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Billig-Essen: Ökotester loben Fertigpizza vom Discounter

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Fertiggerichte vom Discounter sind besser als ihr Ruf. Die Fachzeitschrift "Öko-Test" hat 26 Produkte der führenden Billigmärkte getestet. Ergebnis: Problematische Inhaltsstoffe sind die Ausnahme, viele Tiefkühlpizzen bekamen sogar eine gute Note. Gesund sind die Mahlzeiten aber noch lange nicht.

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Discountware: Tiefkühlpizzen im Test
Frankfurt am Main - Sie sind zwischen 20 und 30 Jahre alt, haben andere Hobbys als Kochen - und haben in der Regel auch keine Zeit dafür: die typischen Käufer von Fertiggerichten. Gleichwohl sind ihre Ansprüche an ein gutes Essen nicht gering, wie die steigende Nachfrage nach Mahlzeiten mit Bio-Siegel oder Gourmet-Stempel beweist.

Ungleich größer ist jedoch das Angebot bei den Discountern. Ob Linseneintopf oder Asia-Pfanne, Lasagne oder Tiefkühlpizza - fast alles ist bei den großen Ketten billiger zu haben als bei den Premium-Anbietern. Entsprechend gering waren die Erwartungen der Redakteure der Zeitschrift "Öko-Test", die wissen wollten, ob man diese Gerichte auch bedenkenlos essen kann, oder ob sie womöglich ungesunde Zutaten enthalten, weswegen man besser auf sie verzichten sollte.

Die Tester machten deshalb einen Großeinkauf bei den sechs wichtigsten Discountern Aldi Nord, Aldi Süd, Penny, Norma, Lidl und Netto. In die Einkaufskörbe wanderten die jeweiligen Bestseller aus den Sortimenten: Tiefkühlpizza, Linseneintopf, Schinken-Baguette, Lasagne und Nasi Goreng.

Überraschendes Ergebnis

Das Ergebnis fiel weit weniger niederschmetternd aus, als man erwartet hätte. Zwar schnitt keines der Testgerichte "sehr gut" ab, doch immerhin 13 schafften ein "gut". Klarer Testverlierer war die Lasagne, die gleich fünf Mal die Note "mangelhaft" kassierte und nur einmal mit "befriedigend" bewertet werden konnte. Die Linseneintöpfe kamen mit vier "gut" und zwei "befriedigend" ungleich besser weg. Überraschend positiv schnitten Tiefkühlpizzen ab (siehe Bildergalerie). Mit einem "ausreichend", zwei "befriedigend" und drei "gut" liegen sie über dem Durchschnitt.

Von den Discountern hatte Aldi Süd insgesamt das beste Angebot, obwohl auch hier wie bei allen Konkurrenten ein Produkt - in diesem Fall die Cucina Lasagne - mit "mangelhaft" abschnitt. Eine durchwachsene Bilanz wies dagegen das Test-Sortiment von Norma auf, das lediglich ein "befriedigend" für den "Fix & Fertig"-Linseneintopf als Bestnote einheimsen konnte.

Einige Kritikpunkte ziehen sich allerdings wie ein roter Faden durch alle Einzeltests: Zu viele Kalorien und zu viel Salz bemängelten die Tester bei nahezu allen Produkten. Pro Mahlzeit stellten sie durchweg mehr als drei Gramm Salz fest - das ist rund die Hälfte der Menge, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung als Maximum pro Tag für gesund hält. Geradezu ärgerlich fanden die Tester jedoch die schöngerechneten Kalorienangaben: Da standen zum Beispiel nur die Werte für eine halbe Pizza auf der Packung - dabei isst ein normal Hungriger eigentlich eine ganze.

Mischung der Zutaten problematisch

Aber auch die Mischung der Zutaten sehen die Tester kritisch. So fand sich auf den Lasagne-Mahlzeiten nach ihrem Geschmack regelmäßig viel zu wenig Käse. Bei der "Mamma Gina"-Lasagne von Netto bestand dieser sogar nur aus einer Mischung von echtem und sogenanntem Analogkäse.

Ein weiteres Problem: Auf der Suche nach Geschmacksverstärkern wurden die Testlabors sehr häufig fündig. "Zwar steckt in keinem Produkt der umstrittene Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat (E 621), allerdings setzen die Hersteller von Linseneintopf, Nasi Goreng, Baguette und Lasagne zum Teil Hefeextrakt, Würze oder Sojaeiweißhydrolysat ein, die ebenfalls Glutamat enthalten", heißt es in dem Testbericht.

In zwei Lasagnen stecke überdies eine erhöhte Menge des Fettschadstoffs 3-MCPD-Fettsäureester. Dieser Stoff komme in raffinierten Pflanzenfetten vor und habe im Tierversuch gutartige Tumore ausgelöst, berichtet "Öko-Test".

Die Unternehmen selbst nahmen auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht Stellung.

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Forum - Lebensmittel - billig um jeden Preis?
insgesamt 364 Beiträge
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1.
Klo, 06.08.2009
Zitat von sysopDie Verbraucher freut's, die Erzeuger leiden: Im Kampf um die Supermarktkunden senken die Discounter die Lebensmittelpreise immer weiter - doch wie gesund ist der Preissturz für die Wirtschaft?
Die Freude könnte dem Verbraucher noch im Hals stecken bleiben. Discounter machen das ja nicht aus Spaß an der Freud, sondern um durch Zerstörung der Konkurrenz eine Art Monopolstellung zu erhalten. Und warum wollen sie diese Stellung? Na klar, um dann doppelt fett abkassieren zu können. Wenn infolge des Preiskampfs der Aldi, der Lidl, der Edeka, der Tengelmann, der Rewe, der Plus, der real diecht gemacht haben, dann bleibt eben nur noch der Sieger übrig und der wird sich das bezahlen lassen. Vom Kunden natürlich, der dann keine Wahl mehr hat.
2. Mir egal.
heinrichv. 06.08.2009
Mein Käse ist teuer, mein Brot ist teuer - alle meine Lebensmittel sind teuer. Dafür esse ich mit Verstand und komme unterm Strich nicht teurer weg als beim Discounter.
3. ooo
MarkH, 06.08.2009
Zitat von sysopDie Verbraucher freut's, die Erzeuger leiden: Im Kampf um die Supermarktkunden senken die Discounter die Lebensmittelpreise immer weiter - doch wie gesund ist der Preissturz für die Wirtschaft?
Hartz4 muss dann eben auch weiter nach unten ;) So kann es sicherlich nicht weitergehen. Neben Aldi und Erzeuger muss es auch n0och weitere Möglichkeiten in D. geben.
4.
CaptainSubtext 06.08.2009
Zitat von sysopDie Verbraucher freut's, die Erzeuger leiden: Im Kampf um die Supermarktkunden senken die Discounter die Lebensmittelpreise immer weiter - doch wie gesund ist der Preissturz für die Wirtschaft?
Wir haben doch gestern erst auf SPON gelerent, dass zumindest niedrige Preise für nicht abzuschreibendes Humankapital gut für die Wirtschaft sei. Also müssen doch niedrige Preise für Säfte etc. auch gut für die Wirtschaft sein. Oder? http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,640037,00.html P.S. Wir haben kein Deflation!
5.
migo1954, 06.08.2009
Moin. So weit wird es nicht kommen. Die nachfolgenden Generationen werden eh nur bei MCD und Co. einkaufen. Aber vielleicht übernimmt ja ein sogenannter Discounter mal die Fastfoodketten, dann würde es vielleicht mit dem Monopol klappen. *g*
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