Die Verträge sind vielfach kompliziert, und oft bekommen Betroffene bei Bedarf kein Geld. Die wichtigsten Tipps für einen Anti-Ärger-Tarif.

Fensterputzer in Düsseldorf: Einer der gefährlichsten Berufe der Welt
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Fensterputzer in Düsseldorf: Einer der gefährlichsten Berufe der Welt

Von Karen Schmidt


Hamburg - Schlicht, direkt und ernüchternd fällt die Antwort jedes fünften Deutschen auf die Frage aus, wie viel er für eine Berufsunfähigkeitsversicherung ausgeben würde. Sie lautet: "Nichts."

Ein weiteres Fünftel wäre bereit, zehn Euro im Monat zu investieren, 26 Prozent könnten sich bis zu 25 Euro monatlich vorstellen. Umgekehrt heißt das, dass nur bei 35 Prozent eine Ausgabebereitschaft erkennbar ist, die zumindest annähernd für einen effektiven Schutz im Fall der Berufsunfähigkeit (BU) reichen würde.

Das zeigt eine Studie der Continentale. Der Dortmunder Versicherer hat jüngst 936 berufstätige Deutsche zu ihrer Einschätzung zum Thema befragt. Der Grund für das offensichtliche Desinteresse: Nur 13 Prozent sehen für sich persönlich das Risiko, berufsunfähig zu werden.

Laut Statistik der Deutschen Rentenversicherung Bund wird aber jeder fünfte Angestellte und jeder dritte Arbeiter im Lauf seines Arbeitslebens berufsunfähig. Deshalb gehört die BU-Police auch zu den Versicherungen, die jeder arbeitende Mensch haben sollte.

Wer etwa mit 45 Jahren nicht mehr arbeiten kann, verliert bis zu seiner Rente mit 67 bei einem monatlichen Nettoeinkommen von rund 2000 Euro mehr als 500.000 Euro. Das muss erst einmal ausgeglichen werden - und der Staat tut das in den meisten Fällen nur noch sporadisch.

Versicherer haben schlechten Ruf

Sparen bringt die Berufstätigen nur bedingt weiter, eine Unfallversicherung ebenso. Denn Unfälle verursachen nur in rund fünf Prozent der Fälle ein Aus für den Beruf. Trotzdem glauben rund 65 Prozent der Berufstätigen, mit einer Unfallpolice gut vorgesorgt zu haben.

"Es herrscht offenbar das falsche Bild vor, dass Berufsunfähigkeit durch physische Belastung oder Unfälle verursacht wird", sagt Continentale-Vorstand Michael Fauser. "Das führt dazu, dass das persönliche Risiko unterschätzt wird: Wer nicht körperlich arbeitet, sondern am Schreibtisch sitzt, der macht sich keine Sorgen."

Neben der Uninformiertheit ist ein Grund dafür, dass sich erst rund 25 Prozent für eine BU-Versicherung entschieden haben, wohl ihr Preis. Ein 35 Jahre alter Büroangestellter müsste für einen Spitzentarif mit 2000 Euro BU-Rente mindestens 96 Euro im Monat zahlen. Einen gleichaltrigen Tischler kostet der Schutz bei einer Rente von 1500 Euro gut 170 Euro.

Hinzu kommt, dass die Versicherer nicht gerade den besten Ruf genießen, was ihre Zahlungswilligkeit angeht. Immerhin 60 Prozent der von Continentale Befragten fürchten nach eigenen Angaben, die Versicherung zahle ja sowieso nicht.

Ganz unbegründet ist die Sorge nicht. Immer wieder streiten sich Versicherer und Kunden vor Gericht über die Zahlung der BU-Rente. Der Hamburger Assekuranzmakler Wolfgang Bruger führt das vor allem auf die Versicherungsbedingungen und den Vermittlungsakt zurück. "Die Nichtleistung kann im Bedingungswerk der gewählten Gesellschaft begründet sein", so der Partner des Maklerpools Argentos. "Es liegt bedingungsgemäß also einfach keine BU vor."

Harter Wettbewerb

Die Versicherungsbedingungen von BU-Policen sind in der Tat kompliziert. Aber nur wer sie gründlich liest, weiß, was er im Ernstfall vom Versicherer erwarten kann. Das Analysehaus Morgen & Morgen hat für "Das Investment" BU-Tarife verschiedener Anbieter für zwei Beispielfälle untersucht.

