Rohölpreise steigen Tanken und Heizen so teuer wie seit Jahren nicht mehr

Verbraucher müssen für Heizöl und Benzin steigende Preise bezahlen. Das liegt auch an US-Präsident Donald Trump.

Mitarbeiter eines Heizöl-Lieferanten
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Mitarbeiter eines Heizöl-Lieferanten


Erstmals seit fast drei Jahren müssen Autofahrer an der Zapfsäule mehr als 1,40 Euro für einen Liter Superbenzin E10 bezahlen. Für einen Liter Diesel werden im bundesweiten Durchschnitt mindestens 1,26 Euro fällig, haben verschiedene Preisportale und Marktbeobachter ermittelt.

Angesichts großer Schwankungen an den Tankstellen können die Spitzenpreise regional und zu ungünstigen Zeiten noch weitaus höher ausfallen. Der Energie-Informationsdienst EID ermittelte in der vergangenen Woche die höchsten Preise in Berlin mit 1,54 Cent für einen Liter E10 und 1,38 Euro für Diesel. Das sind Ausreißer-Werte, zu denen kaum ein Autofahrer tankt. Aber sie zeigen, wohin die Reise gehen könnte.

Auch Heizöl ist deutlich teurer geworden. Der Preis hat laut EID in den größeren Städten die Marke von 70 Euro für 100 Liter durchbrochen (bei Abnahme von 3000 Litern, inkl. Mehrwertsteuer).

Damit müssen die Heizöl-Käufer wieder so viel bezahlen wie im November 2014. Vor einem Jahr lag der Heizöl-Preis bei 55 Euro für 100 Liter; der Anstieg beträgt somit mehr als 15 Euro oder fast ein Drittel. Bei einer Tankfüllung sind das immerhin 450 Euro.

Ursache für die steigenden Verbraucherpreise an Tankstellen und bei Heizölhändlern sind die hohen Rohölpreise. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl kletterte binnen eines Jahres um mehr als die Hälfte, bei der Nordsee-Sorte Brent von gut 50 auf über 77 Dollar.

Jahrelang förderten die Ölproduzenten mehr Rohöl, als weltweit gebraucht wurde, und füllten so die Lager. Das ist vorbei. In den USA liegen sind Lagerbestände im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent gesunken, bei Benzin und Diesel sogar um 23 Prozent.

Fördermenge sinkt

Die Ölförderstaaten das Opec-Kartells haben ihre Förderung gedrosselt: Rund zwei Millionen Barrel pro Tag hat die Opec aus dem Markt genommen. Opec-Mitglied Venezuela, das Land mit den größten Ölreserven, würde gern mehr Rohöl liefern. Doch eine tiefgreifende politische und wirtschaftliche Krise hat das Land ins Chaos gestürzt; aus Venezuela kommt immer weniger Öl.

Nachdem US-Präsident Donald Trump das Atomabkommen mit Iran aufgekündigt und neue Sanktionen gegen das Land in Aussicht gestellt hat, könnte die Fördermenge weiter sinken. Experten rechnen mit einem Verlust von 2,5 Millionen Barrel pro Tag.

Iran ist der fünftgrößte Ölexporteur der Welt. Das meiste Öl des Landes geht nach China und Indien sowie in weitere asiatische Länder, geringere Mengen nach Europa. Die Internationale Energie-Agentur IEA äußert sich vorsichtig über die Folgen der US-Politik: "Die Sanktionen könnten Einfluss auf das Marktgleichgewicht haben", heißt es in einer Stellungnahme.

Doch es gibt auch andere Stimmen. Bis zu 600.000 Barrel iranischen Öls könnten pro Tag verloren gehen, befürchtet Öl-Analyst Jan Edelmann von der HSH Nordbank. Dann würden nach seinen Berechnungen die Ölpreise nochmals um acht Dollar je Barrel steigen, also auf deutlich mehr als 80 Dollar.

