Coffee-to-go-Trend München startet Kampagne gegen Pappbecher

Rund drei Milliarden Einwegbecher landen jedes Jahr in deutschen Mülleimern, die Stadt München will das nun ändern - unter anderem mit vier Meter hohen Riesenbechern als Mahnmale.

Symbolbild
imago/ Frank Sorge

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Die Stadt München sagt umweltschädlichen Einwegbechern den Kampf an. Der Stadtrat beschloss am Dienstag einstimmig eine Kampagne zur Vermeidung von Müll durch Pappbecher, wie eine Sprecherin des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM) sagte. Der AWM hatte das "Konzept zur Eindämmung der Coffee-to-go-Becherflut" ausgearbeitet, das die Münchner zum Umstieg auf Mehrwegbecher bewegen soll.

Die Stadt will die Bürger mit verschiedenen Marketingmaßnahmen erreichen: Mit Plakaten, Radiospots und vier Meter hohen Coffee-to-go-Riesenbechern. Die sollen an zentralen Standorten darauf aufmerksam machen, "wie groß das Müllproblem Einwegbecher ist". Das Volumen der Riesenbecher entspricht den etwa 190.000 Wegwerfbechern, die nach Schätzung des AWM täglich in München verbraucht werden und für deren Herstellung "gewaltige Mengen an Holz, Kunststoff, Wasser und Energie" nötig seien.

Um die Münchner von umweltfreundlicheren Alternativen zu überzeugen, will der AWM für die Initiative bis 2019 etwa 700.000 Euro ausgeben. Die Stadtverwaltung soll mit gutem Beispiel vorangehen und Einwegbecher aus ihren Cafeterien und Kantinen verbannen und stattdessen Mehrweg- oder Pfandsysteme einführen. Der Münchner Stadtrat wolle diese Regelung außerdem auf die Verkaufsstellen von staatlichen und universitären Einrichtungen ausweiten, sagte die AWM-Sprecherin.

Nach Schätzungen der Deutschen Umwelthilfe werden bundesweit pro Jahr fast drei Milliarden Einwegbecher für Coffee to go verbraucht, hinzu kommen Zubehör wie Plastikdeckel, Rührstäbchen und Strohhalme. Nach wenigen Minuten Gebrauch landet das alles im Müll und lässt in vielen Innenstädten die Abfallbehälter überquellen. Das belastet nicht nur die Umwelt, sondern auch die Abfallwirtschaft der Kommunen.

Eine ganze Reihe von Initiativen kämpft mittlerweile für die Eindämmung der Becherflut. In Freiburg etwa lief im vergangenen November ein Pfandsystem an: In mittlerweile rund 80 Cafés und Bäckereien können sich die Kunden ihren Kaffee auch in eigens dafür ausgegebene Pfandbecher füllen lassen, für die sie bei Rückgabe einen Euro erstattet bekommen.

Die Münchner Umweltaktivistin Julia Post hat bundesweit rund 400 Betriebe für ihre Initiative "Coffee to go again" gewonnen, in denen Kunden mit ihren eigenen Bechern und Tassen willkommen sind und teils einen Rabatt auf ihr Heißgetränk erhalten. Aber auch große Unternehmen wie McDonalds, Tchibo oder Starbucks schenken den Kaffee auf Wunsch in mitgebrachte Mehrwegbehälter aus. Die passenden Becher werden teilweise gleich mit angeboten.

beb/dpa

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