Prognose für 2017 Heizkosten steigen um bis zu zehn Prozent

Die Heizkosten dürften im laufenden Jahr spürbar steigen. Das zeigt eine Hochrechnung, die dem SPIEGEL vorliegt. Vergleichen Sie hier Ihre eigenen Ausgaben mit dem deutschen Durchschnitt.

Heizöllieferung
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Wer es zu Hause warm haben will, muss 2017 mit höheren Ausgaben rechnen. In erdgas- und fernwärmebeheizten Gebäuden dürften die Heizkosten im laufenden Jahr um gut zwei Prozent steigen; die rund sechs Millionen Haushalte mit Ölheizung müssen mit einem Plus von bis zu zehn Prozent rechnen. Das geht aus dem sogenannten Heizspiegel hervor, den der Deutsche Mieterbund und die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online erstellt haben und der dem SPIEGEL vorliegt.

Hauptgrund für den Preisschub sind wetterbedingte Veränderungen: Die Außentemperaturen in der Heizperiode 2017 werden im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich um 3,5 Prozent niedriger sein. Die Energiepreise, der zweite wichtige Kostenfaktor, haben sich im laufenden Jahr hingegen ganz unterschiedlich entwickelt. Bei Erdgas und Fernwärme sind die Preise 2017 um 1,0 bis 1,5 Prozent gesunken. Heizöl verzeichnet hingegen einen Anstieg um rund zehn Prozent.

Wie gut oder schlecht Sie im Vergleich zum deutschen Durchschnitt dastehen, zeigt folgende Tabelle:

Geben Sie zu viel Geld fürs Heizen aus?

Erdgas niedrig mittel erhöht
Heizkosten in Euro 539 812 1.176
Verbrauch in Kilowattstunden 6.370 10.850 16.940
CO2-Emissionen in Kilogramm 1.593 2.713 4.235
Heizöl niedrig mittel erhöht
Heizkosten in Euro 476 665 924
Verbrauch in Kilowattstunden 7.070 11.270 17.220
CO2-Emissionen in Kilogramm 2.255 3.595 5.493
Fernwärme niedrig mittel erhöht
Heizkosten in Euro 644 931 1414
Verbrauch in Kilowattstunden 5.670 9.100 15.120
CO2-Emissionen in Kilogramm 1.480 2.375 3.946
Durchschnitt aller Energieträger niedrig mittel erhöht
Heizkosten in Euro 553 803 1.171
Verbrauch in Kilowattstunden 6.370 10.407 16.427
CO2-Emissionen in Kilogramm 1.764 2.883 4.550

Durchschnittliche Wohnung mit 70 Quadratmetern in einem 501 bis 1.000 Quadratmeter großen Mehrfamilienhaus
Quelle: co2online, Mieterbund

Wie die Tabelle verdeutlicht, unterscheiden sich die Heizkosten der Deutschen teils sehr stark. Während manche nur 550 Euro pro Jahr ausgeben müssen, sind es bei anderen Haushalten leicht mehr als 1000 Euro. Ein wichtiger Grund dafür ist der Sanierungsstand der eigenen Wohnung oder des Hauses. "Er ist der meistunterschätzte Faktor für Heizkosten", sagt Tanja Loitz, Geschäftsführerin von co2online.

Dementsprechend sind auch die CO2-Emissionen in besser sanierten Gebäuden deutlich geringer. "In der Vergleichswohnung beträgt der Unterschied zwischen einem energetisch besseren und einem energetisch schlechteren Haus fast drei Tonnen CO2 pro Jahr", sagt Loitz. "Das entspricht rund 18.000 Kilometern Fahrstrecke in einem Mittelklassewagen."

