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Brisante Studie: So teuer sind Aktienfonds wirklich

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1,3 Billionen Dollar! Diese gewaltige Summe vernichtet die globale Fondsindustrie nach einer unveröffentlichten Studie pro Jahr. Nach dem Prinzip "Wenig Leistung, hohe Kosten" werden Privatanlegern Jahr für Jahr fürstliche Gebühren abgenommen. Dabei geht es deutlich günstiger - und besser. 

Börse: Viele Anleger gucken nur auf die Kurse, aber nicht auf die Kosten Zur Großansicht
dpa

Börse: Viele Anleger gucken nur auf die Kurse, aber nicht auf die Kosten

Hamburg - Der Name der Studie ist nicht gerade kreativ, der Inhalt allerdings mehr als brisant: Vor kurzem zitierte die "Financial Times" ("FT") aus der bislang unveröffentlichten Untersuchung "Financial Markets 2020". Darin knöpfen sich Forscher des "IBM Institute for Business Value" eine Branche vor, die nach Meinung von Kritikern mit sehr viel Aufwand eher wenig Ertrag liefert - sich das bescheidene Ergebnis ihrer Arbeit aber fürstlich entlohnen lässt.

1,3 Billionen Dollar Wert vernichte die Geldindustrie pro Jahr, so die IBM-Forscher laut "FT". Diese Summe entspricht immerhin knapp zwei Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Angesichts dieser kollektiven Euro- und Dollarverbrennung liegt der Schluss nahe: Fondsmanager produzieren extrem teure, heiße Luft.

Die IBM-Experten, die 2600 Sachkundige in mehr als 80 Staaten befragt haben, kalkulieren für den Großteil ihrer unvorteilhaften Rechnung vereinfacht gesagt so: Die Fondsindustrie lebt vor allem von den Gebühren ihrer Kunden. In der Regel erhält das Management einen gewissen Prozentsatz vom verwalteten Vermögen als Provision. Im Gegenzug sichert es eine bestimmte Rendite zu. Weil diese oft nicht erreicht wird, könnte man auch von Verschwendung sprechen.

Nur 15 Prozent der Fonds sind besser als der Markt

IBM hat mit seinen Berechnungen erstmals den weltweiten Schaden geschätzt, den die Investmentbranche anrichtet. Aber der IT-Konzern geht noch einen Schritt weiter - und prognostiziert der Finanzindustrie eine düstere Zukunft. Kunden seien nicht mehr lange bereit, diesen "unhaltbaren" Zustand zu akzeptieren. Deshalb würden viele Fondsmanager, Analysten, Händler und Vertriebler ihren Job verlieren.

Ob es wirklich so weit kommt, ist aus heutiger Perspektive zumindest fraglich. Immerhin kann sich die Branche bislang auf eines verlassen: recht träge Privatanleger. Gerade in Deutschland. Eigentlich hat IBM mit seiner Studie nur eine besonders pointierte Antwort auf die Frage gegeben, die sich die meisten Experten seit langem stellen: Warum soll man einem selbsternannten Profi viel Geld dafür zahlen, dass er durchschnittlich arbeitet?

Auch Andreas Beck sieht keinen Grund für ein solches Verhalten. Er leitet das Münchner Institut für Vermögensaufbau und hat am Mittwoch eine Studie veröffentlicht, die der hiesigen Branche - mal wieder - ein bescheidenes Zeugnis ausstellt: Nur gut 40 Prozent der Manager eines Deutschlandsfonds schneiden demnach über zehn Jahre besser ab als ihre selbst gesetzte Benchmark. Mit anderen Worten: Trotz immensen Aufwands gelang es nicht einmal jedem Zweiten von ihnen, eine höhere Performance als der Dax zu erzielen.

Blickt man bis ins Jahr 1990 zurück, haben sogar nur 15 Prozent den Leitindex geschlagen. Selbst dieser bereits bescheidene Wert ist wahrscheinlich noch schmeichelhaft. Der Großteil der mies gelaufenen Fonds dürfte in der Zwischenzeit vom Markt verschwunden sein.

