Bier-Atlas Wo die Deutschen am meisten Bier kaufen

Bier liegt wieder im Trend, zum 500. Jahrestag des Reinheitsgebots vermisst der Nielsen-Bieratlas den deutschen Markt: Wie viel wird in Ihrer Region verkauft - und was kostet es?

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Viele Deutsche sind darauf mindestens so stolz wie auf das "Made in Germany": das Reinheitsgebot von 1516. Genau genommen ist es eine bayerische Erfindung. Am 23. April - also vor 500 Jahren - erließ Herzog Albrecht IV. eine Vorschrift, die heute als das älteste Lebensmittelgesetz der Welt gilt. Zum Bierbrauen dürfe allein Wasser, Hopfen und Malz verwendet werden, verfügte der Regent.

Zwar war dies nicht die erste derartige Brauvorschrift in Deutschland, zudem galt sie keineswegs durchgehend. Erst 1906 wurde das Reinheitsgebot Reichsgesetz. Gefeiert wird das Jubiläum dennoch prominent: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird zum Festakt erwartet, der im bayerischen Ingolstadt stattfindet.

Zum Feiern war vielen Brauern in den vergangenen Jahrzehnten allerdings selten zumute. Immer weniger Bier tranken die Deutschen. Waren es 1976 noch 151 Liter, die jeder Bundesbürger in einem Jahr konsumierte, waren es 2015 noch 106 Liter - erneut ein Liter weniger als im Vorjahr.

Und dennoch ist eine Trendwende erkennbar - zumindest was den Verkauf im Einzelhandel betrifft: Im vergangenen Jahr wurden 1,5 Prozent mehr Bier und Biermixgetränke im deutschen Handel verkauft als noch 2014, wie eine Auswertung der Marktinformationsfirma Nielsen zeigt. Allerdings hatte das Jahr 2015 auch 53 Kalenderwochen, eine mehr als das Jahr zuvor. "Ohne diese zusätzliche Woche würde der Markt stagnieren", sagt Marcus Strobl, Nielsen-Experte für den Biermarkt. Rückläufig sind die Verkaufszahlen aber nicht mehr.

76 Liter schleppte jeder Deutsche im Schnitt in Flaschen, Dosen oder Fässern im vergangenen Jahr aus den Läden. In dieser Statistik sind allerdings auch Kinder und Abstinenzler eingerechnet, der durchschnittliche Biertrinker kauft also noch mehr.

"Altbewährtes liegt im Trend", sagt Nielsen-Experte Strobl. Traditionelle Sorten wie Helles oder Spezialitätenbiere werden deutlich öfter gekauft. Doch auch Pils legte um 1,4 Prozent im Verkauf zu - mit 3,2 Milliarden Litern ist es die mit Abstand meistverkaufte Biersorte in Deutschland. Das gilt für fast alle Regionen - bis auf zwei Ausnahmen: Nur in Oberbayern mit der bayerischen Landeshauptstadt München und im bayerischen Schwaben bevorzugen die Biertrinker Helles.

Nielsen hat die Kaufgewohnheiten - und die Durchschnittspreise - der Deutschen beim Bier im vergangenem Jahr ausgewertet. Ergebnis ist ein Bier-Atlas - aufgeteilt nach den sogenannten Nielsen-Micro-Regionen.

Die Ergebnisse sind überraschend: Ganz vorne liegen weder die Bayern noch die Rheinländer - sondern die Brandenburger. Dort ist ein Liter Bier mit 1,08 Euro mit am billigsten in Deutschland - nur in Dresden und Chemnitz ist es mit 1,06 Euro noch günstiger. Die Brandenburger kauften denn auch mit 120 Litern pro Kopf am meisten Bier oder Biermixgetränke - mehr als viermal so viel wie etwa die Menschen in der Weinregion Rheinhessen-Pfalz. Unmittelbar daneben geht im Saarland allerdings mit 102 Litern pro Einwohner mehr Bier über den Ladentisch als im Rest Westdeutschlands.

Die Deutschlandkarte des Nielsen-Bieratlas zeigt Ihnen, wie viel Bier in Ihrer Region gekauft wird - und wie viel dafür im Schnitt bezahlt werden muss. Die Nummern für die einzelnen Regionen geben dabei keine Rangfolge an.

SPIEGEL ONLINE

fdi

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insgesamt 40 Beiträge
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mol1969 22.04.2016
1. Zu niedrige Zahlen
Natürlich gibt es viele Leute, die überhaupt kein Bier oder höchstens mal im Biergarten eines trinken. Und Kinder sind ja auch mir eingerechnet. Ein "normaler" Biertrinker jedoch trinkt täglich mindestens eine Flasche - macht bei 365 Tagen rund 183 Liter pro Jahr. Ich würde 200 Liter pro Jahr bei einem Biertrinker als völlig normal bezeichnen. Bei mir zumindest wird das hinkommen. Wenn der Durchschnittswert bei rund 100 Litern pro Jahr liegt, bedeutet das, dass rund die Hälfte der Bevölkerung überhaupt kein Bier trinkt. Kann das hinkommen?
markus.meier.39589149 22.04.2016
2. @mol1069
Eine Flasche pro Tag. Aus meiner Sicht schon eine Alkoholabhängigkeit. Dann ist es natürlich schwer vorstellbar, dass die Hälfte der Bevölkerung kein Bier trinkt ;-). Erschreckend ist auch die Korrelation von schwachen Arbeitsmarkt und hohen pro Kopfkonsum von billigen Bier.
tel33 22.04.2016
3. Merkwürdige Zahlen
Also dass in Teilen Bayerns nur um die 60 Liter pro Jahr konsumiert werden sollen, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Und was trinkt man eigentlich in Hamburg??
widower+2 22.04.2016
4. Na und?
Zitat von markus.meier.39589149Eine Flasche pro Tag. Aus meiner Sicht schon eine Alkoholabhängigkeit. Dann ist es natürlich schwer vorstellbar, dass die Hälfte der Bevölkerung kein Bier trinkt ;-). Erschreckend ist auch die Korrelation von schwachen Arbeitsmarkt und hohen pro Kopfkonsum von billigen Bier.
Ob Sie das Alkoholabhängigkeit bezeichnen, ist unerheblich. Bei einer Flasche Bier pro Tag sind keinerlei negative Auswirkungen zu befürchten, sondern - im Gegenteil - positive Wirkungen sehr gut belegt. Da bin ich dann doch lieber gesunder Alkoholiker als kranker Abstinenzler.
niska 22.04.2016
5.
Zitat von markus.meier.39589149Eine Flasche pro Tag. Aus meiner Sicht schon eine Alkoholabhängigkeit. Dann ist es natürlich schwer vorstellbar, dass die Hälfte der Bevölkerung kein Bier trinkt ;-). Erschreckend ist auch die Korrelation von schwachen Arbeitsmarkt und hohen pro Kopfkonsum von billigen Bier.
Genau. Und wer jeden Tag arbeiten geht ist schon Workaholic... Mich hätte ja interessiert, ob diese Erhebung auch die alkoholfreien Sorten beinhaltet. Und ob es nur mir so geht, dass ich den Eindruck habe, es würde mehr davon nachgefragt.
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