Dax bei 12.000 Punkten Aktien - jetzt erst recht!

Aktien? Sind die nicht schon viel zu teuer? Wer so denkt, kommt bei der Geldanlage nie auf ordentliche Renditen. An der Börse ist der lange Atem wichtig - nicht so sehr der Zeitpunkt des Einstiegs.

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12.000-Punkte-Marke: Werden Aktien zu teuer?
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12.000-Punkte-Marke: Werden Aktien zu teuer?


Geld anlegen in Aktien ist vernünftig, das sage ich seit Jahren. Diese Woche lautete die beständige Rückfrage: Soll ich wirklich noch Aktien kaufen, wenn der Dax bei über 12.000 Punkten steht? Die Antwort lautet ganz einfach: Ja.

Zugegeben: Aktien sind in den vergangenen Monaten deutlich teurer geworden. Um über 20 Prozent ist der Preis deutscher Firmen seit dem Jahresbeginn an der Börse gestiegen. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Wert der Dax-Aktien mehr als verdoppelt.

Sind die Aktien nicht schon deshalb viel zu teuer?

Dasselbe haben mich viele Menschen auch schon beim Stand von 9000 Punkten gefragt. Offensichtlich war die Sorge im Rückblick unbegründet. Aber das kann man vorher natürlich nie wissen. Deshalb lautet die Antwort damals wie heute: Der hohe Preis allein macht Aktien nicht zu teuer.

Der Preis ist für meine Empfehlung auch nicht relevant. Die gründet sich vielmehr auf eine andere Beobachtung: In der Vergangenheit waren Aktien nicht nur die Anlageform mit den besten Renditeaussichten, sondern wiesen über lange Fristen nominal (die Inflation also nicht eingerechnet) praktisch kein Verlustrisiko mehr auf.

Wenn Sie etwas Geld für 10, besser für 15 Jahre einigermaßen sicher übrig haben, ist es deshalb absolut vernünftig, einen größeren Teil davon in Aktien zu stecken. Man kann mit Aktien in der richtigen Form auch sehr flexibel Altersvorsorge betreiben.

Einige Regeln gelten aber trotzdem:

  • Kosten sparen beim Anlegen ist Grundvoraussetzung für eine ordentliche Rendite. Wer jedes Jahr zwei Prozent überflüssige Kosten für die Verwaltung seines Depots oder seines Fonds bezahlt, kommt schwer auf einen grünen Rendite-Zweig.
  • Risiken breit zu streuen sorgt für ein kleineres Gesamtrisiko. Denn egal wie verlockend die Kursentwicklung bei Apple oder BMW wirken mag - niemand weiß, ob diese Unternehmen in der Zukunft so erfolgreich sein werden wie in der Vergangenheit.

Das Risiko einer Aktienanlage mindert man im ersten Schritt, in dem man einen Fonds kauft. Darin sind viele Aktien enthalten, man ist also an vielen Firmen gleichzeitig beteiligt. Wirtschaftliche Schwierigkeiten einzelner Unternehmen fallen nicht so ins Gewicht.

Das Prinzip des gestreuten Risikos kann man schon am Dax erkennen. Der steigt und steigt und steigt, obwohl es Dax-Konzernen wie E.on, RWE oder auch der Lufthansa ziemlich dreckig geht. Wenn man dann noch einen internationalen Aktienfonds erwirbt, der das Geld seiner Anleger weltweit investiert, fallen auch wirtschaftliche Schwierigkeiten einzelner Länder nicht so ins Gewicht. Man ist ja an Unternehmen in zahlreichen Staaten beteiligt.

Kosten sparen Sie leicht bei Fonds, indem Sie Indexfonds kaufen. Wir bei Finanztip empfehlen Indexfonds auf Grundlage des MSCI World Index, der die Entwicklung von über 1.600 Aktien aus 23 Ländern abbildet.

Die Indexfonds, die wir gefunden haben, kosten jährlich für die Verwaltung nur rund 0,2 Prozent des Geldes, das sie investiert haben. Die Nebenkosten, die am Kauf hängen, sind ebenfalls niedrig. Zum Vergleich: Das aktuell viel beworbene Anlageprogramm "Reich mit Geiss" des Fernseh-Millionärs Robert Geiss verlangt für die Verwaltung jedes Jahr das Zigfache. Allein der Dividendenfonds im Programm von Herrn Geiss will für die Verwaltung jährlich mehr als zwei Prozent und dann auch noch eine Erfolgsgebühr, die in Deutschland nicht mehr zulässig ist. Der Fonds ist in Luxemburg aufgelegt.

Das ist kein Plädoyer für den Aktienkauf an sich. Kurzfristige Anlagen in Aktien kann ich Sparern nicht empfehlen. Eher schon Zockern, die solche Anlagen als Spielerei sehen, wie den Einsatz auf der Trabrennbahn.

