Börsenausblick 2019 Crash in Sicht

Der US-Leitindex Dow Jones hat an einem Handelstag fünf Prozent zugelegt. Ist das die Erholungsrallye zum Jahresende? Sehr unwahrscheinlich - zwei triftige Gründe sprechen dagegen.

Skyline von Frankfurt
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Viele Finanzexperten hatten das Börsenjahr 2018 schon abgeschrieben. Weltweit notierten die Börsenindizes kräftig im Minus, der neunjährige Börsenaufschwung schien sein Ende endgültig erreicht zu haben.

Doch am gestrigen Mittwoch legte der US-Leitindex Dow Jones plötzlich in einer einzigen Handelssitzung um mehr als 1000 Punkte zu - so viel wie noch nie zuvor an einem Tag. Nachdem der Handel am Heiligabend mit einem satten Minus von fast drei Prozent beendet worden war, zeigte die Dow-Kurstafel am Ende des ersten Weihnachtstages ein deutliches Plus von rund fünf Prozent.

Ist das nun die Erholungsrallye zum Jahresende, auf die viele Investoren nach einem miesen Börsenjahr gehofft hatten? Oder handelt es sich nur um ein kurzes Störfeuer, bevor die Börse im neuen Jahr in sich zusammenbricht?

Klar ist schon jetzt: Das gestrige Kursfeuerwerk an der Wall Street hielt nicht lange an. Zum Handelsstart an diesem Donnerstag notierte der Dow Jones wieder deutlich im Minus, auch der deutsche Leitindex Dax verlor erneut fast zwei Prozent und rutschte kurzzeitig auf nur noch 10.356 Punkte - der niedrigste Stand seit zwei Jahren. Das wichtigste deutsche Börsenbarometer wird deshalb 2018 so schlecht abschließen wie seit sieben Jahren nicht mehr. Seit Beginn des Jahres hat der Dax fast 19 Prozent eingebüßt, ähnlich hohe Verluste gab es zuletzt 2011, als die Eurokrise ausbrach. Die deutsche Börse befindet sich damit ohne Zweifel im Bärenmarkt, wie Finanzexperten eine Phase sinkender Kurse nennen.

Die traditionell sehr vom Export abhängigen deutschen Unternehmen litten stark unter dem aufflammenden Handelsstreit zwischen den USA und China und den Streitigkeiten rund um den Brexit. Nichts hassen Investoren so sehr wie Unsicherheit, also verkauften sie viele deutsche Aktien.

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Dass es 2018 an den Börsen zu heftigen Schwankungen kommt, hatten Ökonomen im Vorfeld durchaus erwartet. Denn erstmals seit dem Jahr 2008 straffte die US-Notenbank Fed ihre Geldpolitik und entzog dem Markt Milliarden an Liquidität. Viermal hob sie die Zinsen an, und sie fuhr ihr Anleihekaufprogramm zurück. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) beendete im Dezember wie erwartet ihr milliardenschweres Anleihekaufprogramm.

All die Jahre zuvor hatten die Notenbanken die Börsen durch ihre ultralockere Geldpolitik angetrieben und gestützt. Das viele billige Geld, das sie in den Jahren nach der Finanzkrise in den Markt pumpten, gaben Investoren aus, um Aktien zu kaufen - auch weil die Alternativen angesichts niedriger Zinsen fehlten. Das trieb die Kurse von einem Rekord zum nächsten.

Nun geht diese Zeit allmählich zu Ende - und das hat vor allem zwei Gründe.

1.) In den USA ist die Fed fast am Ziel: Die Inflation ist da, wo sie hin soll, die Konjunktur läuft, die Arbeitslosigkeit ist niedrig wie seit den Sechzigerjahren nicht. Im neuen Jahr wird die Fed aller Voraussicht nach die Zinsen weiter anheben. Und auch die EZB könnte sich im nächsten Herbst das erste Mal seit Jahren vom Nullzins verabschieden.

Sehr lange konnten Anleger bei ihrer Entscheidung, ob sie auf Aktien setzen sollten, auf das "Tina-Prinzip" vertrauen: "There is no alternative". So gut wie jeder Finanzexperte wusste: Zu Aktien gibt es keine Alternative, weil andere Anlageklassen nur mickrige Renditen abwarfen. Doch dieses Prinzip gilt seit diesem Jahr nicht mehr: Weil die US-Notenbank anfängt, die Zinsen zu erhöhen, zogen die Renditen von Staatsanleihen in den USA an. Investoren schichteten deshalb ihr Geld in solche Anleihen um, auch das drückte auf die Aktienkurse. "Investoren haben zur Aktie wieder eine Alternative, viele Investoren reduzierten deshalb ihre Aktienbestände", sagt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege von JP Morgan Asset Management.

