Dioxinskandal Verbraucher lassen sich das Eieressen nicht vermiesen

Der Dioxinskandal verändert das Kaufverhalten der meisten Verbraucher nicht. Einer aktuellen Umfrage zufolge wollen 66 Prozent ihre Ernährung nicht umstellen. Nur beim Kauf von Eiern halten sich manche derzeit ein wenig zurück.

Eierpaletten: Nur vier Prozent der Verbraucher wollen ganz auf Eier verzichten
REUTERS

Eierpaletten: Nur vier Prozent der Verbraucher wollen ganz auf Eier verzichten


Berlin - Viel Skandal, wenig Reaktion: Zwei Drittel der Verbraucher lassen sich vom Skandal um dioxin-verseuchtes Tierfutter nicht beeindrucken. In einer Untersuchung für den aktuellen DeutschlandTrend der ARD gaben 66 Prozent der Befragten an, sie hätten ihr Kauf- und Ernährungsverhalten nicht verändert. Nur 14 Prozent wollen demnach weniger Eier essen, vier Prozent vorerst ganz auf Eier verzichten. Weitere 13 Prozent der Befragten gaben an, ihre Lebensmittel künftig woanders einkaufen zu wollen als bisher. Der Umfrage zufolge bejahten 63 Prozent der Befragten die Aussage, Lebensmittel seien zum Teil so billig, "dass man sich über Verunreinigungen nicht wundern sollte".

Der gefühlten Kontinuität beim Einkauf steht allerdings ein Absatzrückgang bei Eiern gegenüber. Er sei "deutlich spürbar", sagte Margit Beck von der Bonner Marktberichterstattungsstelle MEG am Freitag. Das Unternehmen befragt unter anderem Eiervermarkter zur Marktlage. Laut Beck sind die Preise an den Lebensmittelbörsen "über den Jahreswechsel etwa doppelt so stark zurückgegangen wie im Vorjahr". Ein schwacher Rückgang beim Eier-Absatz ist laut MEG zu Jahresbeginn üblich, weil viele Verbraucher gewöhnlich vor den Feiertagen einen Vorrat an Eiern besorgen.

Um acht Prozent sank laut Beck beispielsweise ein Preis, den Bauern für Eier aus Bodenhaltung verlangen können. Im Vorjahr sei derselbe Wert kurz nach dem Jahreswechsel um lediglich zwei Prozent zurückgegangen. Ein weiteres Indiz für die Zurückhaltung der Verbraucher beim Eierkauf ist laut Beck, dass von einer Verknappung des Eier-Angebots nichts zu spüren ist. In Deutschland sind inzwischen knapp 5000 landwirtschaftliche Betriebe, darunter viele Flügelhalter, wegen des Verdachts dioxinbelasteter Futtermittel gesperrt.

App soll verseuchte Eier erkennen

Verbrauchern, die weiter Eier essen wollen, soll eine iPhone-App ermöglichen, mit Dioxin belastete Lieferungen zu erkennen. Nach einem Bericht des Portals "meedia" scannt die App "Barcoo" Strichcodes auf vielerlei Produkten, etwa um Testberichte abzufragen. Doch das Programm soll auch bei den auf Eiern abgedruckten Erzeugercodes nützlich sein. Kunden sollen sie in ihr Telefon eintippen.

Die App, so "meedia", gleiche dann die Codes mit Informationen der Verbraucherzentralen und des Verbraucherschutzministeriums Nordrhein-Westfalen ab. So sollen Kunden beim Einkauf herausfinden können, ob ein Ei von einem Hof stammt, auf dem mit Dioxin verseuchtes Futter an Tiere verfüttert worden sein könnte.

Der Dioxinskandal hatte begonnen, nachdem bekannt geworden war, dass ein Lieferant aus Schleswig-Holstein nach offiziellen Angaben rund 3000 Tonnen dioxin-verseuchter Industriefette an Hersteller von Tierfutter in mehreren Bundesländern geliefert haben soll. Das von diesen erzeugte Futter war an zahlreiche Bauerhöfe geliefert und an Legehennen und Masttiere verfüttert worden.

ulz/dpa/AFP



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SaT 04.01.2011
1. Natürlich nicht
Stärkere Kontrollen könnten nämlich die Wirtschaftlichkeit der Nahrungsproduktion negativ beinträchtigen. Und Geld ist ja alles – auch wenn wir dabei zugrunde gehen. Zudem ist die Dioxinbelastung laut Medien nur für Kinder problematisch. Bei den wenigen Kinder die wir in Deutschland haben ist das ein vernachlässigbares Risiko.
doubleq 04.01.2011
2. Wertigkeit der Interessen
Da gibt es eine Meldung über einen Wecker, der im iPhone nicht funktioniert und daraus entstehen 14 Seiten im Forum. ein Thema wie die mit Dioxin verseuchten Futtermittel interessiert dagegen offensichtlich niemanden. Obgleich dieses Thema uns ALLE betrifft - die überwiegende Mehrheit der Verbraucher isst Eier oder Geflügel. Wie wichtig ist da ein Wecker im Handy???
jocurt1 04.01.2011
3. Veröffentlichen nicht verschärfen
Zitat von sysopDer Skandal um vergiftete Eier verunsichert die Deutschen. Doch wer trägt Schuld an der Verseuchung? Bei der Suche nach den Verantwortlichen schaltet sich jetzt die Politik ein: Der Bundestag soll sich mit dem Skandal beschäftigen. Müssen die Kontrollen verschärft werden?
wenn jeder Bürger nachlesen kann, wer da Ross und Reiter ist, erledigt sich das ganz schnell. ZZ gilt so was als Geschäftsgeheimnis und darf nicht offengelegt werden. Mit der Regel kann ich auch Kacke als Schokoladenaustausch verkaufen.
mood 04.01.2011
4. 2 Foren
Zitat von doubleqDa gibt es eine Meldung über einen Wecker, der im iPhone nicht funktioniert und daraus entstehen 14 Seiten im Forum. ein Thema wie die mit Dioxin verseuchten Futtermittel interessiert dagegen offensichtlich niemanden. Obgleich dieses Thema uns ALLE betrifft - die überwiegende Mehrheit der Verbraucher isst Eier oder Geflügel. Wie wichtig ist da ein Wecker im Handy???
Keine Panik; idiotischerweise ist das hier schon das zweite Forum (http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=26838) Ist zwar vollkommener Quatsch bei einem Thema zwei Foren zu machen, aber es ist so...
buktu1975 04.01.2011
5.
Zitat von doubleqDa gibt es eine Meldung über einen Wecker, der im iPhone nicht funktioniert und daraus entstehen 14 Seiten im Forum. ein Thema wie die mit Dioxin verseuchten Futtermittel interessiert dagegen offensichtlich niemanden. Obgleich dieses Thema uns ALLE betrifft - die überwiegende Mehrheit der Verbraucher isst Eier oder Geflügel. Wie wichtig ist da ein Wecker im Handy???
Naja, ein paar Einträge gab es ja schon: http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=26838 Und im übrigen scheint der Mensch in diesem Fall eher kurzfristig zu denken und ein Meister der Verdrängung zu sein,anders kann ich mir das nicht erklären: Verschlafen beim iPhone=zu spät zur Arbeit kommen=Ärger. Dioxin im Futter=schmeckt man nicht=wird man vielleicht krank von=ich bestimmt nicht, nur andere.
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