Neues Geschäftsmodell für Musikstars Rocken bis zum Abwinken

Lukrativer Ruhestand: Rock-Altstar Billy Joel gastiert ab Montagabend einmal im Monat im Madison Square Garden - so lange die Fans es wollen. Der Marathon-Gig ist ein Trend in der Musikbranche - für Top-Verdiener, die langsam ergrauen.

AP

Von , New York


Billy Joels Leben war lange ein finanzielles Desaster. Obwohl einer der erfolgreichsten US-Rockstars, verlor er im Lauf seiner Karriere Abermillionen Dollar. Ausbeuterische Plattenverträge, ein windiger Manager, drei Scheidungen, Suchtprobleme. "Ich war dämlich", gestand er dem "New York Times Magazine". "Ich stellte mich absichtlich dumm, was die kommerzielle Seite anging."

Diese Zeiten dürften nun vorbei sein. Am Montag startet der 64-Jährige - der seit 1993 keinen neuen Song mehr herausgebracht hat - ein Wagnis, das ihn zum Multimillionär machen dürfte: Fortan wird er einmal im Monat im New Yorker Madison Square Garden (MSG) auftreten, als dessen exklusiver Hausmusiker. Das unbefristete Gastspiel soll so lange laufen, wie die Joel-Fans ihr Idol sehen wollen - also womöglich über Jahre hinweg.

Spielen bis zum Abwinken: Der beispiellose Marathon gilt als Vorreiter eines neuen Geschäftsmodells für die Konzertbranche. Nicht nur für alternde Stars wie Joel, dessen Mega-Hits ("Piano Man", "Uptown Girl") mehr als 30 Jahre zurückliegen. "Das ist ein großartiges Experiment", sagte der Ökonom Alan Krueger von der Princeton University der "BusinessWeek". "Es hat das Potential, die Musikindustrie ziemlich zu verändern."

Mehr als drei Millionen Zuschauer

Die steckt tief im Umbruch. Das Internet stellte alle Regeln auf den Kopf, traditionelle Plattenumsätze sanken um mehr als die Hälfte. Diese Lücke füllen seither Tourneen und Konzerte. Die 20 gewinnträchtigsten Tourneen des letzten Jahres brachten 2,43 Milliarden Dollar ein, 24 Prozent mehr als in 2012. Die Top-Verdiener waren jedoch meist "reifere" Künstler wie Bon Jovi, Bruce Springsteen, Paul McCartney und die Rolling Stones. Deren ergraute Fangemeinde hat einfach mehr Geld für teure Konzertkarten.

Seit einiger Zeit kommt deshalb ein weiteres Verdienstmodell hinzu: Wem das Tingeln zu anstrengend wird, zieht sich aufs lukrative Altenteil zurück - bislang meist nach Las Vegas.

Bette Midler, Celine Dion, Elton John, Cher: Viele Veteranen schlugen im warmen Spielerparadies mit oft jahrelangen Konzertserien ihre letzten Zelte auf. Solche Show-Residenzen fahren dreistellige Millionensummen ein - und der Altstar kann trotzdem jede Nacht ins eigene Bett fallen.

Die amtierende Queen von Las Vegas ist die gerade mal 45-jährige Celine Dion. 2003 zog der Kanada-Export ins "Colosseum" des Casino-Hotels "Caesar's Palace" ein. Dions bombastische Show spielte fünf Jahre lang vor mehr als drei Millionen Zuschauern. Umsatz: fast 400 Millionen Dollar.

2011 kehrte sie mit einer zweiten Residenz zurück. Diese Konzertserie, bis 2019 eingeplant, hat sie zum erfolgreichsten Las-Vegas-Act seit Elvis Presley gemacht.

Andere eifern ihr nach. Cher, 67, krönte ihr endloses "Farewell" aus dem Live-Business 2008 mit einer dreijährigen Las-Vegas-Residenz: "Das ist meine Art von Ruhestand - dass ich mich nicht länger durch die Welt schleppen muss."

Erfolg trotz künstlicher Hüfte

Selbst jüngere Stars wittern diese Chance inzwischen. Britney Spears - die mit 32 Jahren schon als Alteisen gilt - gastiert seit Ende Dezember ebenfalls in Las Vegas, im Casinohotel Planet Hollywood, einer Caesars-Tochter. 96 Shows soll sie dort bis Ende 2015 abziehen, für angeblich 15 Millionen Dollar im Jahr.

Mit Billy Joels MSG-Deal wächst der Residenz-Boom nun erstmals über Las Vegas hinaus - und erstmals im Monatsrhythmus. Dazu ging Joel, der mehr als 150 Millionen Alben verkauft hat, eine Partnerschaft mit der MSG-Betreibergesellschaft unter Führung des Kabelmagnaten James Dolan ein.

Zwar ist es ein Risiko, die fast 20.000 Plätze des Gardens auf lange Sicht füllen zu müssen. Doch Joel kennt die Arena, er ist dort schon 46-mal aufgetreten, mehr als sonst ein Musiker - darunter 2006 zwölf ausverkaufte Shows hintereinander, auch das ein Rekord. "Im Madison Square Garden zu spielen", sagte er, "ist ein Erlebnis, das nie alt wird."

Trotz seines eigenen Alters und einer künstlichen Hüfte bleibt Joel ein Erfolgsgarant. Das zeigte sich zuletzt beim Benefizkonzert für die Opfer des Supersturms "Sandy" im Dezember, bei dem er umjubelt wurde. Oder bei seiner Silvestershow in Brooklyn, die nicht nur die "New York Times" als "überragend" lobte. So wächst eine ganz neue, jüngere Billy-Joel-Fangeneration heran.

Die Kartenverkäufe bestätigen den Optimismus. Die ersten vier Joel-Shows waren sofort ausverkauft, und auch für die weiteren Termine - derzeit bis September - gibt es nur noch wenige Tickets.

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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
tom_2030 27.01.2014
1. Bitte Billy, bring doch endlich ein neues Album...
Du musst dazu nicht auf Tour gehen. Deine Fans warten jetzt schon so lange. Bitte, bitte. Du kannst es doch noch immer. Sei unser Held
adubil 28.01.2014
2.
Zitat von sysopAPLukrativer Ruhestand: Rock-Altstar Billy Joel gastiert ab Montagabend einmal im Monat im Madison Square Garden - so lange die Fans es wollen. Der Marathon-Gig ist ein Trend in der Musikbranche - für Top-Verdiener, die langsam ergrauen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/billy-joels-dauerkonzert-im-madison-square-garden-neuer-musiktrend-a-945041.html
Jetzt dudelt der piano man also einmal im Monat seine ollen Kamellen 'runter, sein buddy Elton kommt sicher auch das ein oder andere Mal auf'n alten Gassenhauer vorbei, bei Gelegenheit gibt's den x-ten DVD-Zusammenschnitt und irgendeiner ist ja immer gerade in NY, der dann mit Billyboy einen trällern kann...das ist schon irre kreativ.
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