Hamburg - Burnout ist auch eine Smartphone-Pushmail-Ständig-zur-Stelle-Krankheit: Gerade die Leistungsfähigen sind die Opfer. Nicht die Faulen leiden daran, sondern die Engagierten und Leistungswilligen, die an ihren eigenen Ansprüchen scheitern. Der Burnout-Forscher Matthias Burisch nennt sie die "Selbstverbrenner".
Neben der Verdichtung der Arbeit meldet sich Facebook, laufen E-Mails ein und wollen Messenger-Nachrichten beantwortet werden. Schon heute werden Büroarbeiter im Schnitt alle elf Minuten unterbrochen, weil das Telefon klingelt oder Outlook Alarm schlägt. Arbeitnehmer zwischen 30 und 50 Jahren sind besonders gefährdet.
Interessanterweise trifft Burnout Frauen häufiger als Männer. Sie arbeiten für die Karriere, für die Familie und versuchen zu vereinbaren, was oft nicht gelingen kann: ständige Erreichbarkeit, Kinder, perfekte Partnerschaft, Freunde, ein eigenes Haus. Und so weiter.
Dabei ist Burnout hinterhältig: Die Störung tritt plötzlich auf, entwickelt sich aber langsam. Der Verursacher ist der Stress. Und dieser beginnt im Kopf. Dort bleibt er lange unbemerkt, vielleicht spornt er zuerst sogar zu noch höheren Leistungen an. Denn der Körper schüttet permanent und auf hohem Niveau Stresshormone aus, die anfänglich aufputschen.
Doch wenn die Erfolgserlebnisse ausbleiben oder vor lauter Schnelllebigkeit nicht mehr wahrgenommen werden, nagt dies an der Gesundheit - unbemerkt, bis der Körper irgendwann sagt: "Schluss! Ich kann nicht mehr."
Und dann sind sie da, die Leere und die totale Erschöpfung. Man fühlt sich ständig müde, schwach, matt, hat häufig Kopfschmerzen, Verdauungs- oder Schlafstörungen. Zudem nimmt die Reizbarkeit zu. Wer nicht handelt, leidet schnell an Folgekrankheiten: Herz-Kreislauf, sexuelle Funktionsstörungen oder schwere Depressionen.
Auf Warnungen des Körpers hören und rechtzeitig gegensteuern
Allein zwischen 1997 und 2004 haben die seelischen Leiden am Arbeitsplatz um 70 Prozent zugenommen. Jeder fünfte Deutsche zeigt inzwischen typische Stresssymptome wie Kopfschmerzen, Herzrasen, Schlafstörungen oder Durchfall. Jeder zehnte Fehltag soll bereits auf das Konto von Stress gehen.
Obwohl die Krankenstände seit 1991 rückläufig sind, schnellten die psychisch bedingten Fehlzeiten um 33 Prozent in die Höhe. Jüngste Schätzungen gehen davon aus, dass bundesweit rund neun Millionen Menschen vom Burnout-Syndrom betroffen sind.
86 Prozent der Führungskräfte sehen Burnout allgemein als wichtiges Thema in Unternehmen; 67 Prozent halten es auch in ihrer Firma für bedeutsam. Der Unterschied von fast 20 Prozentpunkten weist auf die nächste Schwierigkeit hin: So wie die anderen mehr Alkohol trinken als man selbst, haben natürlich die anderen auch viel mehr Burnout-Probleme.
Und genau das ist das Problem: Viele erkennen ihr eigenes Ausbrennen erst, wenn es zu spät ist. Umso wichtiger ist es, auf Warnsignale des Körpers zu hören und rechtzeitig gegenzusteuern.
Was tun?
Es beginnt mit ein paar Fragen:
Die Gegenstrategie klingt platt, hilft aber:
Fazit: Ständiges Grübeln hält das Stresslevel auf konstantem Niveau - unabhängig vom Ereignis.
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