2.) Das Umfeld für Aktien wird zudem schwieriger, weil sich weltweit das Wachstumstempo der Volkswirtschaften verlangsamt, worunter die Gewinne der Unternehmen leiden. 2018 wuchsen die Gewinne der US-Unternehmen, die im Börsenindex S&P 500 gelistet sind, um mehr als 22 Prozent, im neuen Jahr soll sich dieser Wert mehr als halbieren. Eine Reihe von Wirtschaftsforschungsinstituten korrigierte ihre Wachstumsprognosen für das Jahr 2019 nach unten. Das Ifo-Institut schrieb etwa in seinem Konjunkturausblick: "Mannigfache Unsicherheiten dämpfen die Weltkonjunktur, vor allem Brexit, der Haushaltsstreit in Italien und die US-Handelspolitik."

Viele Marktteilnehmer glauben deshalb, dass 2019 die Rezession und damit der Crash an der Börse kommt.

Ganz so schlimm wird es laut Kapitalmarktstratege Galler nicht werden: "Wir erwarten für das Jahr 2019 noch keine Rezession. Aber der Konjunkturzyklus ist schon weit fortgeschritten, deshalb wird sich überall auf der Welt das Wachstum verlangsamen".

Aufschwünge sterben nicht an Altersschwäche

In Europa ist die letzte Rezession schon sieben Jahre her, in den USA sind es sogar zehn. Viele Beobachter haben das Gefühl, dass der Abschwung jetzt mal kommen müsste. Doch Fachleute wie Carsten Brzeski, Chefvolkswirt für Deutschland und Österreich der ING, sagen immer wieder: "Es gibt kein ökonomisches Gesetz, dass Konjunkturaufschwünge an Altersschwäche sterben." Zur Erinnerung: Die australische Wirtschaft wächst seit 27 Jahren ohne Unterbrechung.

Optimisten argumentieren, dass eine mögliche Rezession wegen der negativen Aussichten schon in den Aktienkursen eingepreist ist. Das würde für zumindest moderat steigende Aktienkurse im neuen Jahr sprechen.

Besser als erwartet?

Denn all die negative Stimmung lässt Raum für positive Überraschungen. Gäbe es beispielsweise zwischen den USA und China eine Entspannung im Handelskonflikt oder eine Lösung im Brexit-Streit, würde sich das sofort positiv auf die Aktienkurse niederschlagen. "So könnte das neue Börsenjahr dann doch besser werden, als es jetzt viele Pessimisten erwarten", sagt ING-Volkswirt Brzeski.

Für Anleger, die noch nicht in Aktien investiert sind, bieten sich dank der turbulenten Börsenzeiten auch gute Einstiegsmöglichkeiten. Klar ist: Anleger schneiden dann am besten ab, wenn sie zu einem Zeitpunkt niedriger Kurse einsteigen. "Denn nach all den Jahren der Rekorde haben sich die Bewertungen von Aktien normalisiert", sagt Kapitalmarktstratege Galler.

Allerdings sollten Neuaktionäre viel Zeit mitbringen. Denn das Risiko eines baldigen Abschwungs ist da. Einsteiger sollten deshalb mindestens 15 Jahre Zeit mitbringen, um auch eine schwere Krise aussitzen zu können. Die Börsenindizes können nämlich in einer Rezession auch mal um 30, 40 oder sogar 50 Prozent einbrechen.



insgesamt 52 Beiträge
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dr.könig 27.12.2018
1. jetzt ruhig und überlegt handeln
Mein Ratschlag ist: Jetzt halten, Futures auf put und ab September '19 dann kaufen, kaufen, kaufen.
restluft 27.12.2018
2. Trash Journal
hätte, könnte, würde, sowohl als auch, anderseits, unter Berücksichtigung dass, dann wiederum.... Artikel okay, nichts Genaues weiß man nicht, Vorhersagen sind besonders dann schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen, okay, geschenkt aber dafür die definitive Aussage im Titel Börsenaussicht 2019 CRASH in Sicht Leute, Leute, Leute... ist das Journalismus?
freddygrant 27.12.2018
3. Es gibt einen deutschen Klassiker!
Der heißt: Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er zerbricht. Es muss ja nicht schon in 2019 sein Deshalb Prost Capitalism! Wenn es dann soweit ist, haben dies doch alle nicht gewollt und der Intellekt von Donald T. & Co konnte den ganzen Laden auch nicht retten. Aber einen Versuch war es doch allemal wert. Oder?
haraldreile 27.12.2018
4. Erwarte mehr von einem Spiegel Redakteur
Zitat: "Zur Erinnerung: Die australische Wirtschaft wächst seit 27 Jahren ohne Unterbrechung." Nur mal kurz den Chart angeschaut, hat sich nach 2007, "Bankenkrise" quasi halbiert. Dann kann man doch in einem Artikel, in dem es um Aktienanlage geht, sowas nicht schreiben. NUR mal wieder Werbung zu einem möglicherweise ganz schlechten Zeitpunkt.
ronvalentini 27.12.2018
5. Der Crash kommt sicher...
...nur wann ?
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