Bio-Branding Verbraucherschützer fordern Test für Gemüse-Laser

Viele Supermärkte verpacken ausgerechnet Bio-Gurken in Plastik, damit Kassierer sie erkennen. Ein Konzern will Gemüse nun per Laser kennzeichnen, Verbraucherschützer haben Bedenken. Die wichtigsten Antworten.

Die Salatgurke soll bald ohne Plastik auskommen.
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Die Salatgurke soll bald ohne Plastik auskommen.

Von Sophie Krause


Ab Mitte März tragen Süßkartoffeln und Avocados in 800 Rewe- und Penny-Filialen in Nordrhein-Westfalen erstmals sogenannte Natural Brandings - das hat das Unternehmen gerade bekanntgegeben. Mit dem Pilotprojekt will die Lebensmittelkette Plastikverpackungen bei Obst und Gemüse ersetzen.

Beim Natural Branding werden Bio-Siegel mit einem Laser in die Produktoberfläche von Gurken, Guaven oder anderem Grünzeug gebrannt. Verbraucherschützer begegnen dem mit gemischten Gefühlen, denn die Folgen des Verfahrens sind kaum erprobt.

Warum schweißen Lebensmittelketten Öko-Gemüse überhaupt ein? Und was spricht gegen das Bio-Branding? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum gibt es Bio-Gurken in Supermärkten oft nur in Plastik eingeschweißt?

Wegen der Unterscheidbarkeit. Liegen Bio-Bananen, Tomaten oder Gurken neben konventionellen Produkten im Supermarkt, können diese leicht mit günstigerem herkömmlichen Gemüse vertauscht werden. Zwar gibt es auch Aufkleber, etwa auf Mangos oder Gurken, aber die können leicht abgemacht werden. Lebensmittelkonzernen passt das nicht, ihnen könnten Einnahmen entgehen.

"Es ist durchaus nachvollziehbar, dass eine Unterscheidung sein muss", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Aber wir waren nie glücklich darüber, dass es mit so viel Plastik verbunden ist." Kunden hätten sich häufig bei der Verbraucherzentrale gemeldet und moniert: Was ist an einem Bioprodukt nachhaltig, wenn es umweltfeindlichen Plastikmüll produziert?

Wie genau funktionieren Natural Brandings?

Die "Natural Brandings" werden nach Angaben von Rewe mit einem gebündelten Lichtstrahl auf der äußersten Schalenschicht des Gemüses angebracht. Da das Laser-Logo nur an der Produktoberfläche liege, sei es völlig kontaktlos und beeinflusse weder Geschmack, Qualität noch Haltbarkeit, verspricht das Unternehmen. Die Logos können mit der Schale entfernt oder mitgegessen werden.

Mit der Technik soll im Einzelhandel auf Plastikverpackungen verzichtet werden. Die Supermarktkette testet die Laser-Logos zunächst für vier Wochen auf Gemüse, das vor dem Verzehr geschält werden muss. Setzen sich die neuen Etikettierungen bei den Kunden durch, will Rewe das Pilotprojekt ausweiten.

Was sind die Bedenken der Verbraucherschützer?

"Prinzipiell sind wir diesen Mitteln gegenüber aufgeschlossen, weil der Plastikwahnsinn keine Zukunft haben kann", sagt Valet. Allerdings müsse man genau prüfen, ob die Methode für Verbraucher tatsächlich unbedenklich sei oder ob es nicht vielleicht doch schädliche Rückstände oder Qualitätsminderungen geben könne. Noch sei die Methode kaum erprobt.

Erweist sich die Methode als unbedenklich, wäre dies aber ein Schritt in die richtige Richtung. Denn in Biomärkten gibt es ohnehin fast keine Verpackungen, außerdem verzichten diese in der Regel auf Plastiktüten. "Wir wollten immer, dass Bio aus der Nische rauskommt und nicht nur im Biosupermarkt verkauft wird", sagt Valet. Deshalb müsse es Bioprodukte auch in Supermärkten und Discountern geben - und das möglichst umweltfreundlich.

Sind Produkte mit Laser-Logos teurer?

