Kryptowährung Risiken und Nebenwirkungen des Bitcoin

Die Spekulationsblase um das Cybergeld Bitcoin ist spannend zu beobachten - und kann für Zocker auch einträglich sein. Größere Summen sollten Privatanleger aber lieber nicht reinstecken. Die Gefahren sind zu groß.

AFP

Eine Kolumne von


Vor gut einem Jahr habe ich meinen ersten Bitcoin-Anteil geschenkt bekommen. Ich war neugierig und einer der computeraffinen Kollegen erklärte mir, wie das mit der Weitergabe der digitalen Bitcoins funktioniert und schenkte mir einen Teil. Solche Informationen kann man natürlich auch nachlesen.

Seither verfolge ich gespannt, wie sich diese neuen Kryptowährungen weiterentwickeln. Neben den Bitcoins gibt es ja zum Beispiel auch Ethereum, Dash oder IOTA .

Und angesichts der breiten Berichterstattung ist aktuell eine gute Zeit für eine Zwischenbilanz. Meine Bitcoins ruhen auf einem kaputten Handy zu Hause in der Schublade. Sie sind der wesentliche Grund, warum ich das Smartphone nach dem zweiten Displaybruch in sechs Monaten nicht einfach entsorgt habe.

Ich finde die aktuelle Bitcoin-Blase spannend, weil ich das Konzept Bitcoin spannend finde. Trotzdem bleibt es natürlich eine Blase. Am Mittwochfrüh erreichte der Preis zeitweise 11.800 Dollar. Dann rauschte der Kurs wieder nach unten bis auf 9500 Dollar.

Die Idee, eine Währung zu erschaffen, unabhängig von staatlichen Instanzen, unabhängig also von Zentralbanken, die muss einfach faszinieren. Denn genau darum geht es, den Staat und seine Institutionen bei der Währung draußen zu halten. Und das dann umzusetzen, mit so einem schlichten Konzept, nur durch das täuschungsarme Zusammenspannen von Computern.

Den Staat aus der Währung raushalten wollen nicht nur die vielen Anarchisten, die schon in der Frühphase von Bitcoin die virtuelle Währung zum Beispiel in Berliner Szenekneipen als Bezahlung akzeptierten. Auch die neoliberalen Staatsskeptiker freuen sich darüber.

So undemokratisch wie Geld nur sein kann

Doch Gleichheit vor dem Bitcoin hin oder her: Die Cyberwährung hat auch große Nachteile. Der irrsinnige Stromverbrauch ist einer davon. Die Produktion von und vor allem der Handel mit Bitcoins benötigt in diesem Jahr ungefähr so viel Strom wie Irland oder Marokko.

Demokratisch sind Bitcoins auch nicht. Sie sind so undemokratisch wie Geld nur sein kann. Nicht dass anderes Geld notwendig demokratisch wäre. Der chinesische Renminbi, geschaffen und gesteuert von einer hocheffizienten Diktatur, ist natürlich kein demokratisches Geld, auch wenn der Name übersetzt "Volksgeld" heißt.

Bei der Geldschöpfung der europäischen, der britischen, amerikanischen oder japanischen Zentralbank ist demokratische Kontrolle durch uns Wähler aber mindestens im Prinzip gewahrt. Diese Geldschöpfung wird von Institutionen gesteuert, die der demokratischen Willensbildung zugänglich sind. Gerade hat der gewählte US-Präsident den neuen US-Notenbankchef ausgesucht.

Solche staatliche Kontrolle hat für die Nutzer von Währungen Vorteile, gerade in Krisensituationen. Denn wer haftet eigentlich beim Bitcoin?

Der belgische Philosoph Mark Coeckelbergh brachte es kürzlich so auf den Punkt: "Etablierte Finanzinstitutionen können immerhin im Falle vom Marktversagen regulierend eingreifen. Wenn es aber einen Bitcoin-Crash gibt, ist nicht klar, wer die Verantwortung für den Schaden übernimmt - wenn es überhaupt möglich ist, regulierend einzugreifen."

Oder wie mir ein befreundeter IT-Crack auf Nachfrage schrieb: "Im Falle eines Crashs ist es sehr gut möglich, dass das Bitcoin-Netzwerk aufgrund der aktuellen Kapazitätsgrenze von circa fünf Transaktionen pro Sekunde komplett überlastet wird - und keiner kommt raus." Elisabeth Roegele, die Chefin der deutschen Wertpapieraufsicht, kommentierte den Hype am Donnerstag nur trocken: Im Zweifelsfall droht Anlegern ein Totalverlust.

Der Bitcoin-Kurs wird wesentlich auch durch politische Faktoren geprägt. Chinesische Anleger und Spekulanten, die die Kontrolle in ihrer Diktatur fürchten, versuchen sich mit ihren Bitcoins dieser Kontrolle zu entziehen und haben dadurch den Kurs in den vergangenen Jahren nach oben getrieben - das macht einen großen Anteil an der gegenwärtigen Blase aus.

Verbieten oder nicht?

Sollte man Bitcoins deshalb verbieten?

Nein. Die Computer-Operationen selbst kann man nicht so einfach verbieten. Neue Einheiten des Kryptogeldes werden nach und nach durch das sogenannte Mining erzeugt. Dazu braucht es vor allem gigantische Rechnerleistung.

Die Nutzung als Zahlungsmittel könnten Regierungen aber natürlich verbieten. Schon die Ankündigung der chinesischen Regierung, künftig stärker zu regulieren, sorgte Mitte September für einen zeitweiligen Einbruch der Krypto-Währung um 30 Prozent. Mehr Regulierung könnte schnell für erhebliche Kursturbulenzen oder gar ein Ende des Bitcoin-Booms sorgen.

