Geldanlage Was Trump für Sie bedeutet

Der neue US-Präsident hat große Wirtschaftsprojekte angekündigt. Was heißt das für die Ersparnisse der Deutschen? Diese Tipps sollten Sie beachten.

Donald Trump
DPA

Donald Trump

Eine Kolumne von


Der neue amerikanische Präsident Donald Trump hat seinen Amtseid geschworen. In den Wochen vor dem gestrigen Freitag hat er die Interessen seiner Nation auf eine neue, für US-Politiker in den vergangenen Jahrzehnten ungewöhnlich laute Weise definiert.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 4/2017
Die neue Weltordnung

Seinen Dauerslogan "Make America great again" füllt Trump mit Ideen gegen andere: zum Beispiel mit angedrohten Strafzöllen gegen ausländische Hersteller, die Waren in Mexiko produzieren lassen und in die USA einführen wollen. Und auch die Pharmakonzerne, die - Trump-Zitat - "über Leichen gingen" und in den USA ein Vielfaches für die gleichen Medikamente kassierten wie zum Beispiel in Europa, würden ein Ende dieser Praxis sehen. Amerikanische Patienten sollen deutlich weniger für ihre Pillen zahlen, und wenn das Geld dann für die Pharmaforschung nicht reicht, müssten eben die Europäer draufzahlen.

Poltert der Mann nur vor sich hin oder haben diese Ankündigungen echte Auswirkungen für Sie und mich?

Wirtschaft und insbesondere Börse hat viel mit Erwartungen zu tun. Schon das Poltern vor dem Handeln wird Auswirkungen haben:

  • Ihr Arbeitgeber zum Beispiel hat viel in die USA exportiert und sich dort gegen inländische Konkurrenz durchgesetzt. Schließlich gingen zuletzt rund zehn Prozent der deutschen Exporte in die USA, der größte Markt außerhalb der EU. Das wird künftig schwieriger und kann Folgen für den Erfolg des Unternehmens haben.
  • Sie haben Geld in US-Firmen angelegt? Schauen Sie genau hin, auf welche Wirtschaftszweige der US-Präsident setzt. Nach seiner Wahl gewannen die Aktien von Rüstungsherstellern und Banken hinzu. Aber bleibt das auch so?

Ihnen ist das alles viel zu kompliziert? Und im Hinterkopf haben Sie noch den Satz, dass politische Börsen kurze Beine hätten? Dann bleiben Sie auch im unruhigen Jahr 2017 ruhig - und folgen der bewährten Strategie der Geldanlage.

Die geht so: Sie legen Tagesgeld für ein Prozent bei einer deutschen Genossenschaftsbank oder einer französischen, vielleicht niederländisch-stämmigen Direktbank an. Sie parken Festgeld nicht zu lange bei britischen oder französischen Banken. Und für den großen Batzen langfristiger Ersparnisse wählen Sie einen über viele Länder und Branchen streuenden, günstigen Aktien-Indexfonds, zum Beispiel einen auf den MSCI World oder vielleicht den Stoxx Europe 600. Bis Sie das Geld wieder abrufen, in 15 Jahren oder später, bereitet sich mindestens der übernächste US-Präsident auf seine Wahl vor.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Die Geldanlage in einen Aktienindex zu stecken, hat einen weiteren Vorteil: Denn die genannten Indizes bündeln die nach Börsenwert größten Unternehmen, ihre Zusammensetzung wird regelmäßig neu geprüft. Sie müssen sich also keine Gedanken machen, wenn sich die Bedeutung mancher Unternehmen künftig verschiebt. Soll heißen: Vielleicht geht es Apple am Aktienmarkt demnächst schlechter, aber dafür der einen oder anderen US-Großbank, einem Baggerhersteller wie Caterpillar, einer US-Aluschmelze wie Alcoa oder einem US-Stahlgiganten ein wenig besser.

Vielleicht spielen andere Länder in 15 Jahren eine noch viel größere Rolle. Schon heute werden in China 26 Millionen Autos im Jahr gebaut, doppelt so viele wie in den USA und viermal so viele wie in Deutschland. Für Ihren Indexfonds bedeutet das am Ende nur, er setzt sich anders zusammen.