Dabei zeigt sich: Viele Versicherer liefern "sehr gute" oder "ausgezeichnete" Bedingungen. "Der Bedingungswettbewerb im BU-Geschäft ist ausgereizt. Heute profitieren Kunden beim Abschluss durch Top-Bedingungen", sagt Martin Zsohar, Geschäftsführer bei Morgen & Morgen.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei den Antragsfragen ab. Sie sollen den Gesundheitszustand und das Risiko des Kunden abklopfen und sollten einfach und eindeutig sein. Trotzdem muss der Versicherer in der Lage sein, das Risiko einzuschätzen. Das erfüllen Top-Versicherer inzwischen.

Diese Fragen richtig zu beantworten, ist für Makler Wolfgang Bruger ein wichtiger Teil des Vermittlungsakts und der zweite Hauptpunkt, weswegen es desöfteren zum Knatsch zwischen Anbieter und Kunde kommt. Bruger sagt: "Hier sollte der Kunde weder auf beschwichtigende Ausführungen von Vermittlern hören, noch sollte er der Versuchung erliegen, unkorrekte Antworten zu geben." Und weiter: "Das stellt im Fall des Falles eine vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung dar und kann zu einer geringeren oder eben gar keiner Leistung führen."

Wie oft der Versicherer leistet, drückt sich beim Test von Morgen & Morgen im Teil-Rating BU-Kompetenz aus. Die Analysten setzen die anerkannten Leistungsfälle ins Verhältnis zu den beantragten. Eine hohe Leistungsquote besagt also, dass der Kunde im Ernstfall seine Leistung bekommt.

Neben der schnellen Leistungsprüfung und Zahlung gehört für das Analysehaus auch ein guter Service zu den entscheidenden Kriterien im Bereich Kompetenz. "Mit einer guten Erreichbarkeit oder etwa der Unterstützung bei Wiedereingliederung ins Berufsleben können sich Versicherer von der Konkurrenz abheben", sagt Zsohar. "Denn der Wettbewerb in der BU entscheidet sich heutzutage über Preis und Service."



