Dieselpreis auf Zwei-Jahres-Hoch: Libyen-Krise verteuert das Tanken
Die Unruhen in Libyen drücken die Preise für Kraftstoff nach oben. Für Superbenzin müssen Autofahrer nun mehr als 1,50 Euro bezahlen. Ein Liter Diesel kostet im Schnitt 1,40 Euro - der höchste Wert seit zwei Jahren.
London/Hamburg - Die politische Krise in Libyen macht sich nun auch in der Geldbörse deutscher Autofahrer bemerkbar: Der Durchschnittspreis für einen Liter Superbenzin stieg im Vergleich zur Vorwoche sei um 2,8 Cent, wie der ADAC am Mittwoch in München mitteilte. Ähnlich teuer war das Tanken zuletzt Mitte Januar.
Diesel kostete am Mittwoch nach Angaben aus der Mineralölindustrie im Schnitt sogar 1,40 Euro, ein Plus von 0,5 Cent. Damit lag Diesel auf dem höchsten Preisniveau seit mehr als zwei Jahren.
"Die Lage im Nahen Osten und Nordafrika verunsichert die Ölmärkte, außerdem stützt die gute Wirtschaftsentwicklung in den Schwellenländern vor allem die Nachfrage nach Diesel", sagte Aral-Sprecher Detlef Brandenburg.
Wie teuer Diesel derzeit ist, zeigt der Vergleich mit Superbenzin: Obwohl das Finanzamt für Diesel 22 Cent weniger Steuern kassiert als für Benzin, liegt der Preisabstand an den Zapfsäulen bei nur zehn Cent.
Die Libyen-Krise hält den Ölpreis weiter hoch. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der für Europa wichtigsten Sorte Brent lag in London bei 107 Dollar, dem höchsten Preis seit mindestens zweieinhalb Jahren. Der Preis für ein Barrel der wichtigsten US-Sorte West Texas Intermediate kletterte auf 96 Dollar.
Benzinpreis könnte Konsumlaune dämpfen
Die Bank Goldman Sachs nannte ein Preisziel von 103 Dollar für US-Öl innerhalb der nächsten zwölf Monate. Die Proteste in Bahrain zeigten, dass auch reiche Ölstaaten anfällig für Unruhen seien, schrieb die Bank.
Libyen ist der fünftwichtigste Lieferant von Rohöl für Deutschland. 2010 flossen 6,6 Millionen Tonnen aus Libyen in die Bundesrepublik. Größter Lieferant war Russland mit über 35 Millionen Tonnen.
Die steigenden Öl- und Benzinpreise könnten sich negativ auf die Kauflaune der deutschen Verbraucher auswirken. "Die Vergangenheit zeigt, dass Benzinpreise Signalcharakter für die Verbraucher haben", sagte GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl am Mittwoch. "Ziehen die Preise weiter merklich an, spüren sie das im Portemonnaie." Das könnte die Konsumneigung dämpfen, da Kraftstoffe zu den häufig gekauften Gütern gehörten und Preiserhöhungen deshalb besonders stark wahrgenommen würden.
Deutscher Wirtschaft drohen Zusatzkosten in Milliardenhöhe
Die deutsche Wirtschaft fürchtet angesichts der hohen Ölpreise Mehrkosten in Milliardenhöhe. "Bleibt der Ölpreis im Jahresschnitt auf seinem aktuellen Niveau, wäre das ein Anstieg von 30 Prozent verglichen mit 2010", sagte der Experte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Felix Neugart. Eine Preissteigerung von einem Prozent koste die deutsche Wirtschaft etwa eine halbe Milliarde Euro. Verharre der Ölpreis auf dem aktuellen Niveau, wären das im Gesamtjahr rund 15 Milliarden Euro Mehrkosten.
Besonders energieintensive Unternehmen wie Transportfirmen oder die Chemie- und Metallindustrie bekämen den hohen Ölpreis besonders zu spüren, sagte Neugart. "Einen Teil der höheren Kosten können sie sicher an die Verbraucher weitergeben, der Rest geht zu Lasten der Gewinnmarge", sagte er. "Das Geld fehlt dann für Investitionen und Neueinstellungen." Der Wandlungsprozess in Nordafrika biete mit seinem Potential für langfristige Stabilität in der Region aber auch Chancen für die deutsche Wirtschaft, sagte der DIHK-Experte.
Ölkonzerne fahren Produktion in Libyen zurück
Derzeit ist die Lage in Libyen so unübersichtlich, dass einige große Ölkonzerne ihre Produktion dort vorerst stilllegen müssen. Die BASF-Tochter Wintershall stellte die Ölproduktion von 100.000 Fass am Tag aus Sicherheitsgründen ein, sagte ein Sprecher. Das Unternehmen betreibt derzeit acht Ölfelder in dem Land.
Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV befürchtet einen zeitweiligen Totalausfall seiner Produktion in Libyen. Angesichts der Unruhen in dem Land gehe die Förderung dort stark zurück, sagte Vorstandschef Wolfgang Ruttenstorfer. "Wir können nicht ausschließen, dass sie völlig für eine begrenzte Zeit ausfällt." Das Unternehmen bezieht etwa ein Zehntel seiner Produktionsmenge aus dem nordafrikanischen Land und ist Ruttenstorfer zufolge nicht in der Lage, die Rückgänge andernorts auszugleichen. "Wir evaluieren die Lage derzeit. Wir können im Moment nicht sagen, wie sich die Produktion entwickelt", sagte der Vorstandschef. Der Kurs der OMV-Aktie rauschte ins Minus.
jok/mmq/dapd/Reuters
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- Mittwoch, 23.02.2011 – 13:58 Uhr
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Referenzsorte ist die vor allem in Amerika gehandelte Marke WTI und das aus der Nordsee stammende und in London gehandelte Brent. WTI ist leichter und schwefelärmer als Brent und somit meist einige Dollar teurer pro Barrel. Die Produktion beider Sorten geht seit einiger Zeit zurück, dennoch sind sie nach wie vor die beiden wichtigsten Referenzöle.
Hinzu kommt etwa der von der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) veröffentlichte Korbpreis für Rohöl. Er wird auf Grundlage der elf von seinen Kartellmitgliedern produzierten Sorten berechnet. Opec-Öl ist meist schwerer und saurer als WTI und Brent und damit billiger.
Preisanstiege und -abschläge verlaufen also meist für alle Sorten parallel. Jedoch schwanken die Preise jeder Sorte, wenn sie mehr oder weniger nachgefragt oder gefördert werden.
| Ölmarkt : Angebot und Nachfrage | ||
| Zeitraum | 4. Quartal 2009 | 4. Quartal 2010 |
| Angebot* | 86,3 | 87,9 |
| Nachfrage* | 85,9 | 87,8 |
| * in Millionen Barrel pro Tag; Quelle: IEA: Oil Market Report, Dezember 2010; Energy Comment | ||
Fläche: 1.775.500 km²
Bevölkerung: 6,355 Mio.
Hauptstadt: Tripolis
Staatsoberhaupt: Mohammed al-Magharif (zurückgetreten)
Regierungschef: Ali Seidan
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