Brexit Briten vergeht die Kauflaune - und zwar gründlich

Die Konsumlaune in Großbritannien leidet stark unter dem Brexit-Votum. Laut dem Marktforschungsunternehmen GfK brach die Stimmung unter Verbrauchern so stark ein wie seit 21 Jahren nicht mehr.

Oxford Street in London
AP

Oxford Street in London


Das Verbrauchervertrauen in Großbritannien ist nach dem Brexit-Votum deutlich gesunken. Der Konsumklimaindex des Marktforschungsunternehmens GfK ging um acht Punkte auf minus neun zurück. Dies ist der stärkste Einbruch seit mehr als 21 Jahren. Der Index liegt nun auf dem niedrigsten Niveau seit Dezember 2013.

Die Umfrage der GfK-Marktforscher erfolgte im Zeitraum vom 30. Juni bis 5. Juli, also deutlich nach der Bekanntgabe des Brexit-Votums am 24. Juni.

Einen ähnlich starken Einbruch der Konsumlaune hatte es zuletzt im Dezember 1994 gegeben, als die Kauflaune unter anderem unter einer Erhöhung der Steuern und Sozialabgaben gelitten hatte. In der Umfrage äußerten sich Befürworter eines EU-Verbleibs deutlich pessimistischer als EU-Gegner.

GfK-Experte Joe Staton sprach von einer "Periode der Unsicherheit" in Großbritannien. Bei den Unterindikatoren des Konsumklimas habe es den stärksten Rückgang bei der Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten gegeben.

Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, sagte aber, der Stimmungseinbruch bei den Konsumenten sollte nicht überbewertet werden. Es gebe nur einen begrenzten Zusammenhang zwischen der Konsumlaune und den aktuellen Ausgaben der Verbraucher an den Ladentheken. Für den Fall hingegen, dass sich die Bedenken der Briten über die weitere Entwicklung am Immobilienmarkt verstärken sollten, schätzte Schmieding das Risiko einer Rezession in Großbritannien als sehr hoch ein.

Zuletzt hatten zahlreiche Immobilienfonds in Großbritannien Auszahlungen an die Anleger vorerst ausgesetzt und die Furcht vor einer Krise auf dem Immobiliensektor geschürt. Zuvor hatte sich bereits die Stimmung im britischen Dienstleistungssektor laut dem Forschungsinstitut Markit im Juni stärker als erwartet eingetrübt. Die Umfrage wurde allerdings noch größtenteils vor der Brexit-Entscheidung durchgeführt. Markit-Chefökonom Chris Williamson warnte vor einer möglichen Schrumpfung der Wirtschaft in den kommenden Monaten.

asa/dpa/AP/Reuters

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insgesamt 15 Beiträge
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Freidenker10 08.07.2016
1.
Die Briten werden schon einen Weg finden die Volkabstimmung zu ignorieren! Das Land scheint ja förmlich zu verelenden ohne die EU und das obwohl man ja noch drin ist...
geotie 08.07.2016
2. Soll nicht überbewertet werden?
Der Kunde gibt der Wirtschaft eine Berechtigung. Wenn der nichts kauft, lohnt sich die Herstellung der Produkte nicht, braucht dann keine neue Herstellerausrüstung, keine Mitarbeiter die dann nichts kaufen und die Misere noch weiter verstärkt. Was ist wohl wichtiger? Der Käufer oder der Hersteller?
thorsten.munder 08.07.2016
3. meine Kauflaune
ist schon seit Gerhard Schröders Agenda 2010 vergangen , vielleicht ist das ja jetzt der kommende Zeitgeist das wir wieder wie Menschen Leben und uns um Sachen kümmern die wirklich wichtig sind , um Menschlichkeit zum Beispiel , und nicht Shopping gehen !
fottesfott 08.07.2016
4. Plausibel
Arbeitslose Investmentbanker und Fondmanager kaufen mit einem deutlich abgewerteten Britischen Pfund keine BMW, Mercedes oder Porsche. D.h. man kann auch das zu erwartende Geheule der deutschen Autolobby um ihre Absatzmärkte im Rahmen der bevorstehenden Austrittsverhandlungen um den (Nicht-) Zugang zum Binnenmarkt getrost relativieren, dafür bleiben wir in EU-Europa vielleicht ein Stück weit von den fabelhaften Produkten der englischen Finanzdienstleistungsbranche verschont...
Worldwatch 08.07.2016
5. Früher überhöhter Optimismus ...
... nun übersteigerter Pessimismus. Ganz normaler Irrsinn ?der Märkte?.
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