15 Euro Kosten statt 175 Euro

Es ist ein sehr menschliches Phänomen, deutlich besser als der Durchschnitt sein zu wollen - und an dem Ziel zu scheitern. Allerdings gehört eine gehörige Portion Chuzpe dazu, sich dafür vom Kunden auch noch üppig entlohnen zu lassen.

Ein Deutschlandfonds kostet den Anleger laut Becks Berechnungen pro Jahr rund 1,75 Prozent Verwaltungsgebühren. Wer im Jahr 2000 für 10.000 Euro ein solches Produkt gekauft hat, ist bis heute um 17,5 Prozent seiner Anlagesumme erleichtert worden, hat also 1750 Euro an die Fondsgesellschaft gezahlt.

Von der langfristigen Wertsteigerung des Dax zu profitieren, ist deutlich günstiger zu haben: mit börsengehandelten Indexfonds, den sogenannten Exchange Traded Funds (ETF). Dabei handelt es sich um Produkte, die erst gar nicht den Anspruch erheben, besser als der Markt zu sein. Ein Dax-ETF bildet den Index eins zu eins ab - und das für Mini-Gebühren in Höhe von 0,15 Prozent, also nicht einmal einem Zehntel der regulären Fondskosten.

Wer einen solchen ETF für 10.000 Euro kauft, zahlt pro Jahr magere 15 Euro und hat die Sicherheit, dass sich seine Anlage zumindest so entwickelt wie der Index selbst. Die Wahrscheinlichkeit, dass man mit diesem "Keep it simple and stupid"-Prinzip über einen Zeitraum von zehn Jahren besser abschneidet als irgendein Fondsmanager, liegt bei fast 60 Prozent. Bei einem Zeitraum von 20 Jahren steigt sie sogar auf 85 Prozent.

Folgenreiches Desinteresse

Keine Frage: ETFs sind langweilige Produkte. Sie machen keine großen Versprechen. Allerdings halten sie diese wenigstens ein. Bleibt nur die Frage, warum Privatanleger zumeist dennoch den unerfüllten Marketingsprüchen der Fondsgesellschaften ("Da ist mehr für Sie drin") folgen.

"Die meisten Sparer haben keine Lust, sich mit der Anlage ihres Geldes selbst zu beschäftigen. Deshalb meiden sie ETFs und nehmen am Ende doch die Produkte, die ihnen vermeintlich unabhängige Berater empfehlen", sagt Finanzprofi Beck.

Das Desinteresse hat Folgen. Die Privatinvestoren sind Banken und Strukturvertrieben ausgeliefert. Und für diese sind sie Mittel zum Zweck. Die Mitarbeiter haben nur ein geringes Interesse, dem Kunden das beste Produkt zu verkaufen. Eher schielen sie auf das teuerste. In der Regel bedeutet dies: Fonds statt ETFs.

Vorwerfen kann man dieses Verhalten den Vertrieblern kaum. Sie leben von den Provisionen - und die Anleger wollen für eine wirklich unabhängige Beratung nicht zahlen. Zumindest nicht direkt. Indirekt blechen sie natürlich über die horrenden Gebühren.

Und die steigen auch noch. "Die durchschnittliche Vertriebsvergütung bei Fonds ist in den vergangenen zehn Jahren um 25 Prozent gestiegen", sagt Experte Beck. Eine Entwicklung, die jeder ökonomischen Theorie widerspricht. Denn es kommen immer mehr Fonds auf den Markt. Und normalerweise gilt: Je mehr Wettbewerb es gibt, desto niedriger sind die Kosten für die Kunden.

IBM rudert zurück

Nur betrachten die Fondsgesellschaften nicht den Privatanleger als ihren eigentlichen Kunden, sondern den Vertriebsmitarbeiter. Das hat damit zu tun, dass die Produkte sehr aktiv verkauft werden müssen. Niemand wacht nachts auf und erschrickt: "Oh mein Gott, ich muss mein Geld besser anlegen." Damit ein normaler Mensch auf diesen Gedanken kommt, braucht es schon den besorgten Bankerblick mitsamt der Aufforderung "Wir müssen da was tun".

