Börsen-Prognosen: Warum 2012 ein gutes Aktienjahr werden kann

Von

Am Aktienmarkt beginnt das neue Jahr mit kräftigen Kursgewinnen - doch wie es weitergeht, ist kaum vorherzusagen. Experten sind verunsichert wie selten zuvor. Trotzdem kann 2012 ein gutes Jahr an der Börse werden. Fünf Gründe, die dafür sprechen.

Die Bullen sind los: Das Tier gilt bei Börsianern als Symbol der Optimisten Zur Großansicht
DPA

Die Bullen sind los: Das Tier gilt bei Börsianern als Symbol der Optimisten

Hamburg - Folker Hellmeyer sieht sich als Opfer. "Spekulative Kräfte" und die "amerikanisch-angelsächsische Finanzaristokratie" seien dafür verantwortlich, dass sich der Dax im Jahr 2011 nicht dahin bewegt hat, wo Hellmeyer ihn vor zwölf Monaten sah: bei 9000 Punkten. Ein "positives Aktienjahr" hatte der Chefanalyst der Bremer Landesbank damals vorausgesagt, "neue historische Höchstmarken stehen für den Dax auf der Agenda". Es kam bekanntlich anders: Am letzten Handelstag des Jahres standen 5898 Punkte zu Buche - fast 15 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Wer einmal so daneben liegt, wird vorsichtig. In seinem Ausblick auf das Aktienjahr 2012 erstellt Hellmeyer derart viele Szenarien und Bandbreiten, dass von minus 20 Prozent bis Plus 35 Prozent praktisch alles abgedeckt ist. Die "Prognoseunsicherheit" sei "sehr hoch ausgeprägt", schreibt der Finanzmarktexperte.

So wie Hellmeyer ging es in den vergangenen Wochen vielen Aktienexperten: Einerseits verlangen Arbeitgeber und Kunden von ihnen möglichst detaillierte Vorhersagen, wie sich der Markt im neuen Jahr entwickeln wird. Andererseits zeigt sich jedes Jahr aufs Neue, dass solche Prognosen kaum verlässlicher sind als die Kristallkugel einer Wahrsagerin auf dem Rummel. In Zeiten wie diesen, in denen die Kurse stark schwanken, ist die Unsicherheit besonders hoch.

In ihrer Not setzen die meisten Analysten auf verhaltenen Optimismus. Unter 26 in- und ausländischen Banken prognostizieren gerade einmal drei für Ende 2012 einen niedrigeren Dax-Stand als Ende 2011. Der Durchschnitt der Schätzungen liegt bei rund 6500 Punkten - was auch nicht gerade ein Kursfeuerwerk wäre.

Der Start ins neue Jahr war jedenfalls vielversprechender als die Prognosen: Um drei Prozent stieg der Dax Chart zeigen am ersten Handelstag - und schloss bei 6075 Punkten. Das passt zum Trend der vergangenen Wochen: Seit seinem Jahrestief Mitte September hat der deutsche Leitindex 1000 Punkte und damit fast 20 Prozent zugelegt.

Tatsächlich gibt es einige gute Gründe, derzeit auf Aktien zu setzen.

