Weltweites Allzeithoch Warum die Butter plötzlich so teuer ist

Steigende Lebensmittelpreise treiben die Inflation in die Höhe. Vor allem Butter kostet 60 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Im Winter könnten Lieferengpässe drohen.

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Von manager-magazin.de-Redakteur


Noch vor Kurzem protestierten Landwirte, weil sie zu wenig Geld für ihre Milch bekamen - und plötzlich sind es gerade die Preise für Molkereiprodukte, die die Inflation besonders stark antreiben. Allen voran: Butter.

Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte, ist die Inflationsrate in Deutschland im Juni auf 1,6 Prozent gestiegen, gegenüber 1,5 Prozent im Vormonat. Das klingt zunächst nicht dramatisch. Ein Blick auf einzelne Faktoren lässt aber aufmerken: Treiber der Preissteigerungen seien insbesondere Nahrungsmittel, so die Statistiker. So seien die Preise von Milchprodukten allgemein binnen eines Jahres um mehr als 13 Prozent gestiegen.

Besonders stark ging es dabei mit dem Butterpreis aufwärts: Er legte laut Statistischem Bundesamt innerhalb der vergangenen zwölf Monate um etwa 60 Prozent zu.

Keine Butter an Heiligabend?

Tatsächlich müssen keineswegs nur die Deutschen für den fettigen Brotaufstrich immer tiefer in die Tasche greifen. Bei der Butterverteuerung handelt es sich vielmehr um ein internationales Phänomen: Im Juni erreichte der von der UN Food and Agricultural Organization (FAO) beobachtete Butterpreis weltweit ein Allzeithoch, berichtet die "Financial Times".

Der Zeitung zufolge wollen Bäckereien in Frankreich deshalb schon die Preise für Croissants und anderes butterhaltiges Backwerk erhöhen. In Großbritannien sei die Bevölkerung zudem kürzlich vom Chef des dänisch-schwedischen Molkereikonzerns Arla vorgewarnt worden: Es könne sein, dass zu Weihnachten nicht genug Butter zur Verfügung stehe.

Ganz Europa, so schreibt die "Financial Times", steht vor der Gefahr der Butterknappheit.

Grund genug also, sich die wichtigsten der vielfältigen Ursachen für diese Marktentwicklung einmal genauer anzuschauen:

  • Die aktuelle Butterverteuerung kann nicht nur auf den ersten Blick verwundern, angesichts der noch vor Kurzem von Landwirten beklagten niedrigen Milchpreise - sie hängt vielmehr auch direkt damit zusammen. Hintergrund ist die Liberalisierung der europäischen Milchmärkte von Seiten der EU im Jahr 2015. Mit dem Wegfall der Quoten für die Milcherzeugung stieg schlagartig das Angebot und die Preise rauschten in den Keller. Das zwang nicht wenige Milchbauern zur Aufgabe - und deren Produktion fehlt nun.

  • Aus dem gleichen Grund haben Milchbetriebe laut "Financial Times" heute Probleme junge Kühe zu finden, mit denen sie ihre Produktionskapazitäten angesichts der gestiegenen Preise ausbauen können: Auch die Viehbestände wurden im Laufe der Preisbaisse dezimiert - und neue Jungtiere heranzuziehen braucht naturgemäß seine Zeit.

  • Auch die Exporteinschränkungen aufgrund der Sanktionen des Westens gegenüber Russland im Zusammenhang mit dem Streit um die Ukraine haben die Situation der Milchbauern in den vergangenen Jahren beeinträchtigt.

  • Einen wichtigen Einfluss auf die Angebotsverknappung auf den weltweiten Milchmärkten hat zudem das Wetter. Große Produktionsländer wie Australien und Neuseeland konnten in jüngster Zeit witterungsbedingt längst nicht so viel Output liefern, wie noch im vergangenen Jahr. Laut FAO hat dies die Exportmöglichkeiten aller großen Milcherzeugerländer eingeschränkt und die Preise ebenfalls in die Höhe getrieben.
  • Auf der anderen Seite steigt stetig die Nachfrage nach Butter. Laut Kevin Bellamy, Experte der Rabobank, gibt es sogar einen strukturellen Anstieg der Butternachfrage weltweit. "Die Leute greifen immer mehr zur Butter und verarbeiten sie auch verstärkt in industriellen Lebensmittelprodukten", sagt Bellamy der "FT". Mit dazu beigetragen haben dürften jüngste Studien, denen zufolge der Einfluss des Butterkonsums auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen möglicherweise geringer ist als gedacht, so die Zeitung weiter. Auf der anderen Seite habe es zuletzt auch "schlechte Presse" über die angeblichen Gesundheitseffekte vegetarischer Brotaufstriche gegeben.

  • Ohnehin können Milchbauern und Molkereien aufgrund der gestiegenen Butterpreise kaum von heute auf morgen die Butterproduktion beliebig steigern. Sie müssen ihre Abnehmer vielmehr weiterhin mit einem Mix verschiedener Milchprodukte beliefern. Das setzt der Flexibilität des Butterangebots ebenfalls Grenzen.

  • Es gibt bei der Butter praktisch auch keine Lagerbestände, auf die zum Ausgleich von Lieferengpässen zurückgegriffen werden könnte. Die anhaltend hohe Nachfrage hat vielmehr bereits dazu geführt, dass die Lager weitgehend leer sind, schreibt die "FT".

Für die Zukunft erwarten die Experten zunächst weiterhin Aufwärtsdruck auf den Butterpreis. Der Preis werde zwar in einigen Monaten wieder sinken, sagt etwa Experte Bellamy. Auf frühere Niveaus werde er aber kaum zurückkehren.

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Verbraucherpreise: Butter teurer, Gemüse günstig


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