Nein, teilte die Rewe-Gruppe auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit. Bei verpacktem Obst und Gemüse sei die Verpackung nicht Verhandlungsbestandteil, die Ware käme bereits verpackt. Angaben zu den Kosten der Brandings im Herstellungsprozess machte die Supermarktkette nicht.

Wie lässt sich Plastikmüll noch reduzieren?

In vielen Supermärkten gibt es kleine Plastiktüten für Obst und Gemüse. Vorgeschnittene Ananas und gemischter Salat werden oft in Plastikboxen verpackt. All das produziert Müll. Die Tendenz gehe zu mehr Verpackung statt weniger, sagt Valet. 2013 habe der Verbrauch an Kunststoffverpackungen in Deutschland bei 2,76 Millionen Tonnen gelegen.

"Da müssen sich die Verbraucher natürlich an die eigene Nase fassen und gucken, welche Alternativen es gibt", sagt Valet. Denkbar ist zum Beispiel, ganzes Obst zu kaufen und den Obstsalat zu Hause selbst zu schneiden. Oder Gemüse und Früchte gar nicht erst in die kleinen Tüten zu packen, sondern sie lose in die Einkaufstüte zu tun - und zu Hause einmal gründlich zu waschen.

Darf man eingeschweißte Bioprodukte überhaupt Bio nennen?

"Rein rechtlich darf man", sagt Valet. Weil es in der EU-Ökoverordnung keinerlei Hinweise gebe, ob ein Lebensmittel umweltgerecht hergestellt oder dargeboten werden müsse - sondern eben nur biologisch hergestellt. "Zum Beispiel kann ein Bioprodukt auch aus China oder Argentinien kommen", sagt Valet. Beim Transport wird dann freilich viel CO2 freigesetzt. Letztlich müssen Verbraucher sich eine eigene Definition machen, was für sie bio ist - und was nicht.



insgesamt 75 Beiträge
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Seite 1
kalsu 03.03.2017
1. Gefahr, Gefahr...
Ich als militanter Verfechter unverfälscher Lebensmittel und erklärter Gegner industriell hergestellter Fertigprodukte verstehe die Aufregung nicht. Mit Laser lässt der Mensch sich die Augen korrigieren oder Tatoos entfernen, bei der Anwendung auf Lebensmittel wittert er aber gleich mögliche negative Auswirkungen beim Verzehr. Konventionelles Obst und Gemüse ist gewachst, mit diversen Anti-Schimmelpilz-Mittel und sonstigen Giften behandelt und wird munter gekauft und verspeist. Ich sehe beim Laser allenfalls Auswirkungen auf Haltbarkeit oder Geschmack. Der Laser schädigt den natürlichen Schutzmantel z.B. einer Gurke was zu einem schnellen Verderb führen kann bzw. durch die Hitze an der Stelle zu einem Koch- bzw. Grilleffekt führt, was auch nicht jedermanns Sache ist. Letztlich ist es an uns Kunden, ob sich die Methode durchsetzt. Kaufen wir es nicht, vergammelt das Zeug im Regal beim Händler.
grabenkaempfer 03.03.2017
2.
Gurken werden eingeschweißt um die Gefahr zu verringern das eine ganze Ladung wegen einer fauligen Gurke anfängt zu gammeln. Im Winter, wenn die Gurken längere Strecken zurücklegen, sind alle Gurken eingeschweißt, egal ob Bio oder nicht.
spiegelwelt 03.03.2017
3. Eingeschweißte Gurken haben einen entscheidenden Vorteil ...
Sie halten viele Tage länger als nicht eingeschweißte und können problemlos beim Wocheneinkauf berücksichtigt werden! Sozusagen H-Gurken. Naja, dann wickele ich sie halt zu Hause selbst ein.
INGXXL 03.03.2017
4. Na da kaufe ich lieber
die unverpackte normale Gurke die ist billiger und schmeckt gauso wie Bio.
toberg 03.03.2017
5. Alles bio!
Vielleicht ließe sich das Problem ganz prinzipiell klären, wenn mensch aufhören würde "Chemie" auf Nahrungsmittel zu schütten. Dann wäre ALLES BIO!
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