Geldanlage Früher war alles besser

Was schon im Auto nicht funktioniert, klappt auch bei der Geldanlage nicht: Mit dem ständigen Blick in den Rückspiegel nach vorne fahren. Wer auf prominente Fondsmanager setzt, die in der Vergangenheit erfolgreich waren, legt die Basis für miese Renditen.

Von Christian Kirchner

Fondsmanager Carmignac: Vier Jahre schlechter als sein Vergleichsindex
Getty Images

Fondsmanager Carmignac: Vier Jahre schlechter als sein Vergleichsindex


Für gute Tipps zur Geldanlage braucht man eigentlich nur einen Termin im Jahr: Man fahre Ende Januar zum Mannheimer Fondskongress, der seit Jahren wichtigsten Veranstaltung der Geldverwalterszene in Deutschland. Man flaniere an den Ständen der Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter vorbei und lausche den Vorträgen und Diskussionen.

Und mache dann einfach das Gegenteil dessen, was dort empfohlen wird.

So vermeidet man das Kernproblem der Geldanlage: Den ständige Blick in den Rückspiegel, um zu wissen, wie man vorwärts fahren soll. Denn Anleger tendieren dazu, ihr Geld in Strategien zu stecken und Managern anzuvertrauen, die in der Vergangenheit erfolgreich gewesen sind. Das wissen natürlich auch die Anbieter, die daran ihre Vertriebs- und Beratungsoffensiven ausrichten. Diese Rückwärtsgewandtheit der Investoren liefert allerdings langfristig miese Erträge und ist in die Kapitalmarktforschung als "Dummes-Geld-Effekt" eingegangen.

2009 etwa - und damit wenige Wochen vor der Wende an den Märkten nach oben - drehte sich beim Mannheimer Fondskongress alles um Absicherung und Verlustvermeidung. In den Jahren 2010 bis 2012 wiederum wurde die Veranstaltung dominiert von Edelmetallen und Schwellenländer-Engagements - beides Anlagen, die zuletzt viel Kummer bescherten.

Taugen die Gurus von gestern auch für die Zukunft?

Die personelle Betrachtung ist nicht minder interessant. Denn im deutschen Markt für Investmentfonds prägen seit Jahren drei Männer das Geschehen, wenn es um Mittelzuflüsse und den "Starfaktor" mit berstend vollen Vortragssälen geht: Édouard Carmignac, Luca Pesarini und Bert Flossbach. Die drei investieren mit ihren Top-Fonds frei über verschiedene Anlagenklassen wie Aktien und Anleihen hinweg - und konnten so die Verluste für Anleger in der Finanzkrise begrenzen. Das spülte sie an die Spitze der Performance-Ranglisten und verschaffte ihnen ab 2009 einen immensen Schub in der Popularität. Insgesamt verwalten die drei in ihren Flaggschiff-Fonds zusammen 33 Milliarden Euro.

Doch taugen die Gurus von gestern auch für die Zukunft?

Am hellsten strahlt derzeit noch der Stern des Kölner Vermögensverwalters Bert Flossbach: Er scheut sich zwar, seinen Multiple-Opportunities-Fonds an einem Vergleichsindex zu messen. Das dürfte Anlegern aber egal sein angesichts eines durchschnittlichen jährlichen Ertrags von knapp zehn Prozent seit Auflage 2007. Zuletzt belastete indes Flossbachs Faible für Gold den Ertrag etwas, so dass für die letzten zwölf Monate trotz sehr stark gelaufener Börsen nur ein schmales Plus von vier Prozent zu Buche steht.

Luca Pesarini erwirtschaftete für die Anleger über die letzte Dekade hinweg 7,4 Prozent pro Jahr bei nur sehr niedrigen Schwankungen. Seit 2011 aber blieb der Geldverwalter mit seinem wichtigsten Fonds Ethna Aktiv E zuletzt drei Jahre in Folge jeweils hinter dem Vergleichsindex zurück, an dem er sich messen lässt.

Beim Mischfonds Carmignac Patrimoine von Édouard Carmignac wiederum fällt die Langfristbilanz - 6,8 Prozent pro Jahr über ein Jahrzehnt hinweg - ebenfalls sehr gut aus. Doch 2013 schloss der Fonds bereits das vierte Jahr in Folge schlechter als sein Vergleichsindex ab, dem er mal einen halben, mal über acht Prozentpunkte hinterher hinkte.

Schlechte Jahre gehören auch bei guten Verwaltern dazu

Die spöttische Interpretation einer solchen Entwicklung: Es gibt in Deutschland rund 11.500 Investmentfonds. Unterstellen wir, dass jeder jedes Jahr eine 50-Prozent-Chance hat, seinen Vergleichsindex zu schlagen, dann bringt alleine der Zufall vermutlich rund ein Dutzend "Genies" hervor, die zehn Jahre in Folge jedes Jahr den Index geschlagen haben und in Mannheim die Säle füllen. Denn lässt man 11.500 Leute zum Münzwurf antreten, werden einige auch zehnmal hintereinander "Zahl" werfen. Für den elften Wurf (oder das elfte Jahr) heißt dies allerdings gar nichts.

