Dispo-Zinsen: Wie Banken ihre Kunden ausnehmen

Von Nicolai Kwasniewski

Banken kommen derzeit so günstig an Geld wie nie zuvor. Wenn aber Kunden ihr Girokonto überziehen, schlagen die Institute richtig zu: Laut "Finanztest" nehmen sie bis zu 15 Prozent Zinsen. Um die Gebühren zu senken, genügt manchmal aber schon eine einfache Anfrage.

Targobank-Zentrale in Düsseldorf: Dispo-Zinsen von mehr als 14 Prozent Zur Großansicht
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Targobank-Zentrale in Düsseldorf: Dispo-Zinsen von mehr als 14 Prozent

Berlin - Über Geld spricht man nicht - offenbar vor allem, wenn man kaum rechtfertigen kann, wie man es verdient. Von den 1566 Banken in Deutschland, die die Zeitschrift "Finanztest" nach der Höhe ihrer Dispo-Zinsen befragt hat, antworteten kaum mehr als 350. Im Internet und einzelnen Filialen recherchierte die Redaktion die Konditionen für Girokonten von immerhin insgesamt rund 950 Banken und stellte fest: Die Überziehungszinsen sind beim Großteil der deutschen Geldinstitute immer noch viel zu hoch. Laut "Finanztest" nehmen die Banken bis zu 15,32 Prozent.

Diese Ergebnisse liegen sogar noch über einem Gutachten im Auftrag des Bundesverbraucherschutz-ministeriums, das bereits im Juli für Aufsehen sorgte. Die Experten kamen darin zu dem Schluss, dass die Banken auch mit einem Zinssatz von höchstens zehn Prozent profitabel arbeiten könnten. Die Verbraucherschutzminister der Länder nannten die Zinssätze "nicht plausibel", die Werte bewegten sich "ohne hinreichenden Grund" auf "unverhältnismäßig hohem Niveau".

Lukrative Einnahmequelle

Tatsächlich liegt der Leitzins in Europa seit Jahren niedrig, die Banken können sich bei der Europäischen Zentralbank (EZB) also enorm günstig Geld leihen. Erst im Juli hat die EZB den Leitzins erneut gesenkt: auf das historisch niedrige Niveau von 0,75 Prozent. Die Banken und Sparkassen in Deutschland beeindruckte das nicht: Dispo-Kredite bleiben für die Kunden teuer.

Der Dispo ist eine extrem lukrative Einnahmequelle für die Banken: Laut dem Forschungsinstitut Emnid nimmt fast ein Drittel der Deutschen den Überziehungskredit in Anspruch, rund zehn Prozent sogar mehr als zweimal im Jahr. Der Bundesbank zufolge waren die Bundesbürger im Juni 2012 mit fast 42 Milliarden Euro im Minus, der größte Teil davon entfällt auf überzogene Girokonten.

Das Zögern der Banken bei der Senkung der Kreditzinsen ist also nur allzu verständlich: Bei einem Zinssatz von 14,25 Prozent zahlt ein Kunde, der ein halbes Jahr mit 1000 Euro im Minus ist gut 71 Euro, rechnet "Finanztest" vor. Bei einer günstigen Bank mit einem Zinssatz von nur 5,25 Prozent, wie der Deutschen Skatbank, sind es dagegen nur gut 26 Euro.

Auf Nachfrage Zinsen gesenkt

Die "Finanztest"-Redakteure zeigen, wie weit die Konditionen auseinanderliegen - und wie wenig die teuren Banken darüber reden wollen. Mit erstaunlichen Begründungen verweigerten sie die Auskunft: "Wir geben Ihnen die Daten nur in einem persönlichen Gespräch, weil wir Wert auf Beratung legen", heißt es dann oder schlicht "wir wollen nicht teilnehmen" oder "unsere Arbeitsbelastung ist zu hoch". Im Durchschnitt, so ermittelten die Tester, liegt der Dispo-Zins derzeit bei 11,76 Prozent, immerhin gut ein halber Prozentpunkt weniger als im vergangenen Jahr. Das Ergebnis wäre laut "Finanztest" aber "wohl noch deutlich schlechter ausgefallen", wenn alle Banken ihre Daten vorgelegt hätten.

Wirklich helfen, davon zeigt sich "Finanztest" überzeugt, kann nur echte Transparenz. Von den 26 Banken, die die Tester im vergangenen Jahr als besonders teuer veröffentlicht hatten, haben 25 die Zinsen gesenkt. Weil einige Institute ihre Zinssätze im Internet veröffentlichen, konnte "Finanztest" beobachten, was ihre Recherchen auslösten. Manchmal, heißt es in dem Bericht, genügte schon eine einfach Anfrage, um die Dispo-Zinsen purzeln zu lassen: "Einige Banken verweigerten zwar die Auskunft, setzten aber gleich ihren Zins herunter, wie wir im Internet verfolgen konnten."

