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Dortmund: Sparkasse informiert Weltkriegstoten über Einlagensicherung

Er starb im Zweiten Weltkrieg - doch 71 Jahre nach seinem Tod bekam ein Mann aus Dortmund noch Post von der Sparkasse. Das Infoschreiben brachte die Familie des Toten auf die Spur eines längst vergessenen Kontos.

Sparbuch einer Sparkasse: Vergessenes Konto taucht wieder auf Zur Großansicht
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Sparbuch einer Sparkasse: Vergessenes Konto taucht wieder auf

Das Einlagensicherungsgesetz soll Sparer besser vor dem Verlust ihres Geldes schützen. Im Juli vergangenen Jahres trat das Gesetz in Kraft und die Banken waren aufgefordert, ausnahmslos alle Kunden über die Neuerung zu informieren. Auch die Sparkasse Dortmund mit fast 390.000 Kunden schickte Briefe raus. Eines dieser Schreiben sorgte bei einer Dortmunder Familie für Verwunderung. Denn der Empfänger gilt seit 71 Jahren als tot. Der Mann kehrte nicht aus dem Zweiten Weltkrieg zurück.

Doch die inzwischen fast 84 Jahre alte Tochter des Mannes lebt noch immer an der ursprünglichen Adresse ihres verstorbenen Vaters. Und so landete der Infobrief über die Einlagensicherung bei den Hinterbliebenen, sagte ein Sparkassen-Sprecher. Zuerst berichteten die "Ruhr-Nachrichten" und dann auch die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ) über den Fall.

Aus dem bei der Bank hinterlegten Geburtsdatum des Kontenbesitzers geht hervor, dass dieser im Februar bereits 109 Jahre alt würde. Doch da der Infobrief maschinell erstellt worden sei, habe dies niemanden stutzig gemacht, sagte der Sprecher. Ob dies nun der erste Brief nach Jahrzehnten gewesen sei oder ob frühere Briefe an die Adresse vielleicht einfach weggeworfen oder ignoriert wurden, lasse sich nicht mehr nachvollziehen.

Der Infobrief jedenfalls animierte die Familie dazu, Nachforschungen über das Konto anzustellen. Laut "WAZ" fand die Tochter des Verstorbenen tatsächlich ein Sparbuch ihres Vaters. Es sei vermutlich jenes, um das es bei dem Infoschreiben gehe. Die letzte Geldbewegung sei 1956 eingetragen worden - also elf Jahre nach dem Tod des Mannes. Laut "WAZ" kümmerte sich die Witwe vermutlich lange Zeit um das Sparbuch. Die Frau ist aber bereits vor 30 Jahren verstorben.

Dass die 1841 gegründete Bank Briefe an bereits verstorbene Kunden verschicke, das passiere ab und zu, sagte der Sprecher. Unter den Konten bei der Dortmunder Sparkasse gebe es auch 200.000 sogenannte Winzigkonten mit insgesamt 4,5 Millionen Euro Einlagen. Das sind Konten, die seit mindestens fünf Jahren brachliegen und nur kleine Ersparnisse aufweisen. Im Schnitt sind es 22,50 Euro. Auch das Konto des verstorbenen Soldaten war ein solches Winzigkonto.

Wie viel Geld auf dem Sparbuch war, durfte der Banksprecher nicht sagen. Aber mit dem alten Sparbuch als Beweis dürften die Angehörigen nun gute Chancen haben, an das seit Jahrzehnten schlummernde Geld zu kommen - plus Zinsen.

mmq

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insgesamt 56 Beiträge
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1. Abzüglich der Zinsertragssteuer
Bernhard.R 11.01.2016
Denn einen Freistellungsantrag hat der Kontoinhaber wohl nicht gestellt. Ich habe neulich ein 1990 mit 20 DM eingerichtetes Konto aktualisieren lassen. Jetzt 16 EUR.
2. Banken und Stammdatenpflege...
Pless1 11.01.2016
Wir haben vor ein paar Monaten nach dem Tod meiner Mutter ein Kondolenzschreiben der Bank bekommen. Parallel haben wir ihr Sparbuch aufgelöst. Trotzdem kam vier Wochen später ein Glückwunschschreiben zum 80. Geburtstag. Im hier beschriebenen Fall ist das Geld und das Konto noch vorhanden. Das ist nicht immer so: oft erklären Banken gerade die beliebten Sparbücher nach einigen Jahren ohne Bewegung für "kraftlos". Das steht dann im Kleingedruckten der Zeitung, und wer sich dann nicht innerhalb einer Frist meldet, hat Pech gehabt - das Guthaben verfällt zugunsten der Bank.
3. 3 Stellig
Will_Fry 11.01.2016
Dank Zins und Zinseszins werden aus 22 Euro in 70 Jahren auf jeden Fall mal eine nette 3-stellige Summe.
4. Sparbuch
malcom1 11.01.2016
Ich habe vor 2 Jahren ein Sparbuch gefunden, auf dem seit ca. 20 Jahre kein Eintrag mehr gemacht wurde. Der Besitzer ist verstorben. Bin aber erbberechtigt. Bank wehrt sich dies anzuerkennen. Die Zweistelle gibt es nicht mehr. Die Hauptbank hat zwischenzeitlich fusioniert. Unterlagen gibt es angeblich nicht mehr. usw.usw. Habe aber das Sparbuch (Guthaben ca. 200,00 DM). Bank schenken nein.
5. Sparkasse = spasskasse ?
urknallmarinchen@yahoo.de 11.01.2016
Wie sagt der Knirps nochmal in der Werbung? "Die heißen doch gar nicht Bank...!" Und trotzdem haben sie einen Banksprecher... - TOLL !
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