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Designer von "New Fuckin' York": Von Prosselsheim nach Manhattan

Von , New York

Der Slogan "New Fuckin' York" und Talent zur Selbstvermarktung: Damit gründete Daniel Kirch in den USA sein Label. Der Bayer hat noch kaum etwas verkauft, sieht sich aber schon als nächster Ralph Lauren - und wird von der High Society gefeiert.

Bayer in New York: Mit Chuzpe in die Fashion-Szene Fotos
privat

Es begann mit einer unglücklichen Liebesgeschichte. Anschließend fand sich Daniel Kirch mehr als 6000 Kilometer von zu Hause wieder - in einem winzigen Zimmer in New York, ohne Klimaanlage, bei 40 Grad im Schatten. Da merkte er: "Ich muss mein Leben in den Griff kriegen."

Zwei Jahre später sieht es so aus, als sei ihm das gelungen. Aufgekratzt sitzt der Bayer in einem Café in Manhattan, Verschnaufpause zwischen Geschäftsterminen im Fashion District. Er trägt ein Sakko und eine Baseballmütze mit der unbescheidenen Aufschrift: "New Fuckin' York".

Das ist Kirchs Slogan - und sein Geschäftsmodell. "New Fuckin' York": Das war anfangs ein Stoßseufzer, geboren aus besagtem Liebesfrust. Inzwischen ist es der Zauberspruch, der dem 25-Jährigen hier die Türen öffnet zu Partys und Prominenten und ihn mit seinem - bisher erst angedachten - Mode-Label zum jüngsten Social-Media-Star gemacht hat.

Es hilft, dass Kirch wie ein Wasserfall reden kann - und meist über sich selbst, mit dem typischen Mix aus Selbstsicherheit, Selbstinszenierung und Aufschneidertum, der die Selfie-Generation auszeichnet. Ganz Amerika, erzählt er also, sei wild nach seinen handgemachten Mützen.

"Selbst Paris", fügt er hinzu, kramt sein Smartphone heraus und zeigt zum Beweis eine SMS vor - von Paris Hilton, voller Emoticons und LOL's.

Vom Hamburger zum Super-Bowl

Das Erfolgsrezept vieler Ideen ist es, dass jeder sie haben könnte, aber nur einer was draus macht. Auch in diesem Fall: Inspiriert von einem Passanten ließ sich der BWL-Student im Sommer 2013 eine ganz normale Baseballkappe besticken mit den Worten "New Fuckin' York".

Dass dieser flotte Spruch seine Eintrittskarte in die VIP-Gesellschaft werden würde, konnte er da kaum ahnen - es war ein weiter Sprung.

Kirch wuchs in Prosselsheim bei Würzburg auf: "400 Einwohner, 600 Kühe." Er war der erste in seiner Familie, der Abitur machte und auf die Uni ging. Nach einem Auslandssemester in Florida kehrte er nach München zurück, folgte seiner Freundin nach Thailand und ging, als die Beziehung zerbrach, nach New York, um seine Bachelor-Arbeit zu schreiben - und sich über die Trennung hinwegzutrösten. "Nichts geschieht ohne Grund", sagt er.

Überall sprachen ihn Leute auf seine Mütze an. Etwa bei einem Brunch mit Freunden im schicken Meatpacking District: Da bot Kirch einem Gast am Nebentisch einen Hamburger an, den sie zu viel hatten. Der Mann, so stellte sich heraus, war ein hohes Tier beim Satelliten-TV-Anbieter DirecTV und lud Kirch - angetan von seiner Großzügigkeit wie von der Kappe - zur Super-Bowl-Party mit Jay-Z ein.

Der falsche Jonas Brother

Kirch witterte seine Chance: "Wenn ich gut bin, dann im Networking."

Er tat sich mit seinem Freund Jonas Diezun zusammen, einem Tech- und Marketing-Experten, auf dessen Couch er gerade schlief. Sie verschmolzen ihre Namen zum - noch fiktiven - Label DanielJonas, bastelten eine schicke Website und ließen im koreanischen Viertel für 200 Dollar Mützen besticken.

Es klappte: Als Jay-Z bei der Party seine New-York-Ode "Empire State of Mind" sang, nahm die TV-Kamera Kirchs Kappe ins Visier. Danach sei das Interesse so gestiegen, dass er 100 Visitenkarten habe drucken müssen.

Sein nächstes Ziel: die Fashion Week. Dort wurde er, dank seines Namens und etwas ähnlichen Aussehens, für einen der berühmten Jonas Brothers gehalten. So kam es, dass er samt Mütze bei Lacoste in der zweiten Reihe saß - ein Moment, den er sofort via Instagram publizierte.

Gemeinsam mit Diezun entwickelte er eine Idee, um neue Mode-Trends ausfindig zu machen - ein Algorithmus, der analysiert, was in den sozialen Netzwerken populär ist. Zugleich erweiterte er seine Kollektion ("Miami Fuckin' Beach", "Los Fuckin' Angeles") und flog nach Hollywood, wo er sich am Rande der Oscars auf einen roten Teppich schmuggelte.

Seine unermüdlichen Instagram-Posts faszinierten die Fashion-Blogger, die heutigen Multiplikatoren des Business. Höchste Zeit, aus dem fiktiven Label ein echtes zu machen: Er gründete eine US-Firma und fand eine Fabrik. Bis Ende des Sommers hofft er, 1000 Mützen verkauft zu haben.

Steigt ihm das alles zu Kopf? Schon sieht sich Kirch als ein neuer Ralph Lauren. Schließlich begann der seine Karriere auch, indem er Krawatten an seine Freunde verkaufte: "Das ist doch genau das, was mir passiert ist."

Nicht ganz, aber immerhin. Nur mit dem USA-Visum, da hapert es noch.

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