Bei einem langfristigen Investment sieht es besser aus: Für den MSCI World Index, der 1968 aufgesetzt wurde, liegen seit 1970 alle Zahlen vor. Seitdem hat er in allen Fünfzehn-Jahr-Zeiträumen im Schnitt um gut neun Prozent pro Jahr zugelegt. In den schlechtesten fünfzehn Jahren waren es 2,1 Prozent, in den besten waren es 15,8 Prozent.

Für einige Anleger kann es in diesen Tagen sogar ganz gescheit sein, die hohen Kurse zu nutzen und einen Teil ihres Aktieninvestments von der Börse weg aufs Festgeldkonto zu holen. Wer schon weiß, dass er in zwei Monaten oder zwei Jahren viel Geld fürs neue Auto, für den Abschluss der Baufinanzierung oder den Auslandsaufenthalt eines Kindes braucht, der kann den Kursgewinn der vergangenen Jahre jetzt mitnehmen und sich über den Erfolg freuen. Einer meiner Kollegen hat gerade mit Börsengewinnen sein neues Auto gekauft.

Mindestens aber sollten Anleger mit baldigem Geldbedarf dann öfter auf die Börsenkurse gucken. Denn über zwei oder drei Jahre sind Verluste an der Börse gut möglich, sogar große.


Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.



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insgesamt 174 Beiträge
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Seite 1
wiebitte 21.03.2015
1. Eine
langfristige Anlagestrategie am Aktienmarkt zu verfolgen, bedeutet an ein weiteres Wachstum der Wirtschaft zu glauben. Wo soll das herkommen? Der Planet ist endlich, die Chinesen bringen sich gerade selber dabei um für den Rest der Welt überflüssige Gadgets zu produzieren, wenn wir ehrlich sind haben wir schon lange mehr als wir brauchen und uns gut tut, usw. Wer also daran glaubt, dass der Wahnsinn auch ruhig noch mal 10-15 Jahre so weiter geht, sollte sein Geld in diesen Markt stecken und ihn damit natürlich gleichzeitig auch am Leben halten. Ich glaube nicht daran und ich glaube, dass der Zusammenbruch dieses Systems "unmittelbar" bevorsteht. Investieren sie lieber in reale Werte. Ein Haus in dem sie wohnen wollen, Land von dem sie ggf. Leben könnten ....
henrikw 21.03.2015
2. Hammer!
"Soll ich wirklich noch Aktien kaufen, wenn der Dax bei über 12.000 Punkten steht? Die Antwort lautet ganz einfach: Ja." Eindeutige Aussage. Den Artikel habe ich mir ausgedruckt. Das soll der Finanzexperte mal jemandem erzählen, der vor 25 Jahren in den Nikkei investiert hat. Derzeit 50% Verlust
jackhead77 21.03.2015
3. jetzt einsteigen?
Die Frage ist, ob der gute Herr Chefredakteur seiner Empfehlung auch folgt und seine Ersparnisse auch zum Aktien-Jahrmarkt bringt. Ich würde niemandem empfehlen seine Ersparnisse jetzt ins Aktien umzuwandeln. "Mein Arbeitskollege hat sich jetzt ein neues Auto gekauft"... ob er vorher schon zwei verloren hatte, da wurde wohl beim Frühstückskaffee nicht drüber gesprochen ;-)
7eggert 21.03.2015
4.
Zitat von henrikw"Soll ich wirklich noch Aktien kaufen, wenn der Dax bei über 12.000 Punkten steht? Die Antwort lautet ganz einfach: Ja." Eindeutige Aussage. Den Artikel habe ich mir ausgedruckt. Das soll der Finanzexperte mal jemandem erzählen, der vor 25 Jahren in den Nikkei investiert hat. Derzeit 50% Verlust
Aber was soll den die Börse ohne Privatanleger machen, wenn die sich jetzt abschrecken lassen? Die großen Investoren können doch nicht an jemanden verkaufen, der keine Aktien mehr kauft! Am Ende sitzen die selbst noch auf ihren Aktien, wenn der Börsenkurs wieder fällt!
freier_europäer 21.03.2015
5. Kling wie ein Werbeartikel
für Aktien. Der DAX-Anstieg hat natürlich nichts damit zu tun dass wie Irre Geld in die Märkte gepumpt wird von der EZB. Denn das ist der eigentliche Sauerstoff der Börse und nicht der "lange Atem" der Sparer. Blenden wir doch einfach mal die großen Hedgefonds aus, die Kurse nach ihrem Belieben hoch und runter treiben können. Der kleine Sparer ist in diesem Spiel doch nur ein Bauernopfer dessen Geld dankend angenommen wird. Ob es eine Rendite gibt oder nicht, interessiert dem Makler / Bankberater nach der ausgezahlten Provision herzlich wenig. Nur eines ist sicher bei der Börse, nach der großen Hausse kommt zwangsläufig eine Baisse. Und da geht der kleine Sparer als erstes über die Klippe wenn die großen Aktienpakete verkauft werden.
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