Tipps für Verbraucher

Verbrauchern, die unsicher sind, wie sie teure Dispo-Zinsen vermeiden, gibt der Bericht ein paar grundlegende Tipps:

  • Das Girokonto sollte nur im Notfall überzogen werden und dann auch nur für kurze Zeit. Der Dispo-Kredit ist der teuerste Kredit einer Bank. Günstiger sind Ratenkredite, im Zweifelsfall sollte man mit seinem Bankberater über eine Umschuldung sprechen.

  • Wer regelmäßig einen Dispo-Kredit - für kurzzeitige Überziehungen - braucht und bei einer der teuren Banken ist, sollte sein Institut wechseln, und bei der Suche nach einer neuen Bank auf die Dispo-Zinsen und Kontoführungsgebühren achten.

  • Vorsicht bei den Bezeichnungen: Der Dispo-Kredit heißt bei einigen Banken "eingeräumte Überziehung" - für den, der sein Konto um mehr als das eingeräumte Limit überzieht, wird es nochmals teurer: In der sogenannten geduldeten Überziehung liegt der Zinssatz zwischen vier und sechs Prozent höher als für den Dispo-Kredit

Eine Initiative der Bundesländer mit SPD-Regierungen, die Zinssätze gesetzlich zu begrenzen, scheiterte im September übrigens an den Verbraucherschutzministern der unionsgeführten Länder. Stattdessen baten die Bundesländer die Bundesregierung darum, Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Dispo-Zinsen - Die teuersten Anbieter
Anbieter Zinssatz (%) Preisaushang im Internet vorhanden
VR-Bank Aalen 6,82-15,32*;** ja
Sparkasse Elbe-Elster 11,25-14,75* ja
Raiffeisenbank Fischenich-Kendenich 14,25** nein
Targobank (Extra- und Classic Konto) 14,23 ja
Volksbank Stendal 13,99 ja
Volksbank Eisenberg 13,95 ja
Sparkasse Göttingen 13,80** ja
Darmsheimer Bank 13,75** ja
Kreissparkasse Osterholz 13,75** ja
Raiffeisenbank Lauenburg/Elbe 13,75** ja
Raiffeisenbank Urbach 13,75** ja
Sparkasse Duderstadt 13,75** ja
Volksbank Altshausen 13,75** ja
Volksbank Baden-Baden Rastatt 13,75** ja
Volksbank Bruhrain-Kraich-Hardt 13,75** ja
Volksbank Vogtland 13,75** ja
Stadtsparkasse Hameln 13,00-13,75*;** ja
Raiffeisenbank Bad Saulgau 7,75-13,75*;** ja
* Abhängig von der Bonität des Kunden

** Daten vom Anbieter nicht bestätigt

Quelle: Finanztest

Stand: 1. September 2012

Dispo-Zinsen - Die billigsten Anbieter
Anbieter Zinssatz (%) Preisaushang im Internet vorhanden
VR-Bank Uckermark-Randow
(Giro Komfort Plus)
4,50 ja
Deutsche Skatbank 5,25 ja
PSD Bank RheinNeckarSaar
(GiroDirekt Gold)
5,99 nein
Sparkasse Mittelmosel - Eifel Mosel Hunsrück
(Premium)
6,75 nein
DAB Bank 6,95 ja
Volksbank Saaletal 6,95 nein
Quelle: Finanztest

Stand: 1. September 2012

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1.
mmueller60 16.10.2012
---Zitat--- Manchmal, heißt es in dem Bericht, genügte schon eine einfach Anfrage, um die Dispozinsen purzeln zu lassen: "Einige Banken verweigerten zwar die Auskunft, setzten aber gleich ihren Zins herunter, wie wir im Internet verfolgen konnten." ---Zitatende--- Also das kann ich kaum glauben! Für alle Kunden wird der Dispo auf einmal billiger, nur weil irgendwelche Verbraucherschützer arglos anfragen?
2. ...
e-ding 16.10.2012
Zitat von sysopBanken kommen derzeit so günstig an Geld wie nie zuvor. Wenn aber Kunden ihr Girokonto überziehen, schlagen die Institute richtig zu: Laut "Finanztest" nehmen sie bis zu 15 Prozent Zinsen. Um die Gebühren zu senken, genügt manchmal aber schon eine einfache Anfrage. Dispozinsen: Finanztest zeigt, wie Banken ihre Kunden ausnehmen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/dispozinsen-finanztest-zeigt-wie-banken-ihre-kunden-ausnehmen-a-861469.html)
Da existiert eine verblüffend einfache Gegenstrategie; - nur soviel Geld ausgeben, wie man auch hat! Brilliant, wie ich finde!
3. Merkelertrager
Mertrager 16.10.2012
Ich möchte ergänzen, dasz im Osten Deutschlands bei diesen Werten nicht Schluß ist. Hier nimmt man auch mehr als 16%. Und das schon seit vielen Jahren. Und auch bei solventen Kunden, wenn es nur um einen Tag Überziehung geht.
4. Da ist noch nichts!
lennis 16.10.2012
Volksbank im Märkischen Kreis eG Überziehungszinssatz 17,45 %
5. "Doof bleibt doof...
Airkraft 16.10.2012
da helfen keine Pillen" Wenn's der Kunde nicht merkt, schadet's vermutlich auch nicht!
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