jpz/dpa



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thequickeningishappening 13.05.2018
1. Ich habe 1980 zwischen 1,50 und 1,60 DM gelatzt
Wenn man Die Lohnentwicklung, Die Euro Umstellung und den Durchschnittsverbrauch (damals waren 10 Liter Die Norm) berücksichtigt dann ist Sprit immer noch billig. Die Zeiten als Heizöl 8 Pfennige kostete ( Jeder Bauer fuhr Einen 200er Diesel mit Heizöl) sind vorbei!
dachhase 13.05.2018
2. Nur Gewinner
Trump puscht das Fracking, Putins Haushaltslage entspannt sich, VW verkauft wieder mehr Diesel, der dt. Staat kassiert mehr Umsatzsteuer und in Hamburg, Stuttgart und Düsseldorf stehen die neuen Benziner, weil der Sprit zu teuer wird. Es läuft....
Charlie999 13.05.2018
3. ???
Heizöl und Benzin werden teurer....wie schrecklich! Zur Erinnerung, wir haben es hier mit jenen Stoffen zu tun, die vermutlich noch in diesem Jahrhundert das Leben auf diesem Planeten auf den Kopf stellen werden. Faktisch können wir uns den Verbrauch fossiler Brennstoffe schon längst nicht mehr leisten. Ich finde es grob fahrlässig, so zu tun, als ginge es hier nur um eine Geldfrage. Glücklicherweise kann man mit Geld noch kein gesundes Weltklima kaufen. Hier braucht es immer noch Vernunft, auch wenn diese im öffentlichen Gebahren derzeit kaum wahrnehmbar ist. Geld ist immer noch nicht essbar.
dr._seltsam 13.05.2018
4. Natürlich...
...hat das Verhalten des POTUS eine Wirkung auf den Rohölpreis und damit natürlich auf alle Energiekosten, deren Leitwährung eben dieser Preis ist. Und es ist natürlich keineswegs uneigennützig diese Preise nach oben zu manipulieren. Denn ganze Industriezweige in Amerika könnten wieder -sogar kostendeckend- in die Produktion fossiler Energieträger starten, wenn denn der Preis nach oben geht. Da praktisch immer noch alle Länder der Welt abhängig von fossiler Energie sind, sind diese Länder somit auf Gedeih und Verderb einer Großmacht ausgesetzt, die sich unter ihrem Präsidenten verhält, wie eine offene Hose. Erpressung und Vertragsbruch sind da längst salonfähig geworden, im politischen Alltag quasi gesetzte Tagesordnung. Europa täte sehr gut daran, sie endlich in eine Richtung zu bewegen, in der echte Energiekreisläufe die genannte Abhängigkeit aufheben - zumindest aber minimieren. Es gäbe -auch in der Energiewirtschaft- viel zu tun, dass man eben nicht mit Mogelpackungen a la Diesel regel kann! Bin mal gespannt, wann die Schlafmützen aufwachen?
vitalik 13.05.2018
5.
Zitat von Charlie999Heizöl und Benzin werden teurer....wie schrecklich! Zur Erinnerung, wir haben es hier mit jenen Stoffen zu tun, die vermutlich noch in diesem Jahrhundert das Leben auf diesem Planeten auf den Kopf stellen werden. Faktisch können wir uns den Verbrauch fossiler Brennstoffe schon längst nicht mehr leisten. Ich finde es grob fahrlässig, so zu tun, als ginge es hier nur um eine Geldfrage. Glücklicherweise kann man mit Geld noch kein gesundes Weltklima kaufen. Hier braucht es immer noch Vernunft, auch wenn diese im öffentlichen Gebahren derzeit kaum wahrnehmbar ist. Geld ist immer noch nicht essbar.
Zur Erinnerung, der Preis des Heizöls wird wohl kaum die Nachfrage regeln, denn heizen muss man. Die umweltfreundlichere Alternative wäre Strom. Dieser ist aber noch teurer. AM Ende bleibt der hohe Preis und der gleiche Verbrauch/Nachfrage. Geld regiert unsere Welt. Aus diesem Grund ist der Klimaschutz natürlich eine Klimafrage. Mit Geld kann man beispielsweise für all die Fabriken in Indien, China und Co Filteranlagen installieren und es würde Millionen Tonnen von klimaschädlichen Gasen rausgefiltert werden. Man könnte Fabriken in Afrika für das Recyclen von Elektroschrott aufbauen und so müssen die Menschen in Afrika dies nicht per Hand über offenen Feuer tun. Es gibt tausende Maßnahmen, die man mit Geld erreichen könnte und es würde enorme Verbesserungen bringen. Nein, Geld ist nicht essbar, aber das Vertrauen in das Geld ist aktuell unendlich hoch, sodass man sich jedes Essen der Welt kaufen kann. Sollte es irgendwann Mal anders sein, dann haben wir andere Probleme als das nicht essbare Geld.
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