Wenn Sie hingegen einzelne Aktien dieser US-Firmen kaufen oder verkaufen wollen, dann werfen Sie vorher einen Blick in Donald Trumps Kalender. Den Zugriff haben Sie nicht? Dann wird der Kauf und Verkauf einzelner Aktien in den kommenden Monaten für Sie noch mehr zu einem Glückspiel als schon zuvor. Und von solchen Glücksspielen rate ich ab.



insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
vor_dem_spiegel 21.01.2017
1. Netter Artikel
Wie groß ist wohl der Leserkreis, auf den dieser Artikel abzielt? Der Autor stellt exakt zwei Fragen * und bietet sogleich eine Lösungsstrategie. Jargon, Inhalt und der Ausführlichkeit kommentiere ich nicht - allein die Auswahl der bewobenen Produkte dürfte jedem kritischen Leser bekannt sein.
Räuber Hotzenplotz 21.01.2017
2. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!
Der Kommentar hilft nun wirklich nicht deutlich weiter, weil nix neues drin...summa summarum: Prognosen sind schwierig, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen. :-))) Sparbuch, Festgeld und "sichere" Anleihen sind derzeit ein Rohrkrepierer, Aktienindizes sind eigentlich nie verkehrt (wenn man nicht gerade kurz vor dem Platzen der Blase kauft und einen längeren Atem hat), Gold bestenfalls als kleine eiserne Reserve unterm Kopfkissen (wenn man nicht gerade Fort Knox zuhause hat). Man findet immer noch gute Immobilien zur Vermietung (am besten Einzimmer-Apartments, weil Singles immer mehr werden und die nächstkleinere Wohneinheit unter der Brücke ist). Vor allem aber wird es mit der digitalen Revolution die nächsten Unternehmen a la Microsoft, Apple, Google, Amazon etc geben...die muß man suchen und früh einsteigen. Ansonsten gibt es auch immer noch viele Unternehmen, die seit Jahrzehnten stetig wachsende Dividenden haben und deren Business-Model so robust ist, daß es auch die nächsten Jahre fette Dividenden abwerfen sollte (Beispiel Telekommunikation, IT, www) Oder auch einfach mal abwarten - der nächste kleine oder größere Börsen-Crash kommt so sicher und regelmäßig wie das Amen in der Kirche - dann billig Qualitätsaktien einkaufen. In der Panik rauschen die Kurse innerhalb von Minuten (oder auch Sekunden) in den Keller ("dank" automatisch ausgeführter Stop Loss Orders), um schon wenige Minuten danach schon wieder einen Großteil des Verlustes wettgemacht zu haben. 2016 mehrfach passiert: BRExit, Trump, u.a. Alles ohne Risiko? Nee! Aber wie sagt man noch: wer nicht wagt, der nicht gewinnt!
Det_onator 21.01.2017
3. Die Geldsystemfrage wird nie gestellt, warum?
Das auf Kreditaufnahme beruhende, zinsbelastete Schuldgeldsystem ist falsch, warum wird das von ihnen Herr Tenhagen nicht einmal angesprochen? Warum soll jemand, nur weil er mehr Kapital als jemand anderes hat, damit noch mehr Geld „verdienen“ können? Für ihre Renditen, müssen sich andere Menschen verschulden und arbeiten. Laut Bundesbank halten die zehn Prozent der vermögendsten Deutschen 59,8 Prozent des gesamten Vermögens, und damit 0,6 Prozentpunkte mehr als 2010.
dirk.resuehr 21.01.2017
4. Anlage
Die goldene Anlageregel während meiner Lehrzeit Bank lautete 1'/3 Gold, 1/3 Immobilien, 1/3 Wertpapiere(Aktien). Daran hat sich nicht viel geändert, auch heute noch ordentlich, Tenhagen kann in Rente gehen. Gilt allerdings nur für Menschen, die soviel Geld haben, daß sie nicht wissen, wohin damt.
kanoprie 21.01.2017
5. @3 - Ein anderes Währungssystem
„Das auf Kreditaufnahme beruhende, zinsbelastete Schuldgeldsystem ist falsch, ...“ In dem von Ihnen sogenannten zinsbelasteten Schuldgeldsystem werden zwar viele Fehler gemacht aber den Beweis, dass es grundsätzlich falsch ist, wird mit dieser Behauptung nicht geliefert. Was schlagen Sie stattdessen vor, etwa eine reine Goldwährung? - Oder eine goldgedeckte Währung? - Was schon wieder etwas grundsätzlich anderes ist, als eine reine Goldwährung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.