Diskriminierung: "Ossi"-Streit endet mit Vergleich

Statt eines Jobs bekommt sie nun Geld: Eine Frau aus Ostdeutschland hat sich mit einer Firma außergerichtlich geeinigt, bei der sie sich erfolglos beworben hatte. Weil auf ihren Bewerbungsunterlagen der Hinweis "Ossi" vermerkt wurde, hatte sie geklagt - und in erster Instanz verloren.

Der umstrittene "Ossi"-Vermerk auf der Bewerbung: Diskriminierung ohne Benachteiligung? Zur Großansicht
dpa

Der umstrittene "Ossi"-Vermerk auf der Bewerbung: Diskriminierung ohne Benachteiligung?

Stuttgart - Der Arbeitsrechtsstreit um eine mit dem Vermerk "(-) Ossi" abgelehnte Bewerbung ist beigelegt. Die Klägerin und der Fensterbauer, bei dem sie sich erfolglos beworben hatte, haben sich auf einen Vergleich verständigt. Das sagte ihr Anwalt, Wolfgang Nau. "Wir haben uns so geeinigt, dass beide Seiten zufrieden sind", erklärte Nau. Wegen eines Stillhalteabkommens nannte er keine weiteren Details.

Im April hatte das Arbeitsgericht Stuttgart entschieden, dass der Vermerk zwar eine Diskriminierung sei - aber keine Benachteiligung wegen einer ethnischen Herkunft im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG). Der Arbeitgeber hatte argumentiert, dass der Frau nicht wegen ihrer Herkunft, sondern wegen fehlender Qualifikation abgesagt wurde. Danach hatten Anwalt Nau und seine Mandantin beschlossen, in Berufung zu gehen. Seiner Ansicht nach hatte das Arbeitsgericht das Wort "ethnisch" falsch ausgelegt.

Der Vergleich sei "letztlich durch einen Zufall" zustande gekommen, berichtete der Rechtsanwalt. Als er zu einer Gerichtsverhandlung am Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart gefahren sei, habe er dort den Geschäftsführer der Fensterbaufirma getroffen, der zum nahe gelegenen Landgericht wollte. "Er sah mich im Auto sitzen", berichtete Nau. Es sei dann die Sprache darauf gekommen, ob und wie man den Rechtsstreit einvernehmlich beenden könnte. Der Vergleich sei dann innerhalb eines Tages zustande gekommen.

Die Anwälte beider Seiten bedauerten jedoch, dass nun kein Präzedenzfall geschaffen werde und nicht vom Landesarbeitsgericht geklärt wird, ob Ostdeutsche eine eigene Ethnie sind, sagte Nau.

Die Frau arbeite weiter auf der Stelle, die sie kurz nach ihrer erfolglosen Bewerbung gefunden hatte. Die Buchhalterin hatte in dem aufsehenerregenden Prozess auf die in diesen Fragen üblichen drei Monatsgehälter geklagt, in ihrem Fall rund 5000 Euro.

ore/dpa/dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Bitte was?
ryul 17.10.2010
---Zitat--- Im April hatte das Arbeitsgericht Stuttgart entschieden, dass der Vermerk zwar eine Diskriminierung sei - aber keine Benachteiligung wegen einer ethnischen Herkunft im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG). ---Zitatende--- Gehts noch? Was ist wenn auf diesen Unterlagen etwas wie "-Neger", "-Schlitzauge", "-HartzIV", "-Frau" stehen würde? Das wär dann bestimmt total ok für das Gericht. Willkommen im assozialen Deutschland!
2. Schlimm?
meslier 17.10.2010
Zitat von sysopStatt eines Jobs bekommt sie nun Geld: Eine Frau aus Ostdeutschland hat sich mit einer Firma außergerichtlich geeinigt, bei der sie sich erfolglos beworben hatte.*Weil auf ihren Bewerbungsunterlagen der Hinweis "Ossi" vermerkt wurde, hatte sie geklagt - und in erster Instanz verloren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,723605,00.html
Was ist denn schlimmes oder falsches an der Bemerkung Ossi? Das sagt doch nur etwas darüber aus, woher die Frau kommt. Ganz werteneutral.
3. ossi
yaoshi 17.10.2010
Ossi hin oder Ossi her.....offensichtlich hat man sich aber einigen können. Bei mir wird es viel härter: nehmen wir eine sehr hübsche Kenianerin, die hier in Deutschland fleißig studiert hat & dann auch alles Examina bestanden hat. Hilft leider alles nix, wenn man schwarz seu Ausländer ist. Weil sie keinen deutschen Paß hat, darf sie den erlernten/studierten Beruf nicht so ausführen, wie sie fachlich quallifiziert ist. Ich habe gelernt: man spricht hier deutsch und es gibt -ganz legal- einen riesen §§- Wald, in dem man sich leicht verirrt und fett auf die Schnauze fliegen kann. Mit den netten Beamten ( wovon übrigens eine aus dem Ost-Deutschland kommt) füh'l ich mich voll heimisch hier!
4. Tja...
sappelkopp 17.10.2010
...sowas habe ich auch schon auf die Bewerbung geschrieben... und zweimal habe ich die Bewerber eingestellt. Hoffentlich fühlen die sich nicht diskriminiert.
5. Juristenbullshit
sciing 17.10.2010
.. es darf niemand wegen seiner ethnischer Herkunft diskriminiert werden, wegen seiner Herkunft schon! Wer doch prima einem Juristensöhnlein sowas gegen den Kopf zu werfen, kommt aus Juristenfamilie nicht einstellbar, oder Pfarrerskinder, ein(e) von und zu - nicht zu gebrauchen!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Verbraucher & Service
RSS
alles zum Thema Arbeitsrecht - KarriereSPIEGEL
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 23 Kommentare
Arbeitsplatz-Test
Wie sicher ist Ihr Job?
Die Verunsicherung in Deutschland wächst. Ermitteln Sie, ob Ihre Stelle eher sicher oder gefährdet ist.

bei manager-magazin.de