Wegen Ölpreis-Anstieg Verbraucher müssen mit höheren Heizkosten rechnen

Vier Jahre sind die Heizkosten in Deutschland gesunken. Jetzt zeichnet sich eine Trendwende ab - wegen höherer Rohstoffpreise. Die Einsparziele der Bundesregierung beim Verbrauch werden deutlich verfehlt.

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Rohöl ist an den Weltmärkten binnen eines Jahres um etwa 40 Prozent teurer geworden. Das werden bald auch die Verbraucher in Deutschland merken. Sie müssen sich auf wieder steigende Heizkosten einstellen - zum ersten Mal seit langer Zeit.

Nach vier Jahren mit sinkenden Ausgaben rechnen Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) damit, dass die gestiegenen Preise für Heizöl mit einer gewissen Zeitverzögerung auf die Nebenkosten durchschlagen werden.

Die Heizölpreise steigen bereits. Nach Berechnungen des Vergleichsportals Check24 kosteten 2000 Liter im August durchschnittlich 1421 Euro. So teuer sei Heizöl zuletzt im August 2014 gewesen. Gas halte dagegen noch das niedrige Niveau. Mittlerweile hätten aber bereits 24 Grundversorger Erhöhungen im Schnitt um etwas mehr als sieben Prozent angekündigt. Lediglich drei Versorger hätten die Preise gesenkt. Laut DIW werden etwa 50 Prozent der Wohnungen mit Erdgas und 26 Prozent mit Öl beheizt.

Nur kleine Fortschritte beim Energiesparen

Im vergangenen Jahr waren die Heizkosten nach den DIW-Berechnungen im Schnitt um 6,7 Prozent niedriger ausgefallen als im Jahr zuvor. Das Institut hat für den "Wärmemonitor 2017" Daten des Energiedienstleisters Ista für 300.000 Mehrfamilienhäuser ausgewertet. Demnach mussten die Haushalte 2017 durchschnittlich 45 Euro pro Monat für das Heizen ausgeben, 2016 seien es noch fast 48 Euro gewesen.

Keine Fortschritte hätten die Energieeinsparungen beim Heizen gemacht, heißt es im DIW-Bericht. Der Verbrauch liege immer noch auf dem Niveau von 2010. Das ursprüngliche Ziel der Bundesregierung, den Wärmebedarf von Gebäuden bis 2020 gegenüber 2008 um 20 Prozent zu reduzieren, wird nach Einschätzung des DIW deutlich verfehlt. Dazu wäre in den kommenden Jahren noch ein Rückgang von 16,5 Prozent gegenüber dem aktuellen Stand nötig.

"Ohne eine deutliche Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden sind daher die Klimaziele nicht zu erreichen", sagt DIW-Immobilienökonom Claus Michelsen. Vorgaben für das Energiesparen bei Neubauten sollten daher nicht aufgeweicht werden. Für den Gebäudebestand sollte es zusätzliche Maßnahmen geben. Dabei müssten aber Modernisierungen vermieden werden, die nicht auf Einsparungen bei den Heizkosten zielten, sondern verdeckte Luxussanierungen seien, forderten die DIW-Forscher.

beb/dpa

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