So können Sie schon durch kleine Verhaltensänderungen Ihre Ausgaben spürbar reduzieren:

So drücken Sie Ihre Heizkosten
Sammelbestellungen in der Nachbarschaft
Je mehr Heizöl man kauft, desto besser wird der Preis. Wer sich also mit den Nachbarn zusammentut und das Brennmaterial in einer Sammelbestellung kauft, kann erhebliche Summen sparen. Der Nachteil: Einer muss für alle bestellen - und haftet, wenn die anderen nicht zahlen.
Sammelbestellungen im Internet
Eine sicherere Möglichkeit, vom Mengenrabatt zu profitieren, ist, sich an einer Online-Sammelbestellung zu beteiligen. Auf Webseiten wie heizoelpool.de können Käufer ihre Postleitzahl und gewünschte Ölmenge eintragen. Sind genug Bestellungen aus einer Region zusammengekommen, wird ein Auftrag ausgelöst. Die Preisersparnis liegt laut Website bei drei bis fünf Prozent. Die Teilnahme ist kostenlos.
Kontrolle der Raumtemperatur
Es klingt banal und macht doch einen Riesenunterschied: Wer die Raumtemperatur um nur drei Grad absenkt, spart bis zu 18 Prozent Heizkosten. Der einfachste Weg, um die Temperatur zu kontrollieren: ein Thermometer kaufen. Viele Menschen heizen nach Körpergefühl. Das ist meist trügerisch. Wer nicht weiß, wie warm es in seiner Wohnung ist, neigt zum Überheizen. Eine professionellere Methode, die Temperatur zu kontrollieren, ist der Einbau eines elektrischen Thermostats, mit dem man genau festlegen kann, an welchem Tag und zu welcher Uhrzeit welche Raumtemperatur herrschen soll.
Dämmung und Isolierung
Eine ordentliche Dämmung kann den Wärmeverlust - und damit die Heizkosten - drastisch reduzieren. In Altbauwohnungen liegt die Einsparung bei bis zu 60 Prozent. Wer Heizenergie sparen will, muss sein Haus nicht unbedingt voll sanieren. Schon wer die oberste Geschossdecke isoliert, spart tüchtig Geld. Auch kalte Kellerdecken oder schlecht gedämmte Rolllädenkästen und Heizkörpernischen lassen sich relativ einfach und preiswert abdichten. Die meiste Energie geht allerdings durch schlecht abgedichtete Außenwände und das Dach verloren. Die zu dämmen, ist die teuerste und aufwendigste aller Sanierungsarbeiten.
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insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
imlattig 08.11.2017
1. 2017 soll das...
waermste jahr seit der wetteraufzeichnung sein. wieso sollten dann die temperaturen niedriger sein? es ist wohl eher so, dass weniger heizoel verkauft wird und die oelindustrie verluste kompensieren will.
kopi4 08.11.2017
2.
Das wegen des Wetters meine Heizkosten 2017 höher sein werden als 2016 rechtfertigt einen Artikel bei SPON? Wann man seinen Heizkessel anwirft bleibt doch jedem selbst überlassen. Der eine heizt bis in den Mai und ab September, der andere hat sich durch die Monate April und Oktober gebibbert. Dementsprechend sagt Nr.1 "Quatsch, ich zahl fast 10 Prozent mehr" und Nr.2 "Quatsch, ich zahl doch weniger". Quatsch ist der Artikel also in beiden Fällen.
so-long 08.11.2017
3. Jameica
Nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen werden sicher irgendwo neue Energieabgaben hervorgezaubert. Der Oelpreis ist immer noch meilenweit von frueheren Hoechststaenden entfernt.
ayee 08.11.2017
4. Durchschnitt
Zitat von imlattigwaermste jahr seit der wetteraufzeichnung sein. wieso sollten dann die temperaturen niedriger sein? es ist wohl eher so, dass weniger heizoel verkauft wird und die oelindustrie verluste kompensieren will.
Beim wärmsten Jahr zählt der Durchschnitt des ganzen Jahres. Bei den Heizkosten spielt lediglich die länge und die stärke der Heizperiode eine Rolle. Deshalb kann die Heizperiode kälter sein, aber der Jahresdurchschnitt trotzdem höher. Aber wahrscheinlich weiß Ihr Bauch das sowieso besser.
diechefin 08.11.2017
5. Dämmen ???
Bloß nicht die Häuser mit Kunststoff verkleistern und damit im Haus ein Schimmel Problem heraufbeschwören. Gute Fenster, Dach und Keller dämmen reicht vollkommen. Meine alte Ölheizung funktioniert einwandfrei und ich brauche 750 l Öl im Jahr bei 160 qm Wohnfläche in einem alten Haus. Dabei habe ich es gerne warm 20 Grad. Warmwasserversorgung läuft zusätzlich über Solarenergie auf dem Dach.
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