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Black Friday: Kommandoaktion Weihnachtsshopping

Von Alina Reichardt und

Wie kein anderes Event verkörpert der Black Friday den Shopping-Wahn der Amerikaner. Die Läden öffneten mitten in der Nacht, um des Ansturms Herr zu werden. Aber im Kampf um die Superschnäppchen gab es dieses Mal sogar Verletzte.

Black Friday 2011: Schnäppchenjagd als Gemeinschaftserlebnis Fotos
AFP

Washington/Hamburg - Fastfood mal anders: Direkt von der Thanksgiving-Festtafel am Donnerstagabend machten sich viele Amerikaner noch in der Nacht zum Freitag auf den Weg in die Einkaufszentren. Mit teils drastischen Preisnachlässen lockte der US-Einzelhandel zum Black Friday, dem jährlichen Super-Shopping-Event vor Weihnachten. Rund 80 Millionen Menschen folgten der Einladung zum Geldausgeben ab Mitternacht. Nicht immer ging es dabei friedlich zu.

In einer Walmart-Filiale in Los Angeles etwa wollte sich eine Frau ihr Schnäppchen mit besonders harten Bandagen erkämpfen. Als eine Palette mit preisreduzierten Xbox-Spielkonsolen in den Laden geschoben wurde, nebelte sie die anderen Wartenden mit Pfefferspray ein, wohl, um sich ein Exemplar sichern zu können. In der darauffolgenden Panik zogen sich zehn Personen Prellungen und Schnittwunden zu, weitere zehn erlitten Augenverletzungen durch das Spray. Die Täterin entkam unerkannt.

Rabiate Aktionen wie diese sind freilich die Ausnahme am amerikanischen Rabattfreitag. Die Mehrheit der Shopper macht sich ganz friedlich auf die Schnäppchenjagd. So wie Robert Agnew und seine Frau Charlotte Molokken aus North Springfield, die seit sieben Jahren keinen Black Friday ausgelassen haben. Allerdings beginnt ihre Schnäppchenjagd in diesem Jahr zu einer ungewöhnlichen Zeit. Kurz vor Mitternacht wollen sie ihren Einkaufsbummel beginnen. Die Öffnungszeiten wurden vorverlegt, um das Gedränge zu entzerren.

Polizeischutz für Schnäppchenanbieter

Weil sie wissen, dass es eng werden wird, haben sich Robert und Charlotte gut vorbereitet: Die ganze Woche habe sie Prospekte gesammelt, Angebote notiert und Rabatt-Coupons aus Tageszeitungen geschnippelt. Speicherkarten, DVDs, ein Topf-Set und Bettdecken stehen auf ihrem Wunschzettel. Letztere sollen heute statt 160 nur 58 US-Dollar kosten.

Schnäppchen wie dieses sind es, mit denen Kunden in die Läden gelockt werden. Dass das Prinzip funktioniert, merkt das Ehepaar, als es gegen 23.30 Uhr vor seinem ersten Ziel, einer Filiale der Unterhaltungselektronikkette Best-Buy vorfährt: Der riesige Parkplatz ist vollgeparkt, die Schlange der Wartenden zieht sich bereits um das ganze Gebäude.

Robert Agnew kann das nicht schrecken: "In den letzten Jahren hat sich die Lage etwas entspannt", erzählt er. Seit vor drei Jahren ein Mitarbeiter der Supermarktkette Walmart am Black Friday von den Besuchermassen totgetrampelt wurde, stehen am Eingang jedes Geschäfts mehrere Polizeibeamte. Kunden werden gruppenweise eingelassen, wer später kommt, muss warten, bis der vorhergehende Trupp den Laden verlassen hat.

Kommandoaktion Shopping-Event

Agnew und Molokken müssen deshalb 20 Minuten warten, bevor sie eingelassen werden. Der Laden ist überhitzt, laute Musik dröhnt aus Lautsprechern, einige Gänge sind bereits von Kunden blockiert, die an den Kassen anstehen. Das Ehepaar weiß genau, wonach es sucht, geht planvoll vor und trennt sich direkt am Eingang. Einkaufen am Black Friday ist kein Shopping, es ist eine Kommandoaktion.

Und von dieser Aktion verspricht sich die US-Wirtschaft üppige Einnahmen. Die Hälfte aller Weihnachtsgeschenke werden in den USA am Black Friday gekauft, im Durchschnitt gibt jeder Amerikaner an diesem Wochenende 700 Dollar aus. Der Black Friday ist in den USA der mit Abstand umsatzstärkste Tag des Jahres.

Nicht alle können shoppen

Als sie ihre Wunschartikel erbeutet haben, beginnt für Agnew und Molokken der anstrengende Teil des Einkaufens: Sie müssen sich in die Schlange vor der Kasse einreihen. Ein eifriger Verkäufer drängt sich dazwischen und bietet den Wartenden Kopfhörer, Digitalkameras und Handyhüllen zum halben Preis an.

Doch es gibt auch Kunden, die das Geschäft verlassen, ohne etwas zu kaufen. Längst nicht alle Artikel werden vergünstigt angeboten. Laptops, Handys und Festplatten etwa stehen oft mit unveränderten Preisschildern im Regal. Außerdem sind viele Amerikaner vorsichtig geworden. "Hohe Arbeitslosigkeit, wackelige Aktienmärkte sowie hohe Benzin- und Lebensmittelkosten werden sich 2011 wohl auch im Feiertagsgeschäft bemerkbar machen", erklärt Ellen Davis von der National Retail Federation, NRF.