Die sachliche Interpretation: Der Zusammenhang zwischen einem überdurchschnittlichen Ertrag eines Fonds in der Vergangenheit und den Mittelzuflüssen sowie künftigem Abschneiden ist empirisch gut erforscht: Das Geld fließt in gute Produkte der Vergangenheit - die jedoch bergen geringere Chancen auf künftige überdurchschnittliche Erträge als alle anderen Fonds (hier mehr dazu). Weil sich Prozyklik selten auszahlt und Manager ihre Leistungen oft nur mit kleinerem verwalteten Vermögen erbringen können oder die Gebühren im Rausch des Erfolges steigen.

Bleibt die Frage: Was waren die Trends des Mannheimer Fondskongresses in diesem Jahr? Den roten Faden durch viele Vorträge und Debatten bildeten unverändert attraktive Aktienmärkte und die niedrigen Zinsen, die gewiss noch lange Zeit so niedrig bleiben würden. Ein starker Anstieg der Zinsen oder der Zahlungsausfälle scheint für die Profis nicht wirklich denkbar.

Das sollte Anlegern eine Warnung sein.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fd53 02.02.2014
1. meine Evelyn
hat da ja auch 9 Jahre (von Mitte 1995 bis Ende 2004) mitgemischt. Ab Beginn an extrem erfolgreich, wodurch Sie recht bald absolut freie Hand hatte. Ihr Rezept? Sie hat es mir so erklärt "entweder man hat es im Blut - oder man hat es nicht". Ihr immer richtiger Riecher blieb auch für Ihre Kollegen ein absolutes Rätsel. Aber alles ist relativ: im Hintergrund erstellten mitunter über 100 Mitarbeiter blitzartig ihr die angeforderten Zuarbeiten. Die Entscheidungen traf sie aber allein. Oftmals war die Entscheidung ein Schockerlebnis für ihre Chefs. Aber wenn sich dann trotzdem wiederum ein absoluter Erfolg einstellte, dann strahlten natürlich ihre Chefs am hellsten. * Für mich selbst ist das alles viel zu aufregend.
kuac 02.02.2014
2. optional
Wenn man das Gegenteil von dem macht, was die Analisten empfehlen, fährt man unter dem Strich besser.
whocaresbutyou 02.02.2014
3. Die Crux der gewerblichen Geldvermehrer...
Wenn jemand mir anbietet mein Geld zu vermehren stellt sich doch sofort die Frage: Warum macht der es nicht mit seinem eigenen Geld? Warum begnügt der sich mit einem Anteil, wenn er alles haben könnte? Die Antworten sind simpel... Weil er Geld dafür bekommt, auch wenn er schlecht arbeitet. Weil das Hauptrisiko beim Kapitalgeber liegt. Weil 100% der Gebühren mehr sind als 3% von nichts... Mit anderer Leute Geld ist eben gut spielen ;o)
hokie 02.02.2014
4.
Zitat von kuacWenn man das Gegenteil von dem macht, was die Analisten empfehlen, fährt man unter dem Strich besser.
Wenn man sich selbst um die eigene Geldanlage kuemmert hat man natuerlich andere Vorteile und Nachteile als wenn man sein Geld einem Aktienfond oder Anlageberatern anvertraut. Keine (Vermittler)Provisionen, hoehere Rendite da eben keine Vermittler vorhanden sind die "ihren Anteil" angreifen; und man versteht idR (muss verstehen) in was man gerade investiert! (wer sein Geld zB in Anleihen, Sprintzertifikate oder oder steckt und nicht weiss was er da gerade getan hat, nunja selber schuld...) Man hat groesseren Freiraum seinen moralischen Kompass zu halten (so den man einen hat); zB keine Geldanlage in Waffen, Tabak, Nuklearenergie oder Wasser etc pp Das gaaanz grosse ABER fuer den typischen Deutschen und Hauptargument gegen eine selbstbestimmte Geldanlage ist vermutlich, dass man niemandem hat dem man im Schadensfall die Schuld zuschieben kann! (abgesehen von sich selbst natuerlich ...)
kuac 02.02.2014
5. Leistung
Zitat von fd53hat da ja auch 9 Jahre (von Mitte 1995 bis Ende 2004) mitgemischt. Ab Beginn an extrem erfolgreich, wodurch Sie recht bald absolut freie Hand hatte. Ihr Rezept? Sie hat es mir so erklärt "entweder man hat es im Blut - oder man hat es nicht". Ihr immer richtiger Riecher blieb auch für Ihre Kollegen ein absolutes Rätsel. Aber alles ist relativ: im Hintergrund erstellten mitunter über 100 Mitarbeiter blitzartig ihr die angeforderten Zuarbeiten. Die Entscheidungen traf sie aber allein. Oftmals war die Entscheidung ein Schockerlebnis für ihre Chefs. Aber wenn sich dann trotzdem wiederum ein absoluter Erfolg einstellte, dann strahlten natürlich ihre Chefs am hellsten. * Für mich selbst ist das alles viel zu aufregend.
1995 bis 2000 stieg der DAX Performance Index von 2500 auf 8000. während dieser Zeit könnte jeder Depp an der Börse Geld verdienen. Ab 2000 bis 2003 fiel der Index wieder auf 2500. Entscheidend ist was Ihr Evelyn während dieser Zeit geleistet hatte?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.