Berlin - Über Geld spricht man nicht - offenbar vor allem, wenn man kaum rechtfertigen kann, wie man es verdient. Von den 1566 Banken in Deutschland, die die Zeitschrift "Finanztest" nach der Höhe ihrer Dispo-Zinsen befragt hat, antworteten kaum mehr als 350. Im Internet und einzelnen Filialen recherchierte die Redaktion die Konditionen für Girokonten von immerhin insgesamt rund 950 Banken und stellte fest: Die Überziehungszinsen sind beim Großteil der deutschen Geldinstitute immer noch viel zu hoch. Laut "Finanztest" nehmen die Banken bis zu 15,32 Prozent.
Diese Ergebnisse liegen sogar noch über einem Gutachten im Auftrag des Bundesverbraucherschutz-ministeriums, das bereits im Juli für Aufsehen sorgte. Die Experten kamen darin zu dem Schluss, dass die Banken auch mit einem Zinssatz von höchstens zehn Prozent profitabel arbeiten könnten. Die Verbraucherschutzminister der Länder nannten die Zinssätze "nicht plausibel", die Werte bewegten sich "ohne hinreichenden Grund" auf "unverhältnismäßig hohem Niveau".
Lukrative Einnahmequelle
Tatsächlich liegt der Leitzins in Europa seit Jahren niedrig, die Banken können sich bei der Europäischen Zentralbank (EZB) also enorm günstig Geld leihen. Erst im Juli hat die EZB den Leitzins erneut gesenkt: auf das historisch niedrige Niveau von 0,75 Prozent. Die Banken und Sparkassen in Deutschland beeindruckte das nicht: Dispo-Kredite bleiben für die Kunden teuer.
Der Dispo ist eine extrem lukrative Einnahmequelle für die Banken: Laut dem Forschungsinstitut Emnid nimmt fast ein Drittel der Deutschen den Überziehungskredit in Anspruch, rund zehn Prozent sogar mehr als zweimal im Jahr. Der Bundesbank zufolge waren die Bundesbürger im Juni 2012 mit fast 42 Milliarden Euro im Minus, der größte Teil davon entfällt auf überzogene Girokonten.
Das Zögern der Banken bei der Senkung der Kreditzinsen ist also nur allzu verständlich: Bei einem Zinssatz von 14,25 Prozent zahlt ein Kunde, der ein halbes Jahr mit 1000 Euro im Minus ist gut 71 Euro, rechnet "Finanztest" vor. Bei einer günstigen Bank mit einem Zinssatz von nur 5,25 Prozent, wie der Deutschen Skatbank, sind es dagegen nur gut 26 Euro.
Auf Nachfrage Zinsen gesenkt
Die "Finanztest"-Redakteure zeigen, wie weit die Konditionen auseinanderliegen - und wie wenig die teuren Banken darüber reden wollen. Mit erstaunlichen Begründungen verweigerten sie die Auskunft: "Wir geben Ihnen die Daten nur in einem persönlichen Gespräch, weil wir Wert auf Beratung legen", heißt es dann oder schlicht "wir wollen nicht teilnehmen" oder "unsere Arbeitsbelastung ist zu hoch". Im Durchschnitt, so ermittelten die Tester, liegt der Dispo-Zins derzeit bei 11,76 Prozent, immerhin gut ein halber Prozentpunkt weniger als im vergangenen Jahr. Das Ergebnis wäre laut "Finanztest" aber "wohl noch deutlich schlechter ausgefallen", wenn alle Banken ihre Daten vorgelegt hätten.
Wirklich helfen, davon zeigt sich "Finanztest" überzeugt, kann nur echte Transparenz. Von den 26 Banken, die die Tester im vergangenen Jahr als besonders teuer veröffentlicht hatten, haben 25 die Zinsen gesenkt. Weil einige Institute ihre Zinssätze im Internet veröffentlichen, konnte "Finanztest" beobachten, was ihre Recherchen auslösten. Manchmal, heißt es in dem Bericht, genügte schon eine einfach Anfrage, um die Dispo-Zinsen purzeln zu lassen: "Einige Banken verweigerten zwar die Auskunft, setzten aber gleich ihren Zins herunter, wie wir im Internet verfolgen konnten."
Tipps für Verbraucher
Verbrauchern, die unsicher sind, wie sie teure Dispo-Zinsen vermeiden, gibt der Bericht ein paar grundlegende Tipps:
Eine Initiative der Bundesländer mit SPD-Regierungen, die Zinssätze gesetzlich zu begrenzen, scheiterte im September übrigens an den Verbraucherschutzministern der unionsgeführten Länder. Stattdessen baten die Bundesländer die Bundesregierung darum, Lösungsvorschläge zu erarbeiten.
| Dispo-Zinsen - Die teuersten Anbieter | ||
| Anbieter | Zinssatz (%) | Preisaushang im Internet vorhanden |
| VR-Bank Aalen | 6,82-15,32*;** | ja |
| Sparkasse Elbe-Elster | 11,25-14,75* | ja |
| Raiffeisenbank Fischenich-Kendenich | 14,25** | nein |
| Targobank (Extra- und Classic Konto) | 14,23 | ja |
| Volksbank Stendal | 13,99 | ja |
| Volksbank Eisenberg | 13,95 | ja |
| Sparkasse Göttingen | 13,80** | ja |
| Darmsheimer Bank | 13,75** | ja |
| Kreissparkasse Osterholz | 13,75** | ja |
| Raiffeisenbank Lauenburg/Elbe | 13,75** | ja |
| Raiffeisenbank Urbach | 13,75** | ja |
| Sparkasse Duderstadt | 13,75** | ja |
| Volksbank Altshausen | 13,75** | ja |
| Volksbank Baden-Baden Rastatt | 13,75** | ja |
| Volksbank Bruhrain-Kraich-Hardt | 13,75** | ja |
| Volksbank Vogtland | 13,75** | ja |
| Stadtsparkasse Hameln | 13,00-13,75*;** | ja |
| Raiffeisenbank Bad Saulgau | 7,75-13,75*;** | ja |
| * Abhängig von der Bonität des Kunden ** Daten vom Anbieter nicht bestätigt Quelle: Finanztest Stand: 1. September 2012 |
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| Dispo-Zinsen - Die billigsten Anbieter | ||
| Anbieter | Zinssatz (%) | Preisaushang im Internet vorhanden |
| VR-Bank Uckermark-Randow (Giro Komfort Plus) |
4,50 | ja |
| Deutsche Skatbank | 5,25 | ja |
| PSD Bank RheinNeckarSaar (GiroDirekt Gold) |
5,99 | nein |
| Sparkasse Mittelmosel - Eifel Mosel Hunsrück (Premium) |
6,75 | nein |
| DAB Bank | 6,95 | ja |
| Volksbank Saaletal | 6,95 | nein |
| Quelle: Finanztest Stand: 1. September 2012 |
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