Und nun? Sollten Sie mitspekulieren? Meine klare Empfehlung: Bitcoins sind keine Geldanlage, sie haben mehr mit Monopoly oder Glücksspiel zu tun.

Ist Glücksspiel hierzulande verboten? Ist es nicht. Wenn Sie also 100 Euro übrighaben und damit einen Anteil an einem Bitcoin kaufen wollen und die 100 Euro ansonsten zur Lottostation oder zur Trabrennbahn tragen würden. Tun sie das ruhig.

Lesen und informieren Sie sich und verstehen Sie mit dem Auf und Ab Ihres Bitcoin-Anteils die Risiken des Informationszeitalters besser. Ein Wettbüro, das Gebühren abknapst, gibt es im eigentlichen Sinne nicht. Natürlich können Sie am Schluss auch der Trottel sein, den als Letzten die Hunde beißen. Die muss es bei jeder Blase geben.

Deshalb: Wollen Sie einfach nur Geld anlegen, fürs Alter womöglich? Dann bleiben Sie bei Ihren Leisten! Ein Tagesgeldkonto, damit Sie nie mehr in den Dispo brauchen, ein Festgeldkonto für die Ausgaben der kommenden Jahre, die Sie schon absehen können. Und ein Depot mit weltweit oder mindestens europaweit anlegenden Aktienindexfonds als langfristige Geldanlage über zehn oder besser 15 Jahre - wenn Sie ihr Geld nicht in ein Häuschen oder eine Eigentumswohnung stecken wollen zum Selbstnutzen. Ein Risiko gibt es natürlich auch bei Indexfonds oder Immobilien. Aber es ist nicht annähernd so hoch wie bei Bitcoins.

Ich jedenfalls, behalte meine Bitcoins vorläufig in der Schreibtischschublade. Um sie weiter zu verfolgen.



insgesamt 34 Beiträge
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JochenHe 02.12.2017
1. Dezember
Wie kann es sein das im Dezember, 4 Monate nach der Spaltung von Bitcoin in Bitcoin und BitcoinCash immer noch Artikel erscheinen in denen so getan wird als gäbe es nur das eine Bitcoin? Andere Hardforks können übersehen werden, aber spätestens nach den Ereignissen vom 8 - 13 November sollte klar sein BitcoinCash jederzeit die alte 1MB Version von Bitcoin, über die der Artikel scheinbar handelt, abschalten kann.
markus_bergemann 02.12.2017
2.
Bitcoin ist die Zukunft. Alles wandelt sich auf der Welt, wieso sollte es auch bei der Währung nicht so sein. Mittlerweile akzeptiert sogar McDonalds die Zahlung per Kryptowährung in den USA und der Bitcoin geht an die NASDAQ. Das sind für mich Indizien die darauf deuten, dass die Kryptowährungen die Zahlungsmittel der Zukunft sind.
Kommentator3 02.12.2017
3. Altcoins
Danke, dass Sie zumindest IOTA im Artikel erwähnen. Eine Kryptowährung, die eben nicht auf der energieintensiven Blockchaintechnologie basiert.
iap12 02.12.2017
4.
Es ist ja nicht mal mehr komisch, dass so viele über Risiken und Nebenwirkungen aufklärende Artikel in letzter Zeit im Spiegel erscheinen. Schade, dass es keine echten Experten gibt, die über Vor- und Nachteile eines Investments aufklären. Leider scheitert es schon an den Begrifflichkeiten, wie der Autor eindrucksvoll belegt. Es ist überhaupt nicht klar, ob der BTC eine Blase ist. Denn um den Bitcoin als eine Blase zu identifizieren, muss man den fundamentalen Wert kennen - selbst für Experten ist es beispielsweise schwer Aktienmarktblasen zu erkennen. Der Preis des Bitcoin wird getrieben durch Angebot und Nachfrage, das ist eine Kurve mit einem Schnittpunkt. Es gibt klare Anzeichen dafür, dass Cryptowährungen (beim Bitcoin bin ich vorsichtig zu behaupten, dass es sich um eine Währung handelt, da dafür technologisch die Transaktionskapazität zu gering ist) in Zukunft eine große Rolle spielen. Selbst wenn der Anteil der Spekulanten momentan beim Bitcoin sehr hoch sein mag, gibt es doch klare Indizien dafür dass der Kurs in Zukunft weiter rasant steigen wird. Der Bitcoin kann insbesondere durch den geringen Aufwand eine Alternative zur Anlage in Gold werden. Auch das hat der Autor richtig angemerkt, siehe die Investitionen gerade aus Ländern wie China. Im übrigen ähnelt der Bitcoin sehr stark einer Anlage in Gold. Wer sich überlegt zu investieren und kein Trader ist, sollte nur dann einstiegen, wenn an die Technologie und das Prinzip des Bitcoins geglaubt wird. Außerdem empfehle ich auch Alternativen (Ethereum insbesondere) in Betracht zu ziehen.
jj2005 02.12.2017
5. Bitcoin hat keine Zukunft
Erstens ist der Energieverbrauch absurd hoch, zweitens wird beim "Mining" kein realer Wert geschaffen. Man mag die konventionelle Art der Geldschöpfung kritisch sehen, aber sie wird in der Regel schon von einem messbaren Beitrag zum gesellschaftlichen Wohlstand getragen. Bei Bitcoins ist dieser Beitrag NULL, es ist ein 100% reines Schneeballsystem, und wer Lust hat, kann dabei gerne mitmachen ;-)
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