Europa-Vergleich: Deutschland führt bei Antibiotika-Einsatz in der Tiermast
Kein Land in Europa setzt auch nur annähernd so viel Antibiotika in der Tiermast ein wie Deutschland - im vergangenen Jahr waren es 1,7 Millionen Kilogramm. Das kann zu Resistenzen auch beim Menschen führen sowie auf mangelnde Hygiene und nicht artgerechte Haltung in den Ställen hinweisen.
Berlin - Das Gewicht entspricht tausend üppig ausgestatteten Mittelklasse-Limousinen: 1734 Tonnen Antibiotika wurden Tieren in Deutschland im vergangenen Jahr verabreicht. Damit ist die Bundesrepublik mit großem Abstand Spitzenreiter in Europa, Frankreich folgt mit etwas mehr als 1000 Tonnen auf Platz zwei vor den Niederlanden mit 514 Tonnen. Diese Zahlen hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) laut dem Agrarexperten der grünen Bundestagsfraktion, Friedrich Ostendorff, am Mittwoch im Agrarausschuss vorgestellt.
Demnach wurde der weit überwiegende Teil der von Tierärzten verschriebenen antibakteriellen Wirkstoffe - nämlich 99 Prozent - in der Agrarindustrie verbraucht. Nur ein Prozent wurde an Heimtiere verabreicht. Die absolute Menge der eingesetzten Antibiotika war bereits seit zwei Wochen bekannt, jedoch war unklar, wie hoch der Anteil der Massentierhaltung war. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hatte damals angekündigt, per Gesetz strengere Regeln einzuführen und den Verbrauch so zu senken.
Der massive Einsatz von Antibiotika ist ein Indikator für nicht artgerechte Haltung und mangelnde hygienische Zustände in den Ställen, in denen Tausende Tiere gehalten werden. Durch den massenhaften Einsatz der Medikamente können sich resistente Bakterien herausbilden, die auch dem Menschen gefährlich werden können.
Laut Grünen-Politiker Ostendorff hat das BVL allerdings noch keine Erkenntnisse über die regionale Verteilung der Schwerpunkte des Antibiotika-Einsatzes vorlegen können. Dies sei aber unverzichtbar, um Maßnahmen gegen den übermäßigen Einsatz der Medikamente ergreifen zu können. Erst wenn die "Hotspots" bekannt seien, könnten die Behörden gezielt vorgehen.
Ostendorff kritisierte, er verstehe nicht, warum die Daten noch nicht vorlägen. "Nach unserer Vermutung wird das Problem dort am stärksten sein, wo die industrielle Massentierhaltung ihren Produktionsschwerpunkt hat." In bestimmten Regionen, etwa im Oldenburger Raum in Niedersachsen ist die deutsche Massentierhaltung konzentriert.
fdi/Reuters
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