  • Es gibt kaum lohnende Alternativen. Weltweit liegen die Zinsen auf einem historisch extrem niedrigen Niveau. Zinsabhängige und zugleich als sicher wahrgenommene Anlagen wie Bundesanleihen, US-Staatsanleihen, Festgeld oder Tagesgeldkonten werfen deshalb nur mickrige Renditen ab, die oft unter der Inflationsrate liegen. Anleihen anderer Länder wie Italien oder Spanien bieten zwar höhere Zinsen, allerdings gilt die Rückzahlung des Geldes zunehmend als unsicher.
  • Aktien sind Sachwerte - und die sind in unsicheren Zeiten besonders gefragt. Anders als Staatsanleihen oder andere Schuldverschreibungen haben Aktien einen reellen Gegenwert, der Aktionär ist Teilhaber des jeweiligen Unternehmens. Solange das Unternehmen besteht, wird die Aktie also nie ganz wertlos. Viele Experten raten deshalb, auf große, international tätige Konzerne zu setzen, die auch größere Krisen überstehen können.
  • Aktien sind vergleichsweise billig. Als wichtigste Kennzahl an der Börse gilt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Es setzt den aktuellen Aktienkurs in Verhältnis zum erwarteten Jahresgewinn. Historisch betrachtet weisen die meisten Dax-Aktien derzeit sehr günstige Werte auf. Die Autobauer BMW Chart zeigen, Daimler Chart zeigen und Volkswagen Chart zeigen etwa kommen alle auf ein KGV von unter sieben, auch der Energiekonzern RWE Chart zeigen und die Deutsche Bank Chart zeigen erscheinen demnach sehr günstig bewertet. Dieser Eindruck bestätigt sich, wenn man auf das Verhältnis des Aktienkurses zum sogenannten Buchwert schaut, also dem Wert aller Vermögensgegenstände des jeweiligen Unternehmens: Abgesehen von BMW haben alle genannten Unternehmen ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von weniger als eins. Das heißt: Würde man das gesamte Firmenvermögen verkaufen, bekäme man mehr Geld dafür, als der gesamte Konzern derzeit an der Börse wert ist.
  • Aktien werfen auch bei stagnierenden Kursen Gewinne ab. Einige Papiere können sich sogar bei leicht sinkenden Preisen rentieren. Grund ist die Dividende, also die jährliche Gewinnausschüttung an die Aktionäre. Einige Konzerne geben derzeit extrem große Teile an die Anteilseigner weiter. In Deutschland etwa kann man so mit Aktien von RWE 7,6 Prozent pro Jahr verdienen. Auch E.on, die Deutsche Telekom Chart zeigen und der Rückversicherer Munich Re Chart zeigen liefern Dividendenrenditen von mehr als fünf Prozent - vorausgesetzt die Ausschüttung bleibt so hoch wie sie ist.
  • Krisenjahre sind gute Jahre für Aktien. Das klingt zwar paradox, stimmt aber meistens. Aktienkurse sind Frühindikatoren, sie eilen der Konjunkturentwicklung voraus. Zwischen Anfang Januar und Mitte September 2011 ist der Dax um mehr als ein Viertel eingebrochen. Das kann als Vorbote einer leichten Rezession gesehen werden, die einige Ökonomen für Anfang 2012 erwarten. Im Rezessionsjahr selbst könnte es dagegen wieder nach oben gehen. So war es jedenfalls in der Vergangenheit häufig: 2009 etwa schrumpfte die deutsche Wirtschaft um fünf Prozent. Der Dax legte im gleichen Zeitraum um knapp 24 Prozent zu. 2003 betrug das Minus beim Bruttoinlandsprodukt 0,4 Prozent, der Dax stieg um mehr als 30 Prozent. Ähnlich verlief es in den Jahren 1993, 1982 und 1975.

All diese Gründe sprechen dafür, dass 2012 ein gutes Jahr für Aktien wird. Doch es gibt natürlich auch viele Risiken: Was, wenn aus der milden Rezession eine schwere Depression wird? Was, wenn die Euro-Zone auseinanderbricht oder die chinesische Immobilienblase mit einem lauten Knall platzt? Dann fallen die Gewinnerwartungen der Unternehmen schneller als das Laub im Herbst - und aus günstigen Schnäppchen werden überteuerte Aktien, die keiner mehr haben will.

Sicherheitshalber haben viele Analysten solche Szenarien dieses Mal in ihre Prognosen aufgenommen. Die Landesbank Hessen-Thüringen etwa sieht eine Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent, dass der Dax unter die Marke von 4000 Punkten fällt. Auch Folker Hellmeyer möchte auf den schlimmsten Fall vorbereitet sein. Festlegen will er sich allerdings lieber nicht: Wenn die Euro-Zone zerfällt, weiß der Experte, drohe ein "nicht quantifizierbares Abwärtsrisiko".