Damit die Verkaufsmaschinerie bei einem immer größeren und unübersichtlicheren Angebot läuft, zahlen die Fondsgesellschaften dem Vertrieb immer höhere Provisionen. Und erfinden ständig neue Trends - schließlich soll das Depot ja auch fleißig umgeschichtet werden. So ist mal Wein in, dann Wasser und schließlich Wald.

Wer diesen Marktmechanismus verstanden hat, dem ist klar: Einen Wandel wird es nur geben, wenn die Kunden ihn massenhaft einfordern - also in ETFs investieren oder bei gemanagten Fonds strikt auf die Kosten achten. Von sich aus wird sich die Branche nicht ändern. Dafür ist der Status quo viel zu komfortabel.

Und der Einfluss der Finanzindustrie ist groß. Zumindest drängt sich der Verdacht auf, dass ihn IBM bereits zu spüren bekommen hat. Denn der Konzern scheint sich mit den Ergebnissen seiner eigenen Untersuchung nicht mehr ganz wohl zu fühlen. Immerhin ist die Finanzindustrie auch für den IT-Konzern ein wichtiger Auftraggeber.

Auf Bitte von SPIEGEL ONLINE, Einblick in das Dokument zu erhalten, heißt es vielsagend knapp: "IBM hat diese Studie nicht veröffentlicht, es handelt sich um nicht validierte, ungeprüfte Daten."

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    Seite 1    
1. Geld muss wandern
Bala Clava 05.05.2011
Zitat von sysop1,3 Billionen Dollar! Diese gewaltige*Summe vernichtet die globale Fondsindustrie*nach einer unveröffentlichten Studie pro Jahr.*Nach dem Prinzip "Wenig Leistung, hohe Kosten" werden Privatanlegern Jahr für Jahr fürstliche Gebühren abgenommen. Dabei geht es*deutlich günstiger - und besser.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,760899,00.html
"Vernichten" kann man Geld nicht. Nur umschichten. Geld wandert von einer Tasche in eine andere. Das ist nun mal seine Natur. Es gibt Trost: "Ihr Geld ist nicht weg. Es hat nur jemand anders."
2. Oh Mann...
Gani, 05.05.2011
Könnte die Ökonomische Laienbrigade hier bei SPON endlich davon absehen von "Vernichtung" im Zusammenhang mit Geld und Finanzmärkten zu schreiben? Bitte!? Geld wird nicht vernichtet, es wechselt nur den Besitzer...
3. ...
Berliner-030 05.05.2011
Was heißt hier "vernichten"? Das Geld wird nicht vernichtet sondern wandert einfach in die Taschen der Fondsanbieter. Viele Fonds sind ja extra dafür gemacht worden. Aber solange sich die Schafe den Mist von ihrem "Anlageberater" andrehen lassen ... läuft das Geschäft prächtig weiter. Selbst Schuld - die Schafe.
4. ...
Neurovore 05.05.2011
Zitat von sysop1,3 Billionen Dollar! Diese gewaltige*Summe vernichtet die globale Fondsindustrie*nach einer unveröffentlichten Studie pro Jahr.*Nach dem Prinzip "Wenig Leistung, hohe Kosten" werden Privatanlegern Jahr für Jahr fürstliche Gebühren abgenommen. Dabei geht es*deutlich günstiger - und besser.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,760899,00.html
Das Geld verschwindet doch nicht, das wandert ganz einfach in die Taschen der involvierten Trickbetrüger. Bei einem Hütchenspieler sagt man doch auch nicht, der "vernichtet" die eingesetzten 50 Euro. Der "ergaunert" die sich...
5. ---
olleolaf 05.05.2011
Welche Neuheit. Daß da virtuelles Geld über den Planeten getreten merkt keiner? Da wird ganz frech mit nicht vorhandenen Werten gehandelt...
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