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retourenpaket 18.09.2011
1. Hinweis Werbung vergessen
Und wieder das alljährliche Anheizen der Bevölkerung mehr Versicherungen abzuschließen und mehr und mehr Kapital aus der Wirtschaft abzuziehen und in windigen kapitalvernichtenden Fonds unterzubringen. 1. "Laut Statistik der Deutschen Rentenversicherung Bund wird aber jeder fünfte Angestellte und jeder dritte Arbeiter im Lauf seines Arbeitslebens berufsunfähig." 2. "Wer etwa mit 45 Jahren nicht mehr arbeiten kann, verliert bis zu seiner Rente mit 67 bei einem monatlichen Nettoeinkommen von rund 2000 Euro mehr als 500.000 Euro." Die beiden Absätze werden absichtlich nah zusammengesetzt um zwei Aussagen der Untersuchungen unzulässig zu vermengen. Aussage 1 und 2 haben nichts miteinander zu tun. 33% Der Arbeiter und 20% der Angestellten werden im Laufe des Lebens mindestens einmal berufsunfähig. Die meisten aber nur für wenige Tage bis hin zu wenigen Monaten. Das Risiko bu zu werden ist dadurch nicht kleiner, jedoch das Ausmaß längst nicht so groß wie 2 suggeriert. Das kann jeder tragen, der nicht ohnehin prekär lebt. Hohes Riskiko x max. Schaden = Angst = Versicherungsabschluss
freiheit_wagen 18.09.2011
2. Buz
Vorsicht, die Auszahlung Ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung wird voll auf Hartz 4 angerechnet, auf das Sie im Falle der Berufsunfähigkeit ohnehin Anspruch hätten. Sollte der Auszahlungsbetrag im Falle der Berufsunfähigkeit nicht deutlich über den Bezügen von Hartz4 (Wohnung+Regelsatz+etc) liegen, haben Sie nicht sich, sondern den Staat versichert. 500 oder 600 Euro Auzahlungbetrag aus der BUZ bringen Ihnen also keinerlei Wohlstandzugewinn im Falle der Berufsunfähigkeit.
muehle79 18.09.2011
3. BU-Versicherung
Eine BU-Versicherung setzt ja ein klares, eindeutiges Berufsbild voraus, das mit der Ausbildung erworben wird und eng spezialisiert ist. Sowas gibt es ja in den wenigsten Fällen noch. Etliche Studiengänge der Geisteswissenschaften sind überhaupt nicht auf einen bestimmten Beruf spezialisiert. Viele Studiengänge der Naturwissenschaften bilden zu Generalisten heran, die auf unterschiedlichsten Gebieten eingesetzt werden können. Und so lange ein gewisser Stephen Hawking lebt, wird es jeder körperlich zwar Invalide aber geistig noch halbwegs bewegliche Naturwissenschaftler schwer haben, Ansprüche aus einer BU-Versicherung geltend zu machen. Die wird sich immer hinstellen und sagen: Guck mal, der kann doch auch noch arbeiten. Wieso du nicht? Von daher kann ich das Geld für eine derartige Versicherung auch verbrennen, aus dem Fenster werfen oder eben selbst ausgeben oder sparen. Wenn der, der seit seinem 16. Lebensjahr nichts anderes macht als Fenster putzen von der Leiter fällt, ist das was anderes. Dem querschnittsgelähmten Invaliden dann mit Mitte 40 zu erklären, dass er studieren soll, um nachher wenigstens noch mit dem Kopf zu schaffen, klappt wohl nicht. Der gute Mann hat nur leider nie genug Rücklagen gehabt, um sich Versicherungsbeiträge für diesen schlimmen Vorsorgungsfall leisten zu können.
Mourinho 18.09.2011
4. verantwortungsloser Staat
Seit mehr als einem Jahrzehnt stagniert mehr oder weniger das zur Verfügung stehende Nettojahresentgelt für die meisten Arbeitnehmer. Die Leistungen von Rentenversicherungsanstalten, Krankenversicherungen, etc. wurden z. T. drastisch gekürzt. Der Staat fordert nun schon seit Jahren mehr private Vorsorge. Aber in dieser Form? Die Versicherungen verdienen sich eine Goldene Nase. Überlegt doch mal, was es bedeutet monatlich ca. 150 Euro netto für diese Art der Absicherung auszugeben. Eine Risikoversicherungen, die im Nichteintrittsfalle alles verdient. Ist das Gerecht und eine Lösung? Schaut doch mal in die Niederlande, wie sich der Staat dort um seine Bürger kümmert. Und unser Präsident Wulf verlangt mehr Nationalstolz von uns Deutschen. Von was denn? Sollen wir Stolz darauf sein, immer mehr abgezockt und verkauft zu werden? Also bitte. Ich komme mir vor wie einer Märchenstunde, die mit einem schlechten Albtraum enden wird.
wutbürger21 18.09.2011
5. Irrtum
Zitat von freiheit_wagenVorsicht, die Auszahlung Ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung wird voll auf Hartz 4 angerechnet, auf das Sie im Falle der Berufsunfähigkeit ohnehin Anspruch hätten. Sollte der Auszahlungsbetrag im Falle der Berufsunfähigkeit nicht deutlich über den Bezügen von Hartz4 (Wohnung+Regelsatz+etc) liegen, haben Sie nicht sich, sondern den Staat versichert. 500 oder 600 Euro Auzahlungbetrag aus der BUZ bringen Ihnen also keinerlei Wohlstandzugewinn im Falle der Berufsunfähigkeit.
Sie irren in der Annahme im Falle der BU Hartz4 berechtigt zu sein. Voraussetzung dafür wäre, dem Arbeitmarkt zur Verfügung stehen zu können. Dies ict aber bei einer BU gerade nicht der Fall. Als einziges Auffangnetz kommt dann die Grundsicherung in Betracht, die sog. Sozialhilfe ! Allerdings werden dabei alle Vermögenswerte angerechnet, Haus, Auto, Versicherung über 1600Euro! Die BU-Vers. macht den Betroffenen ggü der Sozialhilfe nicht noch ärmer, sondern sichert den Lebensstandard, selbst wenn sie nur 400 beträgt, weil sie kein Aufzehren des angesparten verlangt!
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