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 34 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
whocaresbutyou 02.01.2012
Experten rechnen mit minus 20 bis plus 35%... mhm... Würden unsere Fachleute in der Energieversorgung oder der Industrie so arbeiten wie unsere Finanz"experten", wären weite Teile Deutschlands vermutlich bereits unbewohnbar... Ein Experte ist ein Mann, der hinterher genau sagen kann, warum seine Prognose nicht gestimmt hat. (http://zitate.net/zitat_3064.html) Winston Churchill, 30.11.1874 - 24.01.1965
2. Sachwerte, aha
chinga 02.01.2012
Zitat von sysopAktien sind Sachwerte
Aha! Die Zeit der Aktien ist vorbei, auch wenn viele sich daran klammern (müssen). Es handelt sich meiner Meinung nach nur um spekulativen Unsinn — ein Pesudo-Sachwert. Letztlich sind es doch bloß Wettscheine auf ein vermeintliches Versprechen in der Zukunft. Hoffnung und Aberglaube…
3. Aktien sind Eigentumsanteile
Isix 02.01.2012
Zitat von chingaAha! Die Zeit der Aktien ist vorbei, auch wenn viele sich daran klammern (müssen). Es handelt sich meiner Meinung nach nur um spekulativen Unsinn — ein Pesudo-Sachwert. Letztlich sind es doch bloß Wettscheine auf ein vermeintliches Versprechen in der Zukunft. Hoffnung und Aberglaube…
Tatsächlich sind Aktien Eigentumsanteile am Unternehmen. Das ist weit bedeutender als der momentane Wert an den Börsen. China hat das schon erkannt. Tatsächlich ist der momentane Wert an den Börsen nicht ganz so wichtig wenn man, wie China, sehr langfristig investiert und plant. Wer z.b. vor dem 2. Weltkrieg Siemens-Aktien hatte, hat heut immer noch Anteile an diesem Unternehmen, auch wenn 2 neue Währungen und eine Weltwirtschaftkrise dazwischen liegen. Das bedeutet schon was. Das kann so schnell kein anderes Wertpapier. Aber Sie haben schon recht. Wenn man nur auf die Spekulationsseite achtet bzw. nur darauf Augenmerk legt, der legt drauf. Kein Mensch kann heute noch mit den Computersystemen der Banken konkurrieren, die jede Chance für sich nutzen.
4. es gibt keine alternative
schlummi1 02.01.2012
Zitat von sysopAm Aktienmarkt beginnt das neue Jahr mit kräftigen Kursgewinnen - doch wie es weitergeht ist*kaum*vorherzusagen.*Experten sind verunsichert wie*selten zuvor. Trotzdem kann 2012 ein gutes Jahr an der Börse werden. Fünf*Gründe, die*dafür sprechen.** Börsen-Prognosen: Warum 2012 ein gutes Aktienjahr werden kann - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,806787,00.html)
Also wenn dann die eurozone zerfällt, der euro über nacht wertlos wird, verkaufen alle schnell ihre aktien, egal zu welchen preis um bargeld auf einem bankkonto liegen zu haben, bei einer bank die dann pleite ist?? ( bargeld abheben geht ja dann nicht mehr) Nee so blöd ist fast niemand. Glaube eher, und das beweist die relative stärke des aktienmarktes, trotz der untergangsprognosen der analysten, die fast alle ihre aktien verkauft haben, teilweise short sind und seit ca 2 monaten auf den untergang warten, das der markt dann auch steigen wird. Wo soll man sonst seine euros unterbringen? In immobilien welche dann zwangsversteuert ( zwangshypothek ) werden wie schon bei der letzten währungsreform? In bargeld was nix oder nur noch zum teil was wert ist? In gold, welches dann verboten wird ( plötzlich ist man kriminell und ein volksschädling), und auch schwankungen unterliegt? Oder in aktien, am besten im usd raum, die sich innerhalb von sekunden, egal welche währungen es dann gibt, verkaufen lassen. Aktien kann man auch schnell verkaufen und das land verlassen, denn wer weiss was dann kommt. Mit immobilien geht das nicht, deren wert fällt in das bodenlose wenn die richtige regierung kommt und man wird zum buhmann falls man das nicht schon jetzt ist. Ausserdem wenn ich das neidgeschrei in so manchen foren lese........Man sollte es so machen wie die Banken, die den wertlosen europlunder den sie von der EZB fast umsonst bekommen in werthaltige aktien umtauschen.
5. zum Feiern zu früh?
DCWorld 02.01.2012
Die Kanzlerin hat vor einem schwierigen Jahr gewarnt und die Krise bleibt wohl auch 2012 eine und trotzdem hat der DAX heute 3% bei geringen Umsätzen gewonnen. Jetzt schon ein gutes Aktienjahr zu prognostizieren könnte verfrüht sein. Hier ist ein Blick in die Vergangenheit. Quelle: Warum steigt der DAX? » Blog - start-trading.de (http://www.start-trading.de/blog/2012/01/02/warum-steigt-der-dax/) "Im Jahre 2008 fiel der DAX direkt mit dem ersten Tag des neuen Jahres. Damals ausgehend von 8000 Punkten auf unter 6400 Punkte innerhalb weniger Wochen. Dieser Absturz war damals äußert schmerzhaft für die Anleger. 2009 hielt die positive Stimmung nur 3 Tage. Ab dem vierten Handelstag begann der DAX zu fallen. Von 5100 Punkten auf 3600 Punkte. Auch 2010 hielt sich die Euphorie nicht lange. Nach sechs Handelstagen war es soweit. Der DAX fiel unter den Jahreseröffnungskurs und dann noch tiefer. Ausgehend von 6090 Punkten auf 5440 Punkte." Anfang 2011 haben Vermögensverwalter einen Jahresendstand für den deutschen Leitindex bei 7700 Punkte prognostiziert. Das ging wohl gehörig daneben. Mal sehen wie es sich mit der positiven Stimmung dieses Artikels für ein gutes Aktienjahr verhält.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Verbraucher & Service
RSS
alles zum Thema Börsenprognosen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 34 Kommentare
Interaktive Grafik

Gold, Immobilien, Staatsanleihen
Wie krisenfest sind die vermeintlich sicheren Anlagen wirklich? SPIEGEL ONLINE erklärt, wie Sie Ihr Geld am besten durch die Euro-Krise bringen.