Erlebnis statt Einkauf

Der nächste Stopp des Ehepaars ist ein Einkaufszentrum mit 150 Geschäften. In der dortigen Macy's-Filiale wird das günstige Topf-Set angeboten. Als sie vor der Shopping-Mall den Wagen abstellen, ist es bereits 2.30 Uhr. Tausende Menschen drängen sich durch die Gänge. Viele Gesichter wirken erschöpft, einige Kunden haben offenbar Schwierigkeiten, die Augen offen zu halten, sie umklammern Pappbecher mit Kaffee.

"Der Eindruck so vieler Menschen mitten in der Nacht ist immer wieder überwältigend", meint Agnew und gähnt. Für die ersehnten Küchenutensilien reiht sich der 29-Jährige noch einmal in eine Schlange ein, gibt danach jedoch auf. "Die Bettdecken können wir online auch günstig bekommen", schlägt er seiner Frau vor. Neben dem Black Friday hat sich der darauffolgende Montag als "Cyber Monday" etabliert. 2010 nutzen mehr als 100 Millionen den Online-Schnäppchentag für den Weihnachtseinkauf per PC.

Für Robert und Charlotte endet die Schnäppchennacht jedenfalls noch vor dem Frühstück. Die vorgezogenen Öffnungszeiten halten sie für einen Flop, finden das nächtliche Shopping anstrengend. Mehr gekauft haben die beiden wegen der Nachtöffnung jedenfalls nicht: "Es ist einfach ein Event, das man nicht verpassen will, Geld ausgeben ist dabei nicht das Wichtigste."

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insgesamt 26 Beiträge
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1. Materialismus
Chris110 26.11.2011
Dieser Materialismus ist einfach widerlich. Auch an Weihnachten. Die Weihnachtsbotschaft war einmal eine ganz andere. Das soll die leading nation of the world sein, arme verirrte Menschheit.
2. Wieso?
katzenfreund10 26.11.2011
Zitat von Chris110Dieser Materialismus ist einfach widerlich. Auch an Weihnachten. Die Weihnachtsbotschaft war einmal eine ganz andere. Das soll die leading nation of the world sein, arme verirrte Menschheit.
Wieso soll einkaufen widerlich sein. Einkaufen und Geschenke kaufen macht doch Spass,oder nicht? Ich kaufe gerne ein. Nur Klamotten kaufe ich ungern. Am meisten Spass habe ich beim einkaufen von Elektronic Artikeln. Aber auch gerne ein neues Küchenmesser. Eins das gut in der Hand liegt. gerne aus Japan. Oder Lebensmittel kaufen macht mir sehr viel Spass. Mal einen neuen Käse testen. Oder gerne mal ein Staek vom Kobe Rind. Oder Wein vertesten. Einkaufen macht einfach Spass.
3. Frage
Paul Panda 26.11.2011
Kann mir vielleicht jemand sagen, ob Steely Dan mit ihrem Titel "Black Friday" vielleicht das im Artikel beschriebene (und mir neue) Event meinten, oder wohl doch eher den schwarzen Freitag im Jahre 1929? Aus dem symbolträchtigen Text wird man ja nicht so richtig schlau.
4. Diesen Unsinn mag ich nicht
lakechamplainer 26.11.2011
Diesen Unsinn mag ich nicht. Es ist schlecht, diese Arbeiter muessen am Thanksgiving Nacht wach zu bleiben. Die Leute kaufen Dinge dann an: Denken Sie, dass sie wirklich Geld sparen?
5. Soso
canjonero 26.11.2011
Zitat von Chris110Dieser Materialismus ist einfach widerlich. Auch an Weihnachten. Die Weihnachtsbotschaft war einmal eine ganz andere. Das soll die leading nation of the world sein, arme verirrte Menschheit.
Ja, Bettdecken und Kochtöpfe, wahrlich der Gipfel des Materialismus. Andere und mitunter sich selbst zu beschenken, und das jedes Jahr wieder, mit Freude dabei-wie konnte es nur so weit kommen? Dann doch lieber deutsch bleiben, dem anderen den Dreck unter den Fingernägeln nicht gönnen, niemandem etwas schenken und ebenfalls jährlich drüber rummosern, dass andere es wagen und Spaß am Leben haben. Und das die vermeintliche Botschaft ignoriert wird, ist super-sonst würden wir wahrscheinlich noch heute Hexen verbrennen und dergleichen, wie es in noch existierenden Mittelalterkulturen nach wie vor leidvoll gelebt wird.
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Wie Rating-Agenturen arbeiten
Geschichte
Die Geschichte der Rating-Agenturen reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das US-Eisenbahnnetz sich über den Kontinent ausdehnte. Das erforderte Kredite, die die Banken nicht alleine schultern konnten. Industrieunternehmen begannen, Anleihen auszugeben, um an Geld zu kommen. Heute dominieren drei Agenturen den Markt: Standard & Poor's, Moody's und Fitch.
Standard & Poor's
Standard & Poor's (S&P): Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's. Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
Moody's: John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service, die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch
Fitch Ratings: 1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings. Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.
Wie die Agenturen arbeiten
Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten und vergeben dazu verschiedene Bonitätsnoten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements.
Die Noten der Rating-Agenturen
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
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Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
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A2 A A
A3 A- A-
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Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall
Bedeutung der Noten
Je schlechter sie die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.

Hochspekulative Anleihen (Moody's: Ba1, S&P: BB+, Fitch: BB+) gelten als "Ramsch". Wird eine Anleihe als spekulativ eingestuft, müssen beispielsweise Zentralbanken sie verkaufen.
Kritik
Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen (Ratings) Mathematik und welcher Meinung ist. In der Finanzkrise wurden Rating-Agenturen an den Pranger gestellt: Weil sie Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben.


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